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Bayreuther Festspiele 2002![]() rezensierte Aufführung: 12. August 2002 Ein Neubeginn für Lohengrin ?Von Gerhard Menzel / Fotos: © Bayreuther Festspiele GmbH
In seinem vierten Jahr wartete der Lohengrin - in der düsteren Inszenierung von Keith Warner - mit einigen bedeutsamen Änderungen auf.
Zum ersten hatte Hügeldebütant Sir Andrew Davis die musikalische Leitung von Antonio Pappano übernommen. Pappanos Interpretation zeichnete sich in den ersten drei Jahren durch ein insgesamt sehr schlankes Klangbild aus, das auch den Chören das Martialische etwas nahm. Er bevorzugte in der Regel flüssige Tempi, einen geschmeidigen und eleganten Ton, erzeugte an Kulminationspunkten aber auch große Spannungsmomente. Diesem eher erzählenden, fast ein wenig distanzierten Stil, setzte Sir Andrew Davis eine vielmehr dramatische, manchmal etwas zu oberflächlich wirkende Interpretation der Partitur entgegen.
Die Musik des von Keith Warner geheimnisvoll bebilderten Vorspiels zum Beispiel - mit von oben herabschwebendem "Gralswürfel" (mit eingeschlossener, heiliger Flamme)."Kristallschwan" und schwarzem Ritter - verhuschte mehr, als dass sie die flirrenden und leuchtenden Farben der Partitur nachzeichnete. Auch die Tempi wirkten an einigen Chor- und Orchesterstellen sehr gehetzt, was auf Grund des Notentextes und der dadurch bedingten Ausführbarkeit oft nicht mehr sinnvoll wirkte. Überzeugend dagegen gelangen Davis die zahlreichen dramatischen Auseinandersetzungen im 2. Aufzug, z. B. zwischen Telramund und Ortrud.
Jean-Philippe Lafont, der die Partie des Telramund in diesem Jahr wieder - wie schon in den ersten beiden Jahren - übernommen hatte und Linda Watson als Ortrud, bildeten erneut ein "furchterregendes" Paar mit unverändert großer vokaler und darstellerischer Präsenz. Ortrud, die über (fast) alles Gewalt hat, benutzt weiterhin den einfältigen Telramund als "Kampfmaschine" ihrer fanatischen Rachegelüste.
Lohrngrin, 2. Akt, 5. Szene
Gegen Ortruds Dominanz kann Elsa in der Tat ohne Hilfe von Außen nichts ausrichten. Petra-Maria Schnitzer - Bayreuth-Debütantin und in mehrfacher Hinsicht eine erfreuliche, neue "Lichtgestalt" - verkörpert zunächst ein hoffnungsloses, verstörtes Mädchen, das einer grässlichen Intrige zum Opfer fallen soll. Ihre Bewegungen, ihre Gestik und ihre unverbrauchte, gut geführte und jugendlich frisch klingende Stimme (mit ausgeprägter Textverständlichkeit) bilden einen gehörigen Gegensatz zur Darstellung der bisherigen Interpretin der Elsa-Partie, Melanie Diener, die weniger das naive Mädchen als eine selbstbewusste junge Frau darstellte. Vor allem bei Petra-Maria Schnitzer macht sich eine Entwicklung der Personenführung zum pathetischen hin bemerkbar, die ihren Höhepunkt in der entscheidenden Szene im Brautgemach findet. Nach einer gewaltigen, gefühlsmäßigen und geistigen Entwicklung verliert Elsa letztendlich nicht nur den Verstand, sondern auch jegliche räumliche Orientierung.
Peter Seiffert bot als Lohengrin - wie schon im letzten Jahr - eine imposante Leistung, obwohl sein tenoraler Glanz vielleicht nicht mehr ganz so mühelos und unangestrengt klang wie noch im letzten Jahr (hoffentlich keine "Abnutzungserscheinungen"). Aber ökonomisch eingesetzt wusste er sich an den exponierten Stellen gut in Szene zu setzen, wobei er nicht nur die Gralserzählung als sängerischen Höhepunkt gestaltete. Gerade die "intimen" Szenen mit Elsa - Petra-Maria Schnitzer ist im realen Leben die Ehefrau von Peter Seiffert - gehörten zum eindringlichsten, was diese Aufführung zu bieten hatte.
Kernig und kraftvoll präsentierte sich auch dieses Jahr wieder Roman Trekel als Heerrufer, während Stephen West als König Heinrich schon vor der Vorstellung von Wolfgang Wagner als indisponiert angekündigt wurde. Eine souveräne Leistung boten Bernhard Schneider, Arnold Bezuyen, Attila Jun und Hans Griepentrog als die vier Edlen.
Wenn Bayreuth auch nicht immer nur die "erste Garde" der Sänger zu bieten hat, so sind der Festspielchor (Chorleitung: Eberhard Friedrich) und das Festspielorchester in der Tat einzigartig! Selbst wenn Sir Andrew Davis bei diesem Lohengrin noch nicht alle Register ziehen und koordinieren konnte, gehörten die Chorszenen wieder zu den ganz großen Höhepunkten der Aufführung.
Insgesamt ist dieser Lohengrin in der Inszenierung von Keith Warner, mit den eindrucksvollen Bühnenbildern von Stefanos Lazaridis, in der Ausleuchtung von Manfred Voss und den Kostümen von Sue Blane - trotz mancher Einwände - zur Zeit immer noch die "Vorzeige-Produktion" der Bayreuther Festspiele. Gerade die Verweigerung der Wunder schafft Verwunderung. Es gibt z. B. kein wundersames Erscheinen von Lohengrin aus dem im Hintergrund auftauchenden, riesigen Würfel, der einen Lichtspalt freigibt und den oft geschmähten Schwan ersetzt. Stattdessen steht er plötzlich und unerwartet im Rücken des staunenden Volkes. Ebenso unerwartet erscheinen zu Beginn Elsa oder später Telramund und auch das "Racheschwert" der Ortrud, die selbst das "Höllenfeuer" in ihrer "bloßen Hand" flammen lässt.
Trotz des alles umgebenden Dunkel der Inszenierung hat sie viel Visuelles zu bieten (auch nach mehrmaligem Sehen), ohne die Musik in den Hintergrund zu drängen. Auch durch die vielen Fragen, die sie stellt und nicht beantwortet, scheint sie - im Gegensatz zu manch anderer aktuell gespielten Produktion - auch in Zukunft dazu prädestiniert, immer wieder auf Neue zu faszinieren. Warten wir also gespannt auf das nächste Jahr..
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![]() Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühnenbild
Kostüme
Licht
Choreinstudierung Solisten* Besetzung der rezensierten Aufführung
Lohengrin
Heinrich der Vogler
Elsa von Brabant
Telramund
Ortrud
Heerrufer
Vier brabantische Edle
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- Fine -