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Musikfestspiele
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Herbert von Karajan
Pfingstfestspiele 2005

Die Pfingstmatineen

Schubert "Die schöne Müllerin"

Klavierrecital Dezsö Ranki

Homepage

Festspielhaus Baden-Baden
(Homepage)
Musikalische Morgengrüße

Von Christoph Wurzel (Bericht und Foto)

Die Matineen der beiden Pfingstfesttage gehören in Baden-Baden der intimen musikalischen Kunst. Mathias Goerne ließ mit seiner Interpretation von Schuberts Liederzyklus die Weite des großen Saales im Festspielhaus mühelos vergessen und führte sein Publikum mit äußerster Konzentration zurück in die Innenwelten des lyrischen Ichs. Weit intensiver noch als auf seiner gerühmten CD - Einspielung des Zyklus gelang Goerne bei dieser Liveatmosphäre der Ausdruck einer reich differenzierten Gefühlswelt mit allerfeinsten Nuancen und Schattierungen der Stimmungen. Goerne erzählte, wie im Rollenspiel mit den Worten des Meisters im Lied "Feierabend", er schwelgte im verliebten Überschwang ("Mein!") und zauderte im zaghaften Zweifel ("Pause"). Vom schlichten Volksliedton ("Das Wandern") bis zum Pathos des Gotteslobs im "Morgengruß" und von der naiven Heiterkeit ("Des Müllers Blumen") bis zur erschütternden Traurigkeit (""Der Müller und der Bach") fächerte Goernes Vortrag die Bandbreite des Seelendramas auf. Nie entglitt die verinnerlichte Sensibilität in extrovertierte Äußerlichkeit - immer beherrschte der Sänger seine Rolle als Übersetzer von Gefühlen, ohne selbst zum dramatischen Akteur zu werden. Eine Gratwanderung, die gerade beim Liedgesang nicht allen gelingt.

Stimmlich scheint Goerne augenblicklich ebenfalls auf seinem Zenit angekommen. Verschwunden ist der Eindruck eines etwas unsicheren Stimmsitzes früherer Jahre, auch den leicht nasalen Beiklang hat er inzwischen unter Kontrolle, sein Organ ist voll und offen in der Tiefe wie in der Höhe, die Stimmfärbung vermag er flexibel an den Charakter von Text und Musik anzupassen. Hervorragend klar ist seine Diktion, in Dynamik und Phrasierung unterstützt er beeindruckend die Aussage jedes einzelnen Lieds.

Doch auch sein Begleiter Eric Schneider trug in gleichem Maße zum Gelingen dieser bewegenden Liedermatinee bei. Hier musizierten sicht- und hörbar zwei Künstler aus dem gleichen Geist und der Pianist war dem Sänger ein überaus aufmerksamer, tragender und dessen Ausdruckspalette fortführender Begleiter - etwa wie er im Nachspiel den "Tränenregen" des Protagonisten in einer trauernden Moll - Episode ausklingen ließ.


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Dezsö Ránki

Einen nicht ganz so stimmigen und geschlossenen Eindruck konnte der ungarische Pianist Dezsö Ránki mit seinem Haydn - Beethoven - Brahms - Programm hinterlassen. Hierzulande weniger bekannt, ist der 1951 in Budapest geborene Pianist ist seinem Heimatland vor allem auch wegen seiner Interpretationen der Werke seiner Landsleute Bartók und Kurtág geschätzt.

Schon die Interpretation von Haydns Es - Dur - Sonate war im ersten Satz nervös angespannt und mit Effekten gespickt. Im 2. Satz löste sich allerdings die künstliche Unruhe in ein heiteres Cantabile auf und über dem markanten Bass wand sich in schönem Bogen die melodische Linie durch den Satz. Die "Pastorale" - Sonate von Beethoven zergliederte Ránki eher in ihre formalen Bauteile, als dass er einen organischen musikalischen Fluss entstehen ließ. Im 2. Satz überbetonte er das Staccato, im 3. Satz die Bassschläge, die er zwischen extremem Piano und Forte pendeln ließ. Der Fis-Dur - Sonate Op. 78 wurde er vor allem im Rondo mit virtuosem Schwung gerecht.

Am besten schien sein Spiel für die virtuosen Brahmsvariationen über ein Thema von Händel zu passen, wo sich Ránki in der breiten Spannweite seiner pianistischen Möglichkeiten entfalten konnte. Jedoch auch hier bleib ein Rest von Unerfülltheit, indem die Struktur der Fuge nicht gänzlich klar und schlüssig transparent werden wollte.

Die Pfingstfestspiele 2005



Foto
Festspielhaus Baden-Baden
Foto: Christoph Wurzel


15. Mai 2005:

Matthias Goerne, Bariton
Eric Schneider, Klavier

Franz Schubert

"Die schöne Müllerin"
Liederzyklus auf Gedichte
von Wilhelm Müller D 795


16. Mai 2005:

Dezsö Ranki, Klavier

Joseph Haydn:

Klaviersonate Es-Dur
HOB XVI/49


Ludwig van Beethoven

Klaviersonate Nr. 15
D-Dur Op. 28
"Pastorale"

Klaviersonate Nr. 24
Fis-Dur Op. 78


Johannes Brahms
Variationen und Fuge für Klavier
über ein Thema
von Händel B-Dur Op.24




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Da capo al Fine

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