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Veranstaltungen & Kritiken Musikfestspiele |
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Mit Klangpracht in eine orchestrale Zukunft
Von Gerhard Menzel
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Fotos von Dorothea Heise
Sophie Daneman (Cleopatra)
Händels "Giulio Cesare" ist nicht nur seine am aufwändigsten instrumentierte, sondern auch eine seiner erfolgreichsten und beliebtesten Opern weltweit. Bereits nach der Premiere 1724 wurde er zwölf Mal im King's Theatre am Londoner Haymarket aufgeführt und 1725, 1730 und 1732 erneut aufgenommen. Für damalige Zeiten ein echtes Erfolgsstück, geriet es nach Händels Tod in Vergessenheit, bis es 1922 von Oskar Hagen bei den Göttinger Händel-Festspielen erstmals (in deutscher Sprache) wieder aufgeführt wurde. Im Zuge der "Göttinger Händel-Renaissance" kam es dann zu einer Serie von Neuaufführungen, die auch das Thema der Ausstellung "85 Jahre Wiederentdeckung der Oper ‚Giulio Cesare' in Göttingen" im Händel-Zentrum und im Foyer der Stadthalle waren.
Diana Moore (Sesto) undCécile van de Sant (Cornelia)
Wie schon bei seinen Inszenierungen von "Rodelinda" (2000) und "Rinaldo" (2004) musste Regisseur Igor Folwill mit seinen Ausstattern Manfred Kaderk (Bühnenbild) und Andreas Meyer (Kostüme) erneut nach einer Lösung suchen, wie sie die Liebesgeschichte der beiden großen historischen Persönlichkeiten im Saal der Stadthalle in Szene setzen konnten. Trotz aller bühnentechnischer Beschränktheit gelang es ihnen auch dieses Mal, mittels einer Treppenkonstruktion, diverser Requisiten und einer den Raum gestaltenden Beleuchtung (Peter Sandvoss), das Geschehen auf die handelnden Personen zu konzentrieren und die Geschichte stringent und mit allerlei Liebe zum Detail zu erzählen.
Kai Wessel (Giulio Cesare)
Dabei stand die Produktion noch kurz zuvor vor einem enormen Problem, da der für die Hauptpartie vorgesehene junge amerikanische Countertenor Gerald Thompson (der im April 2007 sein Debut an der Metropolitan Opera New York gegeben hatte) kurzfristig abgesagt hatte. Da in Göttingen aber bereits die Probenphase begonnen hatte, war man überglücklich, Kai Wessel für die Partie gewinnen zu können, obwohl dieser den Caesar - abgesehen von einigen Arien - noch nie gesungen und gespielt hatte. Dass dieses unerwartete Debüt als Caesar zu einem derartigen Erfolg wurde, ist daher umso schöner.
Jose Lemos (Tolomeo)
Die Besetzung wies auch in der Tat hochkarätige Sängerdarsteller auf. Cécile van de Sant mit ihrer herrlichen und ausdrucksstarken Stimme als Cornelia und die phantastische Diana Moore als Sesto waren überwältigend. Sophie Daneman wirkte als Cleopatra zwar etwas gesetzt, ließ aber ihre perfekt geführte Stimme in den herrlichsten Tönen erklingen. Der im Vergleich zum langen Schlacks Kai Wessel kleingewachsene Jose Lemos als Gegenspieler Caesars und Tyrann Tolomeo sorgte nicht nur für optisch komisch anmutende Szenen, sondern setzte auch stimmlich deutlich Akzente.
Cécile van de Sant (Cornelia) und
Konstantin Wolff (Achilla) und Thomas Bonni (Curio) fügten sich nahtlos in das Ensemble ein, während sich Yosemeh Adjei als Diener Cleopatras (Nireno) vor allem durch seine körperliche Athletik und Gewandtheit in die Herzen des Publikums spielte. Die individuellen Möglichkeiten der Akteure nutzend, setzte Igor Folwill die Bildhaftigkeit der Musik mit Ansätzen von Ironie geschickt in Szene, wobei er nicht vor diversen Brüchen zurückschreckte. Herrlich gelungen war zum Beispiel die Integration der oft geschilderten Situation, wie Cleopatra sich mittels eines Teppichs in das Lager Caesars eingeschlichen haben soll. Hier aufgegriffen in der Schlafszene, wo sie von ihrem Diener in eine Liegematte eingerollt wurde, dessen Gürtel als rote Schleife großen Eindruck machte.
Sophie Daneman (Cleopatra) und Yosemeh Adjei (Nireno)
Gewollt, oder ungewollt, hatte Igor Folwill dem im letzten Jahr gegründeten FestspielOrchester Göttingen (FOG) den zentralen Platz auf der Spielfläche zugewiesen. Besser hätte man dieses neue Festivalorchester, das hier zum ersten Mal in einer Opernproduktion zu hören war, nicht in Szene setzen können. Die ca. 40 Musiker aus den renommiertesten Barockorchestern der Welt hatten dieses Jahr allerdings nicht nur "Operndienst", sondern sie präsentierten sich mit dem Oratorium "Solomon" sowohl in Göttingen, als auch in der Frauenkirche Dresden und bei den Festwochen Herrenhausen. Ein schier unglaubliches Marathonprogramm, das sie mit ihrem allgegenwärtigen und furios wirbelndem Maestro Nicholas McGegan allerdings mit großer Bravour meisterten. So hatten Nicholas McGegan und Igor Folwill eine musikalisch-szenische Aufführung entwickelt, die eine Brücke zwischen historischer Aufführungspraxis und moderner Darstellung schlug und dem Publikum viereinhalb, hochkonzentrierte und unterhaltsame Stunden bescherte.
Szenisch erfreulich uneitel und stark auf die zwischenmenschlichen Beziehungen konzentriert, begeisterte die musikalische Umsetzung durch eine energiegeladene und ausdrucksvolle Interpretation von Nicholas McGegan, ein exquisites Solistenensemble und ein zukunftsicherndes FestspielOrchester Göttingen. Die Konzerte der Internationalen Händel-Festspiele in Göttingen 2007Ihre Meinung ? Schreiben Sie uns einen Leserbrief |
ProduktionsteamMusikalische LeitungNicholas McGegan
Regie
Bühne
Kostüme
Beleuchtung
Solisten
Giulio Cesare
Cleopatra
Tolomeo
Cornelia
Sesto
Nireno
Achilla
Curio
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- Fine -