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Klavier-Festival Ruhr 2005

10. Juli 2005
Philharmonie Essen
Alfried Krupp Saal

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Klavier-Festival Ruhr
(Homepage)

Bunter Abend mit pianistischem Feuerwerk

Von Markus Bruderreck

Beim Klavier-Festival Ruhr stehen immer wieder auch Konzerte auf dem Programm, in denen die großen Werke für Klavier und Orchester zu hören sind. Außergewöhnlich war in diesem Rahmen der Auftritt des WDR Sinfonieorchesters Köln unter Semyon Bychkov, in dem Orchesterstücke für zwei Klaviere zu hören waren. Das Konzert in der beinahe ausverkauften Essener Philharmonie wurde zu einem attraktiven Abend mit zwei ebenso attraktiven Ausführenden: Katia und Marielle Labèque. Um es gleich zu sagen: Von ihnen hätte man an diesem Abend gerne mehr gehört. Wie aufregend Konzerte der Geschwister sind, davon bekam man erst wirklich eine Ahnung, als die Zugabe gewährt wurde: Maurice Ravels „Habanera“. Zuvor aber ging die Kunst der Labèques etwas unter in den beiden Werken des 20. Jahrhunderts, die zunächst auf dem Programm standen.

Toro Takemitsus Begeisterung für westliche Musik, für Jazz und den Impressionismus ist bekannt und hat vielfältige Ausprägung in seinem Werk gefunden. 1991 schrieb der drei Jahre später verstorbene Komponist „Quotation of Dream“, eine musikalische Übermalung bzw. klangliche Umspielung von Claude Debussys „La mer“. Mithilfe der beiden Klaviere und des wie immer präzisen und für diese Musik höchst geeigneten WDR Sinfonieorchesters entstand eine raffinierte, unendlich ausdifferenzierte Meta-Klangatmosphäre. Was aber birgt dieses Stück darüber hinaus, was wollte Takemitsu mit dieser „Quotation of Dream“ aussagen? Eine Frage, die hier offen bleiben muss. Auch die Paganini-Variationen von Lutoslawski geben nicht vor, besonders tiefgründig zu sein. Der Komponist maß dem hochvirtuosen Werk wenig Bedeutung zu, als effektvoller Reißer aber war ihm das Stück sicher als fixe Geldquelle höchst willkommen. Für ihre Interpretation wurden die Labèques gefeiert – zu Recht, nur schade, dass so Vieles im Gewusel des Orchesters schließlich doch unterging.

Umrahmt wurde das Klavier-Feuerwerk der Labèque-Schwestern von zwei Orchesterwerken, deren Interpretation durch Semyon Bychkov den hohen Rang des WDR Sinfonieorchesters wieder aufs Neue bestätigte. In Mendelssohn-Bartholdys italienischer Sinfonie wählte Bychkov fleißende, aber fast schon etwas starre Tempi. Auch an die seltsame Phrasierung des Dirigenten muss man sich gewöhnen. Zwar ist Vieles hier musikalisch dankenswerter Weise höchst plastisch ausgearbeitet und gestaltet, aber die Betonungsverhältnisse muten zuweilen doch eigenartig an. Hier findet er sich im Übrigen ganz mit Christoph Eschenbach zusammen, der ebenfalls höchst individuelle gestalterische Wege geht (aus Originalitätssucht oder tieferer Erkenntnis?). Die hohe Qualität des Dirigats von Semyon Bychkov bleibt davon freilich zunächst einmal unangetastet. Auch den „Boléro“ von Maurice Ravel, diesen viel gespielten Publikumsrenner, hört man gerne, besonders, wenn er so imposant und kompetent präsentiert wird wie vom WDR Sinfonieorchester. Mit Einzelapplaus wurden in Essen die Musiker vom Publikum gefeiert. Und der größte Lorbeerkranz gebührte hier natürlich dem Schlagzeuger, der die kleine Trommel rührte.



Die OMM-Rezensionen vom
Klavier-Festival Ruhr 2005



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© Klavier-Festival Ruhr

Katia und Marielle Labèque

Klavier

WDR Sinfonieorchester Köln
Leitung: Semyon Bychkov




Felix Mendelssohn-Bartholdy
Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90
“Italienische”

Toro Takemitsu
„Quotation of Dream“
– Say sea, take me!
für zwei Klaviere und Orchester

Witold Lutoslawski
Variationen über ein
Thema von Paganini
Transkripton für zwei Klaviere
und Orchester

Maurice Ravel
Boléro


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Klavier-Festival Ruhr
(Homepage)




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