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"Italienische Barockromantik"Von Gerhard Menzel / Fotos von den Ruhrfestspielen Recklinghausen Nach langer Zeit gab es bei den diesjährigen Ruhrfestspielen erstmals wieder eine Opernaufführung im Festspielprogramm: Claudio Monteverdis L'Incoronazione di Poppea als Operngastspiel des Teatro del Maggio Musicale Fiorentino, das Dank der Förderung der Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW ermöglicht wurde.
In Monteverdis letzter, 1642 in Venedig uraufgeführten Oper, in der erstmals in der Geschichte der Oper ein historisches Sujet auf die Bühne gelangte, steht die Gestalt des römischen Kaisers Nero, der vor keinem Verbrechen zurückschreckt (der Philosoph Seneca wird zum Selbstmord genötigt und seine Gattin schickt er in die Verbannung), um die schöne Poppea heiraten zu können und sie zur Kaiserin zu krönen.
Luca Ronconi, einer der führenden Regisseure Italiens, inszenierte dieses Werk als barocke Kriminalgeschichte in antikem Gewand vor dem "modernen" Hintergrund einer Filmproduktion im Alten Rom, mit Kamerateam, Statisterie und filmtechnischem Zubehör und Requisiten. Diese zu Beginn exponierte "Filmebene" verschwindet im Laufe des Stückes mehr und mehr, um zwischendurch immer wieder die antike Handlung aufzubrechen.
In dem atmosphärischen Bühnenbild von Margherita Palli mit gewaltigen Mauern, Säulen, und allerlei antikem und dekorativem Zubehör bildeten die fantasievollen Kostüme von Vera Marzot attraktive Kontraste. Neben den zahlreichen Bewegungen des Bühnenbildes spielte die Lichtgestaltung von Guido Levi eine ebenso wichtige Rolle.
Vor lauter Schönheit und "barocker Romantik" kamen die komischen Szenen von Monteverdis und Busenellos Stück leider viel zu kurz. Die den "Ernst der Handlung" kontrastierenden und bisweilen karrikierend überzogenen Szenen der Diener bzw. Soldaten und Ammen blieben in dieser dekorativen und auf Harmonie bedachten Ästhetik völlig wirkungslos, was die über vier Stunden dauernde Aufführung zwar nicht unbedingt lang werden liess, aber leider auch nicht bereicherte.
Die hochkarätigen Protagonisten des Abends bescherten dem Publikum ein Fest für Auge und Ohren. Wunderbare, herrliche Stimmen und grazile Bewegungen, die die Figuren und Charaktere überzeugend und mitreissend zeichneten, waren Garanten für den künstlerischen Erfolg des Abends. Das Publikum konnte sich dabei nicht nur in purem Wohllaut baden, sondern wurde auch durch die intensive Darstellungsweise unmittelbar mit in das Geschehen hineingezogen. Bedauerlicherweise standen für das - nicht so Monteverdi versierte - Publikum weder eine deutsche Übertitelung zur Verfügung, noch waren Textbücher (mit deutscher Übersetzung) erhältlich. Daher wird sich für den einen und anderen Besucher dieser Abend doch länger gestaltet haben, als er es verdient hat.
Der barockerfahrene Englänger Ivor Bolton hatte die musikalische Leitung dieser wahrlich festspielwürdigen Aufführung, die ausschliesslich in Recklinghausen und Florenz zu sehen ist bzw. war. Das zwölfköpfige, auf alten Barockinstrumenten spielende Orchester präsentierte eine ungeheuer vielfältige und farbige Instrumentation von Monteverdis Musik. Diese Detailfreudigkeit und nuancenreiche Klanggestaltung trug ebenfalls dazu bei, dass dieser, bis 0.20 Uhr dauernden Opernabend zu einem unvergesslichen Opernerlebnis wurde! FAZIT |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühnenbild
Kostüme
Licht
Solisten
Poppea
Nerone
Ottavia
Ottone
Seneca
Arnalta
Amme
Drusilla
La Fortuna/Valletto
La Virtu/Damigella
Amore
Pallade/Venere
Mercurtio/Vertrauter des Seneca
Lucana/Vertrauter des Seneca
Littore
Erster Vertrauter des Seneca
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- Fine -