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Ein Freigeist voller Energien

Interview mit Jakob Frímann Magnússon


Von Claudia J. Koestler
Dezember 2001



Man könnte meinen, die Welt der Musik sei eine Scheibe. Die Oberfläche verspiegelt, und die Mechanismen darunter sind schwer zu erkennen. Vielleicht eignet sie sich deshalb so gut zur Bildung von Legenden, die sich anderweitig schon bewährt haben: vom Künstler, vom Kumpel, vom Traurigen und von demjenigen, der immer weiß, wie es weitergeht, von Dämonen und strahlenden Helden, und letztendlich davon, dass das Gute am Ende doch siegt.

Mir gegenüber sitzt Jakob Frímann Magnússon, Jahrgang 1953, und verkörpert all jene Möglichkeiten in sich. Denn als Gründer der beliebtesten Band des Landes, Jazz-Keyboardspieler von Weltformat, Produzent, Regisseur und Parlamentsabgeordneter ist er eine rast- und ruhelose Seele, scheinbar präsent, immer da, nie auf dem Boden, sprühend vor Energie und Ideen, und dennoch irgendwie nicht fassbar, sphärisch wie seine Musik, kühl und distanziert, facettenreich und spiegelnd. Ein Spiegelkabinett. Denn abgesehen von ein paar biographischen Stichpunkten ist er ein Mensch, über den so gut wie nichts bekannt ist.
Nun sitzt er mir also gegenüber im Café Vegamót, ellenlang und spindeldürr, die blonden, dichten Haare kurz, jünger wirkend als erwartet und äußerst elegant gekleidet. Das Eis schmilzt also, zumindest in meinem Glas Wasser. Denn der Held mir gegenüber ist müde - seit das Tonband läuft.

Geboren wurde er am 4. Mai in Kopenhagen, als zweites Kind einer isländischen Kaufmanns- und Fabrikantenfamilie. " Meine Mutter" beginnt er zu erzählen, "war eine hochbegabte klassische Pianistin und eine sehr talentierte visuelle Künstlerin, die unglücklicherweise in jungen Jahren starb. Sie war der Grund, dass ich im Alter von 6 Jahren anfing, Klavier zu spielen. Mein Vater war Sänger und Keyboardspieler, aber er ging mehr in die Richtung eines Organisten. Ich wuchs also in einem sehr musikalischen Haushalt auf. Beide waren Jazzliebhaber und Klassikfans. So fingen wir beide, meine Schwester und ich, an, Klavier und Theorie zu lernen und sangen im Chor. Mit 12 Jahren gründete ich dann meine erste Band, und als ich 16 war, kamen "Studmenn", an mehr kann ich mich nicht erinnern, jetzt, da ich 76 bin.." blitzt plötzlich der Schelm in ihm durch, auch wenn er sonst fast abwesend wirkt. Als Kleinkind wuchs er in Akureyri auf, einer Kleinstadt nahe des Polarkreises, auf der Farm seiner Großeltern und wollte eigentlich die Farm übernehmen. Einen Strich durch die Bauernrechnung machte ihm jedoch seine Intelligenz, er übersprang eine Klasse und wurde später auf das Hamrahlid Gymnasium in Reykjavik geschickt, einer Talent- und Ideenschmiede. Dort formierten sich ein paar Schüler für eine Aufführung zu einer Band zusammen: die Studmenn waren geboren.

"Valgeir und ich waren in einer Klasse, sehr ungewöhnliche Freunde eigentlich, aber wir kamen von ähnlichen Hintergründen, zerbrochene Familien sozusagen, beide von progressiven und konservativen Fabrikantenfamilien. Wir hatten einen ähnlichen Sinn für Humor, den gleichen Musikgeschmack und Vorstellung von dem, was wir eigentlich wollten. Thor, unser Gitarrist, war wiederum ein Freund von Valgeir. Er hat ihm das Gitarrenspiel beigebracht, als er 12 war und Thor entpuppte sich als absolutes Genie darin."

"Die Idee dahinter " führt er fort, "war, gegen den Strom zu schwimmen, nicht den geraden Weg zu wählen, und vor allem, anti-hip zu sein" kommentiert Jakob die Musik der populärsten Band Islands, die er selbst gerne mit den Beatles vergleicht. Musik, die vielleicht nicht obskur, sondern vielmehr eingängige, melodische Popmusik mit einem Dreh und doppeltem Boden ist, und einem ironischen Sinn für Rhythmus hat. 1975 brachte die Band die Platte "Sumar á Syrlandi" heraus, die bis heute Kult und Klassiker ist. "Studmenn ist eine Sichtweise, eine Attitüde, von woher die Leute kommen. Von der Menntaskólinn Hamrahlid in den Bergen, archie-farchie, ein Ort, an dem alles geht. Wir sind wirklich dankbar dafür, dort gewesen zu sein. Das Schwerste für eine Band ist vermutlich, einen gemeinsamen Nenner zu finden, an dem man festhalten kann. Auf eine Techno- oder Hip-Hop Welle aufzuspringen und dann Wochen später wieder abzuspringen ist fatal für Musiker, die nicht in der Lage sind, ihren eigenen Winkel zu entdecken. Studmenn kamen mit 16 zusammen, in schwarzen Anzügen, mit schwarzer Lederkrawatte und wetlook Gel in den Haaren, spielten schrulligen, frechen Rock oder Pop, absolut unbezogen zur damaligen Musikszene. Das ist, was wir bis heute versucht haben, beizubehalten: Anders zu sein als Mainstream!"

Einen völlig anderen musikalischen Weg schlägt Jakob, der "Freie", mit seinen Solo-Platten ein: "Die Richtung meiner Solo Karriere rührt daher, dass ich in einem Jazz-Haushalt aufgewachsen bin, hörte Brubeck, Ella Fitzgerald, Oscar Petersen, Louis Armstrong, the Weather Report, Herbie Hancock und all diese Musik. Da liegt mein ganz persönlicher Musikgeschmack." Jakobs erstes Solo-Album hatte den Titel "Horft í rodann", was übersetzt "looking at the sun of asia" bedeutet. "Die Platte nimmt Bezug auf Ideen der östlichen Philosophien. Es ist ein sehr spirituelles Album, in der Richtung, dass ich es ziemlich unterbewusst schrieb. Es war fast so, als hätte es jemand durch mich durch kreiert. Ich ging mit einem absoluten "flow" da dran."

Dieses Album bedeutete für Jakob den Schlüssel zu internationaler Beachtung, denn es brachte ihm einen Vertrag mit dem Label "Warner Brothers". "Meine erste Platte, die auch in den USA veröffentlicht wurde, war 1979 "Special Treatment". Zwei Jahre später machte ich ein anderes Album, mit dem Titel "Jack Magnet", das eine Art Satire auf alles Amerikanische war, inklusive Ron Hubbart, dem Gründer von Scientology und seine....egal, es war wie ein Musical aufgebaut und es war illustriert, habe einige Videos dazu gedreht. Anschließend machte ich ein Album mit dem Titel: "Carribean Rhapsody", gennant "Two Sisters" in Island."

Aufgenommen wurden die Alben in Los Angeles, wo Jakob zur damaligen Zeit wohnte, New York und Island, und anschließend ging er auf Tour mit bekannten Größen wie Al Jarreau und Tom Scott. Als Keyboardspieler im Bereich Jazz/Fusion gehörte er plötzlich zur Weltklasse. Seine Tour führte ihn u.a. in die Festival Hall in London, das Hammersmith Theatre, und dennoch behauptet er fast trotzig, dass "der Schwerpunkt in meinen Auftritten Studmenn ist und bleibt, auch wenn ich 6 Solo-Alben mit verschiendener Besetzung herausgegeben habe. Studmenn ist der beständigste Weg in meinem Leben!"

Sich eine Vorstellung von Jakob Frímann, dem Freigeist zu machen, ist nicht einfach. Wie seine Musik umgibt sein Leben etwas Wechselhaftes. Kaum glaubt man, seine Richtung zu erkennen, ist er auch schon wieder in einer anderen unterwegs, mit voller Energie. Hat er jemals etwas in seiner Karriere bereut?
"Natürlich es gibt immer Zweifel, wenn man zurückblickt. Zumindest etwas, das man anders gemacht hätte. Nein, ich bin stolz, dass ich solche Alben gemacht habe, etwas Eigenes. Eben nicht versucht habe, Elton zu sein oder Gilbert and Sullivan, oder Billy Joel oder irgendjemand. Sondern vielmehr das zu sein, was ich damals dachte, dass ich sei."

Die hagere Gestalt mir gegenüber hat noch immer die Arme verschränkt, als ob sie sich selbst festhalten wolle, eins mit sich selbst. Jakob liegt ausgestreckt auf dem Stuhl und gähnt. Doch seine Augen sind hellwach, sein Blick scannt die Umgebung, scannt mich und das Mikrofon. Ein Spiegelkabinett, der Mann, dessen Raum und Größe man ahnt, doch alle Spiegel außer zweien sind stets bedeckt gehalten. Ist ein solcher Mensch überhaupt auf der Suche?
"Ich denke, dass ich immer schon offen war für anderes als den koventionellen westlichen Blickwinkel. Religion, generelle Weltsicht, Sozialstrukturen, Wissenschaft im Allgemeinen. Ich glaube, Religion ist in den Köpfen der Menschen und wir alle tragen unsere eigene kleine Religion in uns. Die Katholische Kirche hat es geschafft, eine distinguiertes Bild vom Leben und der Natur zu etablieren davon, wie die Dinge zu sein haben. Erst in den 80ern wurde den Leuten klar, dass es Naturgesetze gibt, Dinge, die veränderbar sind. Wir haben die Technische Revolution, die Industrielle Revolution, die Informationsrevolution, und die Grenze zwischen Religion und Wissenschaft ist durchbrochen - eigentlich - denn immer noch leben Abermillionen im Mittelalter. Ich denke, dass die indische und asiatische Mentalität ein höheres Verständnis für Chemie und Technologie hat, das sich selbst manifestiert in dem, was manche Magie nennen oder Illusion, was aber grundsätzlich das Können und die Kunstfertigkeit der Gurus und Yogis ist. Jesus zum Beispiel ging nach Indien, um zu lernen. 12 Jahre war er verschwunden, kam zurück und tat, was die Leute als Wunder abtun. An und für sich war es aber nur ein weiteres Verständnis der Natur. Der Verstand über der Natur."

Dass Jakob seinen Verstand und seinen Willen manchmal über scheinbar naturgegebene Grenzen hinwegsetzt, zeigt, dass er nach dem zweiten Album der Studmenn "Tivoli" daraus unbedingt einen Film machen wollte. Er schrieb ein Script, suchte Geldgeber und fand schließlich den Regisseur Águst Gudmundsson, der mit ihm zusammen die Idee trotz schwierigster Bedingungen und einem Budget, das andere eher in ihre Stereoanlage inverstieren würden, tatsächlich auf die Leinwand brachte. Das Resultat wurde Island berühmteste Komödie.

"Es ist unglaublich" strahlt er, "die Leute lieben diesen Film, und es hat sich nichts daran geändert. Die Kinder hier wachsen damit auf, den Film immer und immer wieder anzuschauen, jeder kennt jeden einzelnen Satz daraus. Dabei haben wir das Meiste am Set improvisiert. Als wir selbst den Film zum ersten Mal sahen, waren wir geschockt, zumindest Egill und ich, wir bissen uns auf die Lippen und dachten...ach Du meine Güte, das geht niemals gut... aber es wurde ein wirklich unglaublicher Erfolg!" Jakob breitet die Arme aus und die Müdigkeit verfliegt, und das Funkeln in seinen Augen ist zurück.
"Jaja!" lacht er heraus "viele Leute haben mich im Verdacht, dass das nicht normal sein kann, dass ich Drogen nehmen müsse, Kokain oder Amphetamine, weil ich soviel Energie habe. Alles quatsch!" winkt er ab. "Wir haben natürlich ein bißchen mit Drogen experimentiert in unserer Schulzeit, und gottseidank ist niemand von uns abgerutscht oder gar abhängig geworden. Später habe ich einmal Kokain probiert und es hat mir lediglich eine laufende Nase und Halsschmerzen beschert. Es machte mich nur weniger aktiv in allem. Cannabis habe ich ganz gern gemocht, auch wenn es einen ziemlich lächerlich macht. Wir haben ein paar Pilze gekaut, besonders, als wir "Med allt á hreinu" drehten. Ansonsten Alkohol, Tabak und Kaffee in Maßen seither. Ehrlich gesagt bevorzuge ich ein gesundes Leben, gesundes Essen, Sport und work out, meine Meditation, Yoga, meine Bücher, Musik, meine Freunde. Das ist mein Leben." Spricht's und nippt an seinem Gemüsesaft. Einen Moment hält er inne, lehnt sich zurück, überlegt, setzt ein unglaublich breites Grinsen auf und beugt sich verschwörerisch über den Tisch : "Das ist keine ungewöhnliche Frage, woher ich die Energie wirklich nehme" fängt er sich in meinem Blick, "vermutlich habe ich einfach einen ungeheuren Sextrieb, den ich in eine andere Richtung lenke als lediglich herumzustreunen..." er lässt die Worte einige Zeit im Raum wirken, um dann anzufügen: "Gottseidank bin ich getrieben!" um's mit Rivers zu sagen! Manche Leute haben das eben, manche nicht. Solange ich Spaß an einem Projekt habe, bin ich glücklich, und dann habe ich jede Menge Energie. Wenn es mich langweilt... phewww. Das langweilige Zeugs im Leben auszuklammern ist die Kunst!" kommentiert er mit hochgezogenen Augenbrauen.

Nach dem Erfolg von "Med allt á hreinu" ging die Gruppe dazu über, ein weiteres Filmprojekt umzusetzen, "Cool Jazz and Coconuts", oder auch "Hvítir Mávar" im Original, diesmal mit Jakob höchstselbst als Regisseur. Das Ergebniss wurde, im Gegensatz zum komödiantischen Musical zuvor, ein Drama mit einem erzählerischen und cinematographisch hochinteressanten Blickwinkel, Referenzen zur Pop Art und einem Soundtrack, der musikalisch das Meisterstück der Band darstellt.

Was nicht zu toppen schien, brachte die Gruppe dennoch fertig. Im Jahre 1986, während einer Promotiontour für den Film, schloss sich der Beatle Ringo Starr für einen Auftritt an und war von den Qualitäten der Band hingerissen. Plötzlich schien es keine Grenzen mehr zu geben, noch nicht einmal die chinesische Mauer konnte die Wikinger stoppen. Als erste westliche Band wurden Studmenn von der chinesischen Staatsregierung eingeladen und so tourten sie durch das Land der Mitte, unter dem Pseudonym Strax.

Als 1990 Jakob allerdings Kulturattaché der isländischen Botschaft in London wurde, brachte das den gemeinsamen Aktivitäten der Gruppe ein zwischenzeitliches Aus. Für Jakob und seine damalige Frau Ragga Gísladóttir jedoch wurde es ein weiterer Meilenstein in beider Solo-Karriere. Während der Organisation eines Festivals versuchte Jakob vergeblich einen PR-Agenten von den Qualitäten isländischer Künstler zu überzeugen. Als dieser bereits aus der Tür war, warf er ihm das "Human Body Percussion Orchestra" als Stichwort hinterher, dass er in der Not gerade erfunden hatte. Der PR-Mann wurde neugierig und setze die Machinerie in Gang - ohne dass es das Projekt zu dem Zeitpunkt wirklich gab: "Ich war echt verzweifelt, der Typ hatte uns für den nächsten Tag einen Auftritt bei Radio 4 beschert, und ich ging heim und sagte: Ragga, ich brauch Dich jetzt!" In einer Nacht- und Nebelaktion wurde ein befreundeter Künstler eingeflogen und hektisch ein Stück improvisiert. Daraus entstand eine der interessantesten Platten der letzten Jahre, das gerade auch in Deutschland erschienene "Ragga and the Human Body Orchestra".

Fünf Jahre später kehrte er nach Island zurück, doch der Politik ist er als Parlamentsabgeordneter treu geblieben: "Während meiner frühen Jugendzeit schon habe ich herausgefunden, dass ich von Natur aus ein Sozialdemokrat bin, jemand, der dazwischengeht und ein Freigeist. Wir alle sollten frei sein zu gehen, wohin wir wollen und schrecklich reich sein und für immer glücklich. Aber auf der anderen Seite haben wir eine Verantwortung, uns um die Älteren zu kümmern, die Kranken, die Armen und die Jungen, allen gute Schulbildung zu ermöglichen und ein gutes Gesundheitswesen und ich lege viel Wert auf diese Art der humanitären Rechte, in meinem Land genauso wie wo auch immer ich eine Möglichkeit habe, zu sprechen. Das ist, was ich über konventionelle Politik denke, aber ich bin auch, wie soll ich sagen..." Jakob hält inne und überlegt, bis er einen Bogen schwingt, "ich habe großen Respekt vor der Natur. Uns gehört das Land nicht, auf dem wir stehen, wir haben bisher unsere Aufsichtspflicht verletzt, aber wir sollten eigentlich sehr gut darauf aufpassen und es schützen für unsere nächste Generation. Das ist der Grund, warum ich für die Natur aufstehe und warum ich die "Grüne Armee" gegründet habe."

Die Öko-Aktivistengruppe zog '99 gemeinsam mit Studmenn ums Land, jeden Tag in einem anderen Ort. "Da wir keine Armee hier in Island haben, haben wir den Leuten die Gelegenheit gegeben, sowas mal zu erleben, gaben ihnen Uniformen, Suppe und Brot und händigten ihnen ihre Waffen aus, Spaten, Rechen und Müllsäcke, um aufzuräumen, Torf zu stechen, Häuser zu reparieren und Bäume zu pflanzen"

Die Energien, die dieser Mann versprüht, sind oft ein paar Zentimeter über dem Boden. Und doch wird man den Eindruck nicht los, dass die Vernunft und Beherrschtheit, die er um sich baut, ihn auf den Boden drängen, auf den er nicht gehört. Gepaart mit jenem bubenhaften Charme, den er dann und wann durchblitzen lässt, ist Jakob Magnússon blitzgescheit und brandgefährlich zugleich. Ist so jemand glücklich?
Jakob überlegt lange und mit Bedacht, ehe er seine seine klare Antwort formuliert: "Die meiste Zeit. Jeder hat gute und schlechte Zeiten in seinem Leben. Aber ich tendiere stark dazu, die Guten mehr lebendig in Erinnerung zu behalten. Und ich sehe mich selbst als sehr glücklich, über das, was ich getan habe und das, was ich tue, habe an vielen, vielen Alben und Projekten mitgearbeitet. Ich bin glücklich mit dem, was ich tue. Und muß dankbar dafür sein, in der Lage zu sein, für das was ich tue. Was mehr kann ich im Leben verlangen? Ich hätte gerne noch viel mehr Kinder, und eine Frau, mit der man an diesem Projekt arbeiten kann. Doch sonst bin ich zufrieden. Schwer zu sagen, ob ich eine alte Seele bin. Manchmal denke ich, dass ich schon eine ganze Zeit umher bin, manchmal aber auch, dass ich einfach nicht altere, nicht alt und dröge wie jede Menge dieser armen alten Säcke, die meine Klassenkameraden waren!" lacht er heraus.

Wie wird es weitergehen in nächster Zeit mit Jakob Frímann, dem Ruhelosen?
"Ich sehe mich als JFM in den nächsten Jahren, und mit Studmen andere Sphären erklimmen. Wie auch immer man das auslegt. Egill wird Solo-Alben produzieren, Ragga ebenso, auch Eythor. Aber wenn diese Talente auf eine Basis kommen , wie bei Studmenn, kann man sicher sein, dass es großartig klingt und brillant ist. Jedesmal, wenn wir zurück zu unseren Wurzeln gehen, zum originalen Konzept, funktioniert es."

Die Größe des Raumes bleibt ahnbar, die Spiegel, die er erkennen lässt, sind klar. Die Melodien und Sätze des JFM sind sonderbar vertraut, so als ob man sie schon lange in sich getragen hätte. Ich drücke den Knopf des Rekorders und bedanke mich. Der Blick des Wachsamen löst sich, er beugt sich über den Tisch und seine Augen leuchten voll spitzbübischem Charme. Als hätte er eben erst den Raum betreten. Wer ist Jakob Frímann Magnússon? "Irgendwo da drin bin ich zu finden", flüstert er und deutet auf den kleinen Rekorder. Vielleicht ist also die Welt der Musik und die Welt des JFM eine kleine MD. Eine kleine glitzernde Scheibe. Aber definitiv wert, gehört zu werden. Definitiv.


Das Interview entstand am 11. September im Café Vegamot in Reykjavik, Island






Foto

Cover der neuesten Solo-CD:
JFM - Made in Reykjavík
© beim Label Skifan





Jakob Frímann Magnússon

* 04.05.1953 in Copenhagen

- jazz/fusion synthesist / pianist / keyboardist
- Produzent / Regisseur / Autor / Schauspieler



Solo-records

  • Horft í Rodann
  • Special Treatment
  • The Magnetics
  • Jack Magnet
  • Time Zone (Carribean Rhapsody)
  • JFM- Made in Reykjavík


Studmenn-Discographie
  • Sumar a Syrlandi
  • Tivoli
  • A Gaesaveidum
  • Listin ad lifa
  • Med allt a hreinu
  • Hvitir Mavar (Cool Jazz and Coconuts)
  • Aerlegt Sumarfri
  • Hve Glöd er Vor Aeska
  • Hvilik Thjod
  • Islenskir Karlmenn
  • Tvöfalda Bitid (Best Of)









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