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Musikfestspiele
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Händel-Festspiele in Halle 2004
3. bis 13. Juni 2004

Händel und die deutsche Tradition

Die Oratorien

Von Gerhard Menzel

Wie schon in den letzten Jahren gehörte Händels Messiah - mit jeweils wechselnden Interpreten - wieder zum festen Bestandteil des Oratorienreigens der Festspiele. Diesmal lag die musikalische Leitung in den Händen von Lars Ulrik Mortensen, einer der bedeutendsten Cembalisten der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Mortensen dirigierte eigentlich nicht, vielmehr gestaltete er die Musik plastisch und zum Teil wild gestikulierend mit vollem Körpereinsatz, und das - in gleichsam historischer Manier - vom Cebalo aus, ganz seinem Naturell folgend. So erklangen nicht nur einzelne Passagen ohne Cembalobegleitung, sondern sogar auch einige komplette Chorsätze. Das musikalische-interpretatorische Ergebnis war allerdings keineswegs revolutionär und wies auch keinerlei extreme Tempi auf, sondern wirkte stets wie an die hallige Akustik der Marktkirche angepasst. Mortensens Ausdeutung war sehr textbezogen, sehr plastisch, spannungsreich, dynamisch und agogisch sehr differenziert und unterschied sehr genau zwischen dramatischen und erzählenden Passagen.

Das Concerto Copenhagen, das aus schwedischen und dänischen Musikern zusammengesetzt ist und dessen künstlerischer Leiter Lars Ulrik Mortensen seit 1999 ist, leistete für diese Interpretation vorzügliche Dienste. Der Kammerchor der Estnischen Philharmonie gefiel durch seine dunkel timbrierten und homogenen Stimmen, die auch in Fortepassagen aufblühend und nie forciert klangen, und durch ein schönes Legato sowie geläufige Koloraturen.

Die Soli wurden angeführt von der jungen australischen Sopranistin Miriam Allan, die als Meisterschülerin von Emma Kirkby mit ihrer leuchtend strahlenden Stimme eine wahrhaft himmlische Verkünderin der frohen Botschaft war. Margot Oizinger mit ihrem hellen und sehr klangschönen Alt, Mark Le Brocq mit seinem substanzreichen Tenor mit tragfähiger Mittellage und strahlender Höhe und Alan Ewing, dem man seiner gewaltigen und ausdrucksstarken Bassstimme abnahm, dass er weiß, was er singt, komplettierten das exquisite Ensemble.



Ein ebenfalls exzellentes Solistenensemble war auch in Händels Oratorium L´Alllegro Il Prenseroso ed il Moderato HWV 55 zu hören. Hier glänzten sogar gleich drei virtuose und ausdrucksstarke Soprane um die Wette: Lorna Anderson, Geraldine McGreevy und Kirsten Blase, die schon bei den Händel-Festspielen in Karlsruhe 2003 und 2004 als Arianna in Händels Giustino für großes Aufsehen sorgte. Vervollkommnet wurde das Solistenquintett durch den immer präsenten Tenor Charles Daniels und Andrew Foster-Williams, der mit seinem virtuosen und gewaltigen Bass nur eine Woche zuvor bei den Göttinger Händel-Festspielen 2004 als Argante in Händels Rinaldo Triumpfe feierte.

Für den letztendlichen musikalischen Hochgenuss war allerdings Robert King verantwortlich, dessen Ensemble The King´s Consort mit schlankem, sehr differenzierten und spritzigen Instrumentalklang aufwartete und dessen Chor zwar in kleiner Besetzung auftrat, aber an exponierten Stellen auch ein klangvolles Forte hören ließ.



Besondere Aufmerksamkeit erfuhren zwei Oratorien, die als Kooperationen bei den Händel-Festspielen zur Aufführung gelangten. Zum einen, Judas Maccabaeus (HWV 63), mit Mozarts ergänzten Begleitstimmen für Blasinstrumente, eine Koproduktion der Händel-Festspiele und des Mitteldeutschen Rundfunks. Howard Arman leitete den MDR Rundfunkchor, das MDR Sinfonieorchester und die Solisten Jennie Such (Sopran/Israelitish Woman), Ulrike Schneider (Mezzosopran/Israelitish Man), Christoph Genz (Tenor/Judas Maccabaeus) und Raimund Nolte (Bass/Simon).



Das andere Oratorium, Deborah (HWV 51), war eine Koproduktion der Landesjugendchöre aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt mit den Händel-Festspielen in Göttingen und Halle. Damit wurde ein vorbildliches Zeichen gesetzt, dass hoffentlich kein Einzelfall bleiben wird. Nicht nur als gut gemeinte Geste, sondern auch vom musikalischen Ergebnis her, war diese Produktion ein voller Erfolg. Die Ausführenden in Halle waren - etwas von der Göttinger Aufführung abweichend - Romelia Lichtenstein (Sopran/Deborah), Kerstin Bruns (Sopran/Jael), Peter Kennel (Altus/Barak), Michael Hofmeister (Altus/Sisera), Mark Mönchgesang (Tenor/Herald), Gotthold Schwarz (Bass/Abinoam), der Landesjugendchor Niedersachsen, der Landesjugendchor Sachsen-Anhalt und das Hallesche Consort unter der Leitung von Wolfgang Kupke.


Die Händel-Festspielen in Halle 2004 (Hauptseite)


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Händels Oratorium Deborah  
in der Konzerthalle Ulrichskirche  
Foto: Patricia Reese  


Da capo al Fine

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