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Schwetzinger Festspiele

28. April bis 7. Juni 2006

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Schwetzinger Festspiele
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Ein Festival der Vielfalt

Von Christoph Wurzel

Eifrigen Radiohörern wird die Ansage "Schwetzinger Festspiele" geläufig sein, denn in jeder Saison werden alle Konzerte aufgezeichnet und vom Südwestrundfunk gesendet. Die meisten werden auch von zahlreichen deutschen Radiosendern und weltweit ins Programm genommen, es sollen über 500 Sendungen sein - von der kleinen badischen Residenzstadt bis nach Australien. Die Schwetzinger Festspiele sind das größte Radiofestival der Welt. Mit Sicherheit gehören die Schwetzinger auch zu den schönsten Festspielen, denn das Ambiente des Schlosses mit seinen Rokokosälen, dem französischen Schlossgarten, der barocken Frühlingsblütenpracht und der kulinarische Auftakt der Spargelsaison erlauben neben den musikalischen Genüssen vielfältige Sinnenfreuden auch anderer Art. Wenn in der Konzertpause die großen Flügeltüren des Mozartsaales geöffnet werden und das Publikum hinaus in den fliederduftenden Park tritt, dann hat dieses Erlebnis schon ein ganz besonderes Flair.

Nicht zuletzt aber sind die Schwetzinger Festspiele ein Programmfestival von höchster Qualität, bei dem zuerst die Musik selbst zu ihrem Recht kommt und danach erst die großen Namen der Interpreten, mit welchen Schwetzingen durchaus auch aufwarten kann. Aber die Programmgestaltung in Schwetzingen ist es, die dieses Festival so besonders reizvoll macht. Die Schwetzinger Festspiele haben traditionell einen Rahmen und jedes Jahr ein eigenes Gesicht: 2 Opern werden gegeben - meist ein Werk des 17. oder 18. Jahrhunderts, oftmals eine Ausgrabung - und ein Werk des modernen Musiktheaters sowie rund 40 Konzerte, Solorecitals, Kammermusik und Orchesterkonzerte, die im historischen Rokokotheater und den wunderschönen kleinen Sälen der barocken Zirkelbauten des Schlossareals stattfinden.

2006 bildet das Gedenken an die musikalischen Jubilare des Jahres einen wichtigen Akzent des Festivals. Mozart ist natürlich mit zahlreichen Werken vertreten, aber ausdrücklich in den Mittelpunkt gerückt sind zwei Komponisten, die vom Mozartboom ein bisschen an den Rand gedrängt wurden, gleichwohl aber höchstes Interesse verdienen: Joseph Martin Kraus (1756 geboren) und Dimitri Schostakowitsch, der vor 100 Jahren geboren wurde. Beiden ist im Rahmen der Schwetzinger Programmdramaturgie ein eigener Schwerpunkt gewidmet.

Als "Odenwälder Mozart" wird Kraus ob seines Geburtsorts Miltenberg von der Nachwelt bezeichnet und weil er nahezu dieselben Lebensdaten hat wie der Salzburger: 1756 bis 1792. Seine Oper Proserpina wurde im Rokokotheater als deutsche Erstaufführung inszeniert. Und in zwei Konzerten stellte Concerto Köln Sinfonien und Arien (gesungen von Simone Kermes) ebensolchen Mozarts gegenüber.
Dimitri Schostakowitsch wird in 5 Konzerten mit einigen seiner Streichquartette mit Quartetten von Haydn bis Schubert kontrastiert.

"Altes wiederentdecken, Neues initiieren und dem Nachwuchs eine Chance geben" - so lautet das Motto der Festspiele seit ihrem Bestehen. Die neue Musik bildet also den deutlichen Kontrapunkt zur Präsentation der Alten Musik und so weist die Geschichte der Schwetzinger Festspiele nicht nur eine stolze Liste von Uraufführungen auf, sondern es steht die Musik der Gegenwart immer mit großem Gewicht auch im Zentrum des Interesses. In diesem Jahr wird es über Pfingsten eine fünfteilige Konzertreihe geben, die der ungarische Komponist und Dirigent Péter Eötvös gestaltet:

"Klangbrücken" werden geschlagen von mittelalterlicher Musik bis zur Gegenwart, vom Madrigal bis zu authentischer ungarischer Volksmusik und vom traditionellen Orchesterkonzert bis hin zur Klanginstallation. Als Uraufführung wird von Salvatore Sciarrino die Oper "Da gelo a gelo" ("Kälte") Aufmerksamkeit beanspruchen, bereits sein drittes Bühnenwerk, das in Schwetzingen aus der Taufe gehoben wird.

Der Nachwuchsförderung und zugleich der Völkerverbindung dient auch in diesem Jahr wieder die "Woche der Begegnung junger Musiker", diesmal ein gemeinsames Projekt von chinesischen und deutschen jungen Musikerinnen und Musikern. Schon etwas arrivierteren jungen Künstlern sind die 5 Kammermusikmatineen gewidmet, die Streichquartette der "Wiener Schulen", der ersten und der zweiten, miteinander verbinden. Es spielen junge Quartettformationen aus Frankreich, Israel, Spanien, Kanada und Russland.

Last but not least die Auftritte der bekannten Namen: Hélène Grimaud oder Mikhail Pletnev, Christoph Prégradien oder Christine Schäfer, die Ensembles Europa Galante oder Musica Antiqua Köln, um nur einige zu nennen.


FAZIT

Programmgestaltung und Interpretenauswahl bürgen in Schwetzingen stets für ungewöhnlich hohe Qualität. Der Rundfunk als Hauptträger und eine Reihe namhafter Sponsoren ermöglichen auch erträgliche Preise. Die Verbreitung der Konzerte im Rundfunk lassen ein Vielfaches der jährlich etwa 20 000 Besucher an den Genüssen teilhaben, die allerdings doch am schönsten sind, wenn man sie vor Ort auskosten kann.

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Im und um das Schwetzinger Schloss
Foto: Christoph Wurzel


Weitere Rezensionen:

Proserpina
Oper von Joseph Martin Kraus

Der Odenwälder Mozart
Musik von Joseph Martin Kraus
und Wolfgang Amadeus Mozart
mit dem Concerto Köln

Schostakowitsch - Kontraste

Kälte
Musiktheater von Salvatore Sciarrino






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