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Musikfestspiele
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Partenope
Dramma per musica in drei Akten
Text nach Silvio Stampiglia
Musik von Georg Friedrich Händel

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere am 31. Mai 2000
im Deutschen Theater Göttingen
Weitere Aufführungen: 2., 4., 5. Juni 2001


Göttinger Händel Festspiele

Eine "Barockoperette" vom Feinsten

Von Gerhard Menzel / Aufführungsfotos von Kaspar Seiffert

Regisseur Igor Folwill bezeichnete Partenope als eine "Barockoperette in gutem Sinne". So ungewöhnlich diese Einschätzung zunächst auch klingen mag, Partenope besitzt in der Tat zahlreiche Eigenschaften, die später auch für das Genre der Operette eine entscheidende Rolle spielten. Großzügig könnte man somit quasi von einer Schönen Helena von Händel sprechen.

Zum einen geht es in dieser Oper darum, dass Partenope, die Gründerin und furchtlose Regentin von Neapel (Partenope ist der alte Name von Neapel) von drei hartnäckigen Liebhabern umworben wird, von denen einer (Arsace) seine schon versprochene Geliebte (Rosmira) wegen Partenope verlassen hat.

Vergrößerung Der "neue" Vorhangprospekt der Festspiele für Partenope: Neapel mit Vesuv

Zum anderen will gerade diese verlassene Geliebte ihren flatterhaften Zukünftigen - warum auch immer - zurückhaben, was beiden durch ihr (Rosmiras) rachewütiges Gebaren fast zum Verhängnis wird.

Wie diese sich immer mehr zuspitzenden Handlungsstränge letztendlich doch zu einem guten Ende gelangen, ist wohl ein einzigartiger coup de theatre.



Vergrößerung Eurimene, die verkleideten Rosmira (Annette Markert), Arsace (Kai Wessel), Ormonte (Wiliam Berger) und Armindo (Chris Josey) buhlen bei Partenope (Meredith Hall) um die Gunst, Partenopes Heer gegen den unliebsamen Brautwerber Emilio zu führen.

Diese schon vom Libretto her mit zahlreichen ernsten und komischen Elementen gespikte Geschichte um Liebe, Treue, Untreue und Rache, um Tugenden und Laster setzten Igor Folwill (Inszenierung) und Manfred Kaderk (Bühnenbild) - die im letzten Jahr die Aufgabe, Händels Rodelinda in der Stadthalle einzurichten, bravourös und mit viel Feingefühl lösten - mit einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln um. Damit das Publikum auch in Göttingen den Text besser verfolgen konnte, wurde erstmals im Deutschen Theater mit deutschen Übertiteln gearbeitet.



Vergrößerung Eurimene (Annette Markert) muss mit ansehen, wie Partenope (Meredith Hall) und Arsace (Kai Wessel) herumturteln.

Als Bühnenbild diente ein riesiger, "neutraler" Raum in der Art eines Wintergartens. Er wurde durch stimmungsvolle Lichtwechsel und mit zahlreichen Dekorationsteilen aus den alten, historisch nachempfundenen Bühnenbildern der vergangenen Jahre - quasi als augenzwinkerndes Zitat - für die jeweils benötigte Szene entsprechend gestaltet. Eine blendende Idee, das Alte und das Neue zusammenzubringen und dem Stück entsprechend ironisch zu verquicken.

Auch die Kostüme von Angela C. Schuett "spielten" geschmackvoll und ebenfalls mit gehörigem Augenzwinkern mit Teilen der "alten" Kostüme (Wiedersehen machte auch hier Freude!) und neuem Chic. So hatten auch in diesem Punkt nicht nur die schon langjährigen Besucher der Göttinger Festspiele ihren Spaß, sondern auch die "Opernneulinge", die zwar nicht die "originalen" Kostüme aus den alten Inszenierungen erkennen konnten, sehr wohl aber, die ironische Kombination von historischer Vorlage und modischer Kollektion.



Vergrößerung Emilio (John McVeigh) will Arsace (Kai Wessel) beim Zweikampf gegen Eurimene sekundieren.

Gleiches galt auch für die Personenführung von Igor Folwill, der ironisch zugespitzte barocke Gestik mit ganz zeitnaher Gebärdensprache mischte und gekonnt urkomische Situationen gestaltete, ohne völlig zu überdrehen und "ohne dem Affen Zucker zu geben". Andererseits setzte Igor Folwill auch bewußt zahlreiche Ruhepunkte, wo er die Protagonisten in wirklich ernsten Szenen des Zweifelns, Verzweifelns oder der Wut, ihre ehrlichen, innersten Gefühle ausdrücken ließ. Es gelang ihm mit dieser Inszenierung ein eindrucksvoller Balanceakt, den man leider nur allzuselten erleben kann. (Ein trauriges und allzu ärgerliches Gegenbeispiel konnte/musste man leider eine gute Woche später bei Händels Tamerlano in Bad Lauchstädt im Rahmen der Händel-Festspiele in Halle erleben.)



Vergrößerung Partenope (Meredith Hall) und Eurimene (Annette Markert) treffen sich vor dem großen Duell noch einmal im Garten.

So überzeugend und blendend die szenische Umsetztung der Partenope war, so liess einen auch die musikalische Interpretation nur noch schwärmen.

Meredith Hall, eine bildhübsche kanadische Sopranistin mit herrlicher Stimme und ausserordentlicher Bühnenpräsenz, war eine Partenope, wie sie im Buche steht. Ihr nahm man jede Äusserung und jede Aktion ab, sei es als furchtlose Regentin, als ständig umworbene, aber stets treu zu ihrem Liebhaber stehende Frau, oder als von Arsace arglistig getäuschte Geliebte.

Diesen eitlen und flatterhaften Schönling Arsace sang und spielte der unvergleichbare Kai Wessel. Seine Gestik und musikalische Ausdrucksfähigeit war überwältigend und über jeden Zweifel erhaben. Aber nicht nur die beiden Hauptpartien waren erstklassig besetzt, sondern auch Annette Markert, als Arsaces treue, aber allzu herrsch- und rachsüchtige Rosmira, erwies sich als Idealbesetzung. Nachhaltigen Eindruck hinterliess auch Chris Josey als schüchterner, aber tugendhafter und herzensguter Armindo, der verdienterweise auch seine - ebenfalls tugendhafte - Partenope bekam, genauso wie sich - die über alle Maßen mit Lastern behafteten - Arsaces und Rosmira am Ende wieder zusammenrauften.



Vergrößerung Der Augenblick der Entscheidung: Arsace verlangt von Eurimene, den Zweikampf mit entböößtem Oberkörper auszutragen.

Der blendend aufgelegte Tenor John McVeigh als temperamentvoller und sportiver Emilio und der junge, wohltönende Bassist Wiliam Berger als Ormonte komplettierten ein Solistenensemble, das in seiner musikalischen Ausdrucksfähigkeit und darstellerischen Präsenz einen ausserordentlichen Glücksfall bedeutete.

All dieses geht vor allem auf das Konto von Nicholas McGegan, dem nimmermüden künstlerischen Leiter der Göttinger Händel-Festspiele mit dem Gespür für das Aussergewöhnliche. Mit seinem "Hausorchester", dem Philharmonia Baroque Orchestra (San Francisco), das er seit 1985 leitet und das 1999 zum ersten Mal bei Arianna in Creta auftrat, sorgte er - auch dieses Jahr - für eine temeramentvolle, alles in seinen Bann ziehende Interpretation von Händels ausserordentlich abwechslungsreicher, durch viele Ensembles geprägte Musik.


FAZIT
Nicht nur der absolute Höhepunkt der Händel-Festspiele in Göttingen 2001, sondern auch die mit Abstand beste (Händel-) Opernproduktion im Vergleich mit den Händel-Festspielen in Karlsruhe und Halle.




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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Nicholas McGegan

Inszenierung
Igor Folwill

Bühnenbild
Manfred Kaderk

Kostüme
Angela C. Schuett



Philharmonia Baroque
Orchestra (San Francisco)


Solisten

Partenope
Meredith Hall

Rosmira
Annette Markert

Arsace
Kai Wessel

Armindo
Chris Josey

Emilio
John McVeigh

Ormonte
Wiliam Berger



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Meredith Hall



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Kai Wessel



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Annette Markert



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Philharmonia Baroque
Orchestra (San Francisco)


Weitere Informationen
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