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Klavier-Festival Ruhr 2005

23. Juni 2005
Philharmonie Essen
Alfried Krupp Saal

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Klavier-Festival Ruhr
(Homepage)

Aus Mailand, mit Stil

Von Markus Bruderreck

Sein Auftritt in der Essener Philharmonie geriet zweifellos zum ersten Höhepunkt im Rahmen des diesjährigen Klavier-Festivals Ruhr: Vor ausverkauftem Haus feierte das Publikum Altmeister Maurizio Pollini mit minutenlangen Ovationen. Und man konnte feststellen, wie erheblich hier doch der Abstand etwa zu Künstlern wie Lang Lang ist, wie immens Pollinis Form- und Stilgefühl, das die präsentierten Werke so meisterlich erscheinen lässt.

Vergrößerung in neuem Fenster Maurizio Pollini
© Klavier-Festival Ruhr

Die Klavierstücke op. 11 und 19 von Arnold Schönberg, die den Abend eröffnen, geraten nicht etwa bewusst nüchtern oder übertrieben plastisch. Sie werden zu persönlichen Aussagen, in denen viel Tradition mitschwingt, in denen Schönbergs musikalische Hausgötter gleichsam noch herumspuken. Pollini ist ein Schönberg-Spezialist, schon vor 30 Jahren hat er das Klavier-Gesamtwerk des Komponisten zyklisch aufgeführt und sich seither unermüdlich für dessen Werk eingesetzt. Eine Vertrautheit, die man spürt. Und Respekt fordert, wie souverän der Pianist diese schwierigen Stücke auswendig formuliert.

Die folgende Sonate op. 13 von Beethoven, die „Pathétique“, ist altbekannt. Kaum ein Pianist aber vermag sie so schlüssig und so klangsinnig zu präsentieren. Pollini besitzt einen ganz eigenen Ton: Er glitzert und strahlt in den Oberstimmen, ist immer sanglich, die Pausen empfindet man als dicht und spannungsgeladen. Brillante Klangbänder formt Pollini hier nicht nur im abschließenden Rondo. Manches klingt etwas verwischt, man kann bei anderen Künstlern sicher sauberer Gespieltes, Mechanistischeres hören. Doch will man da tauschen?

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Maurizio Pollini
© Klavier-Festival Ruhr

Eine pianistische Unmöglichkeit hat Pollini dann zum Abschluss aufs Programm gesetzt: Beethovens „Hammerklaviersonate“ op. 106, eine der größten pianistischen Herausforderungen überhaupt. Das betrifft nicht nur die Technik, sondern vor allem auch den Inhalt: Sinn aus dem in jeder Hinsicht undankbaren Werk zu schlagen, dazu gehört Reife und intensivstes Studium. Pollini stürzt sich in den prägnanten Beginn des ersten Satzes, gibt ihm freudige Erwartung, etwas Unruhiges, Ungeduldiges mit. Das Scherzo wirkt suchend, düster, ja ratlos, bevor das ausladende Adagio Seelenlandschaften ausbreitet, deren Vielschichtigkeit Pollini eindringlich formuliert. Mit den Aussagen dieses Satzes wird so mancher Interpret seine Probleme haben; Pollini allerdings hält die Gegensätzlichkeiten klug in einer klassischen Balance. Auch die Schlussfuge, überschäumend im Gestus und mit Trillerketten, die Pianistengenerationen quälten, hat der Pianist bis zum Ende in der Gewalt. Das will etwas heißen. Als Zugabe hauchte Pollini zwei Bagatellen von Beethoven Leben ein. Wie zuvor: Formvollendet, fast aristokratisch.



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Klavier-Festival Ruhr 2005



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© Klavier-Festival Ruhr

Maurizio Pollini

Klavier




Arnold Schönberg

  • Drei Klavierstücke op. 11
  • Sechs kleine Klavierstücke op. 19

    Ludwig van Beethoven
  • Sonate Nr. 8 c-Moll op. 13
    "Pathétique"
  • Sonate Nr. 29 B-Dur op. 106
    "Hammerklavier-Sonate"


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    Klavier-Festival Ruhr
    (Homepage)




  • Da capo al Fine

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