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Rodelinda
Regina de' Langobardi

Dramma per musica in drei Akten HWV 19
von Georg Friedrich Händel

Text von Nicola Francesco Haym
nach einem Libretto von Antomio Salvi

In italienischer Sprache,
Rezitative auf deutsch von Ulrich Peters
unter Verwendung der Textfassung für die Gänsemarktoper Hamburg 1734
und die Übersetzung von Emilie Dahnk-Baroffio

Neuinszenierung
im Rahmen der 21. Händel-Festspiele
des Badischen Staatstheaters Karlsruhe 1998
am 19. Februar 1998
im Kleinen Haus


Von Gerhard Menzel / Fotos von Bettina Strauß




Brutale Gewalt und leidenschaftliche Gefühle


Foto: Karlsruhe/Rodelinda Eine "schauerlich-romantische" Winterkulisse als Einheitsraum dominiert im Schwarz - Weiss - Kontrast die Szenerie: links ein zerstörter und brandschwarz gefärbter Gebäudeteil (eines Palastes), rechts ein schneeweiss überzogener freier Platz mit dem zerstörten Standbild des Bertarido. Das Bühnenbild ist von Manfred Breitenfellner allerdings so geschickt gegliedert worden, dass es für die verschiedensten Szenen jeweils einen bespielbaren "Ereignisraum" bereitstellt. Die fantasievollen Kostüme von Götz Lancelot Fischer fügen sich effektvoll und charakterisierend in das stimmungsvole Gesamtbild ein. Dass besonders die Rolle der Eduige herausgehoben ist (Wechsel des Kostüms), korrespondiert mit ihrem Gesinnungswandel, den Regisseur Ulrich Peters besonders deutlich herausgearbeitet hat.

Peters stürzt sowohl seine Darsteller, wie auch das Publikum in stete, äusserst kontraststarke Aktions- und Gefühlsstürme. Brutale äussere Handgreiflichkeiten und verzweifelte oder innige Empfíndungen prägen dieses aussergewöhnlich dichte Wechselbad der Gefühle.

Neben äusseren Aktionen spielen aber vor allem Blicke und Blickkontakte eine herausragende Rolle in der Personenführung. In dieser Beziehung war die Wahl des Kleinen Hauses als Aufführungsort - der geringeren Entfernungen wegen - ein besonderer Glücksfall. Anders sah es dagegen mit der Auslastung der Vorstellungen aus, da hätte man wohl gut und gerne jeweils das Grosse Haus füllen können.

Ein netter Einfall - und ein Beispiel für subtile Detailarbeit der Inszenierung - war auch die neu hinzuerfundene Liebesgeschichte zwischen Eduige und Unulfo. Dabei spielt dann auch eine "rote Rose" eine Rolle: verletzte Garibaldo zu Beginn des Stückes Eduige durch Missbrauch der Dornen an Hand (und Seele), entdornt Unulfo später eine Rose mit seinem Schwert, bevor er sie Eduige reicht. Zum Schluss kehrt Eduige dann folgerichtig auch nicht zu ihrem früheren Verlobten Grimoaldo zurück, sondern bleibt bei Unulfo.

Foto: Karlsruhe/Rodelinda Musikalisch war diese Neuproduktion der diesjährigen Händel-Festspiele eine wirkliche Offenbarung. Trevor Pinnock und das Freiburger Barockensemble musizierten einen so differenzierten Händel, wie ich ihn schon lange nicht mehr gehört habe. Ob Tempi, Dynamik oder Artikulation, alles war ungeheuer flexibel und spannungsreich, und auch die unterschiedlichen Klangschattierungen kamen farben- und abwechslungsreich zur Geltung.

Die Partien waren allesamt - wenn schon nicht immer mit in Barockgesang geübten Stimmen, so doch charaktermässig - äusserst treffend besetzt. Claron McFadden als Rodelinda ist in der Tat die Hauptfigur, sowohl durch ihre Ausstrahlung, als auch durch ihre darstellerischen und stimmlichen Qualitäten. Ein Bilderbuch-Fiesling ist Douglas Nascrawi als Grimoaldo, der zusammen mit seinem Verbündeten Garibaldo, dem stimmgewaltigen Raimund Nolte, Rodelinda ständig unter Druck setzt. Mit Hilfe von Unulfo, dem sensibel agierenden und singenden Lawrence Zazzo, und der rassigen Pamala Pantos als Eduige, gelingt es Bertarido, den David Cordier klug disponierend und mit leidenschaftlichem Ausdruck verkörpert, letztendlich, seine Frau Rodelinda und seinen Sohn Flavio aus den Händen des Tyrannen zu befreien.




FAZIT

Eine ungeheuer spannende und aufregende Produktion der 21. Händel - Festspiele des Badischen Staatstheaters Karlsruhe 1998, bei der Musik und Szene den Zusachauer vom Anfang bis zum Ende in ihren Bann ziehen. Grosses Musiktheater!

Logo: Händel-Festspiele 1998

Musikalische Leitung
Trevor Pinnock

Inszenierung
Ulrich Peters

Bühne
Manfred Breitenfellner

Kostüme
Götz Lancelot Fischer

Dramaturgie
Udo Salzbrenner


Solisten

Rodelinda
Claron McFadden

Bertarido
David Cordier

Grimoaldo
Douglas Nascrawi

Eduige
Pamala Pantos

Unulfo
Lawrence Zazzo

Garibaldo
Raimund Nolte

Flavio
Elina Kraemer/Franziska Peters


Statisterie des
Badischen Staatstheaters

Freiburger Barockorchester



Foto: Karlsruhe/Rodelinda

Lawrence Zazzo (Unulfo) und
David Cordier (Bertarido)



Foto: Karlsruhe/Rodelinda

Pamala Pantos (Eduige)



Foto: Karlsruhe/Rodelinda

Douglas Nascrawi (Grimoaldo),
Lawrence Zazzo (Unulfo) und
Pamala Pantos (Eduige)





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