Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musikfestspiele
Zur OMM-Homepage Zur Festspiel-Startseite E-Mail Impressum



Klavier-Festival Ruhr 2005

20. Juli 2005
Schloss Herten

Anika Vavić
Vergrößerung in neuem Fenster

Klavier-Festival Ruhr
(Homepage)

Poesie versus Schlamperei

Von Markus Bruderreck

Auch in diesem Jahr zählt das Hertener Schloss wieder zu den Austragungsorten des Klavier-Festivals Ruhr. Dort im von der übermäßigen Sommerhitze recht stickigen Barocksaal setzte sich Pianistin Anika Vavić an den Flügel. Ihr Konzert jedoch hinterließ einen durchaus zwiespältigen Eindruck. Für Impressionistisches, für die Musik Chopins und auch die hyperchromatischen Klänge eines Alexander Skrjabin hat Vavić offenbar ein besonderes Gespür. Hier offenbart sie poetische Empfindungskraft, lässt sich Zeit, Stimmungen zu entwickeln, aus der musikalischen Zeit zu fallen. Die leicht gefügten, zerbrechlich wirkenden „Vier Stücke op. 51“ von Skrjabin gelingen ihr ganz vorzüglich, auch der Valse op. 38, bei dem die Gestaltung des komplexen Höhepunktes allerdings nicht wirklich überzeugt. Auch die „Valses nobles et sentimentales“ von Maurice Ravel liegen der Pianistin – schade, dass hier kein schlüssiger Bogen entsteht (generell eine Schwierigkeit bei diesem Werk, der man sich gleichwohl stellen und sie bewältigen muss). Bei den groß angelegten Steigerungen entgleitet der Pianistin zudem hier die Kontrolle.

Auch eine Uraufführung hatte das Konzert im Schloss zu bieten: „Peras. Musik für Klavier“ des jungen österreichischen Komponisten Johannes Maria Staud. „Peras“ ist ein solistisches Gegenstück zu dem Orchesterwerk „Apeiron“, das erst wenige Tage zuvor in Berlin unter Sir Simon Rattle zum ersten Mal erklang. „Peras“ stellt wie „Apeiron“ Klang gewordene Philosophie dar, „Das Bestimmte“, „Die Ordnung“ ist das Thema der Musik. Ein solides, wenngleich nicht besonderes aufregendes Werk Neuer Musik, in dem lang ausgehaltene Töne sich immer mehr entfalten und die gesamte zur Verfügung stehende Breite der Tastatur erfassen. Klangliche Härten in einiger Lautstärke erfordern pianistische Kraft, der Schluss wirkt prägnant, geradezu klassisch (solches Formgefühl ist in der zeitgenössischen Musik ja nicht unbedingt häufig anzutreffen). Das Stück liegt bei Anika Vavić hier durchaus in den rechten Händen, und die Pianistin erweist sich als überzeugende Anwältin des neuen Werks.

Die Sonate Nr. 2 von Frédéric Chopin dann überrascht wieder durch das Verständnis, das die Pianistin für die Musik des Franzosen aufbringt. Das atmet Poesie, Sanglichkeit. Auch Sinn für die verträumten, zeitlosen Passagen kann man ihr wohl zusprechen. Vavićs Spiel befremdet allerdings auch durch zahlreiche Unsauberkeiten, die beinahe wie Schlamperei wirken. War das Indisposition durch die extreme Wetterlage (was durchaus verständlich ist und wirklich verziehen werden kann und muss) oder schiere Überforderung durch die Schwierigkeiten des Stücks? Von Festival-Intendant Franz-Xaver Ohnesorg gleichsam in die Pflicht genommen, spielte Vavić schließlich drei Zugaben; im heißen Barocksaal gerieten sie am Ende eher zur Qual. Für Interessierte wurde „Peras“ von Staud noch einmal wiederholt und vom Komponisten selbst kommentiert.

Alle weiteren Festivalkonzerte in Herten sind in diesem Jahr übrigens ausverkauft, einschließlich des beliebten Liederwochenendes von Graham Johnson.



Die OMM-Rezensionen vom
Klavier-Festival Ruhr 2005



Ihre Meinung
Schreiben Sie uns einen Leserbrief
(Veröffentlichung vorbehalten)
Vergrößerung in neuem Fenster


© Klavier-Festival Ruhr

Anika Vavić
Klavier




Alexander Skrjabin

  • Vier Stücke op. 51
  • Valse As-Dur op. 38

    Maurice Ravel
  • Valse nobles et sentimentales

    Johannes Maria Staud
  • Peras. Musik für Klavier
    (Uraufführung der Auftragskomposition
    des Klavier-Festivals Ruhr)

    Frédéric Chopin
  • Sonate Nr. 2 b-Moll op. 35


    Weitere Informationen
    erhalten Sie vom
    Klavier-Festival Ruhr
    (Homepage)




  • Da capo al Fine

    Zur OMM-Homepage Zur Festspiel-Startseite E-Mail Impressum

    © 2005 - Online Musik Magazin
    http://www.omm.de

    - Fine -