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Musiktheater
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L'Incoronazione di Poppea
(Die Krönung der Poppea)

Drama in musica in einem Prolog und drei Akten
von Giovanni Busenello

Gastspiel des Teatro Maggio Musicale Fiorentino

Premiere im Festspielhaus Recklinghausen
am 21. Juni 2000

Spieldauer: 4 Stunden 15 Minuten


Logo: Ruhrfestspiele Recklinghausen

Ruhrfestspiele Recklinghausen
(Homepage)

"Italienische Barockromantik"

Von Gerhard Menzel / Fotos von den Ruhrfestspielen Recklinghausen

Nach langer Zeit gab es bei den diesjährigen Ruhrfestspielen erstmals wieder eine Opernaufführung im Festspielprogramm: Claudio Monteverdis L'Incoronazione di Poppea als Operngastspiel des Teatro del Maggio Musicale Fiorentino, das Dank der Förderung der Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW ermöglicht wurde.

In Monteverdis letzter, 1642 in Venedig uraufgeführten Oper, in der erstmals in der Geschichte der Oper ein historisches Sujet auf die Bühne gelangte, steht die Gestalt des römischen Kaisers Nero, der vor keinem Verbrechen zurückschreckt (der Philosoph Seneca wird zum Selbstmord genötigt und seine Gattin schickt er in die Verbannung), um die schöne Poppea heiraten zu können und sie zur Kaiserin zu krönen.

Szenenfoto Foto links:
Nero (Sarah Connolly) lässt sich von seiner angebeteten Poppea (Veronica Cangemi) gerne verführen

Luca Ronconi, einer der führenden Regisseure Italiens, inszenierte dieses Werk als barocke Kriminalgeschichte in antikem Gewand vor dem "modernen" Hintergrund einer Filmproduktion im Alten Rom, mit Kamerateam, Statisterie und filmtechnischem Zubehör und Requisiten. Diese zu Beginn exponierte "Filmebene" verschwindet im Laufe des Stückes mehr und mehr, um zwischendurch immer wieder die antike Handlung aufzubrechen.

In dem atmosphärischen Bühnenbild von Margherita Palli mit gewaltigen Mauern, Säulen, und allerlei antikem und dekorativem Zubehör bildeten die fantasievollen Kostüme von Vera Marzot attraktive Kontraste. Neben den zahlreichen Bewegungen des Bühnenbildes spielte die Lichtgestaltung von Guido Levi eine ebenso wichtige Rolle.

Szenenfoto Foto rechts:
Seneca (Giorgio Surian ) wird als erstes zum Selbstmord gezwungen. Anschliessend wird Ottavia (Monica Bacelli) aus Rom verbannt.

Vor lauter Schönheit und "barocker Romantik" kamen die komischen Szenen von Monteverdis und Busenellos Stück leider viel zu kurz. Die den "Ernst der Handlung" kontrastierenden und bisweilen karrikierend überzogenen Szenen der Diener bzw. Soldaten und Ammen blieben in dieser dekorativen und auf Harmonie bedachten Ästhetik völlig wirkungslos, was die über vier Stunden dauernde Aufführung zwar nicht unbedingt lang werden liess, aber leider auch nicht bereicherte.

Szenenfoto Foto links:
Poppea und Nero triumphieren über Recht und Moral und lassen sich als Kaiser und Kaiserin feiern

Die hochkarätigen Protagonisten des Abends bescherten dem Publikum ein Fest für Auge und Ohren. Wunderbare, herrliche Stimmen und grazile Bewegungen, die die Figuren und Charaktere überzeugend und mitreissend zeichneten, waren Garanten für den künstlerischen Erfolg des Abends. Das Publikum konnte sich dabei nicht nur in purem Wohllaut baden, sondern wurde auch durch die intensive Darstellungsweise unmittelbar mit in das Geschehen hineingezogen. Bedauerlicherweise standen für das - nicht so Monteverdi versierte - Publikum weder eine deutsche Übertitelung zur Verfügung, noch waren Textbücher (mit deutscher Übersetzung) erhältlich. Daher wird sich für den einen und anderen Besucher dieser Abend doch länger gestaltet haben, als er es verdient hat.

Szenenfoto Foto rechts:
Nero (Sarah Connolly) und Poppea (Veronica Cangemi) sind als Kaiser und Kaiserin am Ziel ihrer Träume

Der barockerfahrene Englänger Ivor Bolton hatte die musikalische Leitung dieser wahrlich festspielwürdigen Aufführung, die ausschliesslich in Recklinghausen und Florenz zu sehen ist bzw. war. Das zwölfköpfige, auf alten Barockinstrumenten spielende Orchester präsentierte eine ungeheuer vielfältige und farbige Instrumentation von Monteverdis Musik. Diese Detailfreudigkeit und nuancenreiche Klanggestaltung trug ebenfalls dazu bei, dass dieser, bis 0.20 Uhr dauernden Opernabend zu einem unvergesslichen Opernerlebnis wurde!

FAZIT
Stehende Ovationen für eine einzigartige Festivalproduktion.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Ivor Bolton

Inszenierung
Luca Ronconi

Bühnenbild
Margherita Palli

Kostüme
Vera Marzot

Licht
Guido Levi



Basso Continuo
Robert Howard (Orgel)
Elisabetta Sepe (Cembalo)
Paula Chateauneuf (Gitarre, Baßgitarre)
Fred Jacobs (Laute, Baßlaute)
Erin Headley (Viola da Gamba, Violine)

Mitglieder des Orchesters des
Maggio Musicale Fiorentino

Ladislao Horvath (Erste Violine)
Alessandro Alinari (Zweite Violine;
Igor Polesitzky (Viola)
George Georgescu (Violoncello);
Riccardo Donati (Kontrabaß)
Davide Bellugi (Flöte)
Marco di Manno (Flöte)


Solisten

Poppea
Veronica Cangemi

Nerone
Sarah Connolly

Ottavia
Monica Bacelli

Ottone
Michael Chance

Seneca
Giorgio Surian

Arnalta
Maria Jose Trullu

Amme
Elena Zilio

Drusilla
Laura Cherici

La Fortuna/Valletto
Anna Bonitatibus

La Virtu/Damigella
Gemma Bertagnolli

Amore
Stefania Donzelli

Pallade/Venere
Giacinta Nicotra

Mercurtio/Vertrauter des Seneca
Luciano Leoni

Lucana/Vertrauter des Seneca
Bruno Lazaretti

Littore
Giancarlo Boldrini

Erster Vertrauter des Seneca
Davide Livermore


Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Ruhrfestspielen Recklinghausen
(Homepage)




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