OMM-Logo Online Musik Magazin CDs / MCs
Literatur
Homepage zurück e-mail Impressum






Das Hörbuch auf MC:

Johann Wolfgang von Goethe: Hermann und Dorothea

Ungekürzte Ausgabe
Gelesen von Maria Wimmer





Diese letzte Schallplattenproduktion von Maria Wimmer ist ein bleibendes und wunderschönes Vermächtnis der großen Tragödin des deutschen Nachkriegstheaters. Vor dem geistigen Auge erscheint beim Hören eine agile Geschichtenerzählerin, die ihre Hörgemeinde um den Kamin geschart hat und vom ersten Augenblick an fesselnd vorträgt. Mehr noch: die verstaubten Goethe-Worte (wer kennt nicht aus seiner Schulzeit die Eingangsverse "Hab ich die Straßen und Gassen doch nie so verlassen gesehen" als das Beispiel für die klassischen Hexameter) werden lebendig. Die Epenform findet durch den mündlichen Vortrag zu seiner urprünglichen Bestimmung zurück.

Ein Plus dieser Aufnahme: Obwohl nur von einer Geschichtenerzählerin vorgetragen, sind die handelnden Personen durch leichte Variationen in der Sprechweise gut zu erkennen. Dennoch erliegt M.Wimmer nie der Versuchung, ins Schauspielerische abzugleiten und dramatisch zu sprechen, wie man es sonst häufig bei Sprechaufnahmen von Schauspielern findet. Hier wird gut gelesen und vorgetragen, unaufdringlich und klar, so daß bei aller blumenreichen Sprache Goethes, der mit Epitheta nicht spart (die weise Hausfrau, der gütige Vater...) hervortritt , um was es eigentlich geht: Elend und Vertreibung, aber auch die Schaulust der Bürger, die davon gekommen sind und nun alles ganz genau wissen wollen - dies alles keine Unbekannten im Medienzeitalter, in dem Krieg und Vertreibung Bestandteile der täglichen Schaulust sind.

Goethes Auseinandersetzung mit der französischen Revolution findet hier seinen Niederschlag. Seine anti-revolutionäre Haltung wurde ihm in der Nachwirkung als anti-französische ausgelegt und sein Versepos damit zur bevorzugten Lektüre deutsch-tümelnder Patrioten. Ein ähnliches Schicksal mußte seine starke Frauenfigur Dorothea erleben: Aus einer Frau, die in der Not sogar ihr Gesinde schützt, indem sie die Angreifer niederschlägt, wird die biedere Hausfrau, der die Worte "dienen lerne beizeiten das Weib, denn das ist seine Bestimmung, durch Dienen allein gelangt es zur Herrschaft" buchstäblich im Munde herumgedreht wurden. Die Worte aus dem Zusammenhang gerissen, wurden zum Instrument der Unterwerfung der jungen Bürgermädchen, die dies als Lebensmaxime mit auf den Weg bekamen. All dies an Wirkungsgeschichte ist für heutige Schüler zum Glück verschwunden, denn Hermann und Dorothea gehör t heute nicht mehr zum Bildungskanon. Das ist auch die Chance, es wieder schätzen zu lernen. Diese Aufnahme scheint mir der beste Weg dazu.
Man kann nur wünschen, daß heutige Schüler den Text auf diese Art kennenlernen.


Heike Schumacher, Schleiden
Oktober 1996



Deutsche Grammophon
Hörbuch auf MC
Johann Wolfgang von Goethe
Hermann und Dorothea.
Ungekürzte Ausgabe
gelesen von Maria Wimmer.
Aufnahme: Hamburg 1993.
Bestellnummer:
2 MC: 449 814-4 und 449 815-4
...noch mehr zu Goethe finden Sie hier!








Da capo al Fine

Homepage zurück e-mail Impressum

©1996 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de

- Fine -