Seit Jahrzehnten schon treten alle zwei Jahre
Nachwuchsjazzmusiker aus ganz Nordrhein-Westfalen zum Landeswettbewerb
"Jugend Jazzt" in Dortmund an. Dort entscheidet eine professionelle
Jury über die Verteilung von ersten, zweiten und dritten Preisen an
jazzmusikalische Talente. Doch die Förderung auf Regionalebene blieb
bisweilen überwiegend aus.
Im Bergischen Land wird diesem Zustand endlich ein Ende
gesetzt. Dr. Peter Ortmann, Geschäftsführer des Bundesjazzorchesters
unter dem Dach des Deutschen Musikrates in Bonn, entwickelte die Idee eines
Jazzpreises für Jugendliche in Remscheid und Umgebung und fand in Thomas
Holland-Moritz, Leiter der Musik- und Kunstschule Remscheid, und Peter de
Groote, Chef der Wellpappenfabrik Hampel in Remscheid-Lennep, tatkräftige
Unterstützung bei der Verwirklichung. Schirmherrschaft übernahm der
stets zur Förderung junger Musiker bereite Bigbandleiter Peter
Herbolzheimer.
Schnell lag ein Konzept vor: Alle Teilnehmer, die aus Remscheid
bzw. dessen Umland stammen mussten, stellen ein bis zwei von ihnen selbst
ausgewählte Musiktitel im Rahmen eines gemeinsamen Wochenendworkshops vor.
Hierzu wird ein Team Dozenten eingeladen, die den Nachwuchsjazzern Tipps und
Tricks verraten und ihnen bei der Erfassung theoretischer Grundlagen der
Jazzmusik helfen. Eine Woche später treten die Kandidaten dann vor einer
fünf-köpfigen Jury in Form eines Wettbewerbskonzerts auf, dort wird
endgültig entschieden und bekanntgegeben, wer sich den 1., 2. bzw. 3. Preis
verdient hat. Die Preise sind, unterschiedlich abgestuft, mit mehreren hundert
Mark dotiert und sollen in jedem Falle zur Fortführung der musikalischen
Ausbildung des Preisträgers genutzt werden.
Erste Stufe: Wettbewerbsworkshop
Am 23. und 24. Juni dieses Jahres fand der erste Teil des
Bergischen Jazz Löwen statt: Ein Workshop mit Bewerbern und eingeladenen
Dozenten für die betreffenden Instrumente. Die meisten der etwa 20 jungen
Musiker stammten aus Remscheid, ebenso wie zwei der sechs Dozenten, der
Gitarrist Hanno Busch und sein klavierspielender Bruder Gösta Busch. Die
anderen Dozenten sind ebenfalls erfolgreiche Absolventen des
Bundesjazzorchesters und spielen alle eine aktive Rolle in der Kölner
Jazzszene. Die Musik- und Kunstschule Remscheid stellte hierfür die
Räumlichkeiten in Remscheid-Lennep zur Verfügung.
Bald schon herrschte eine lockere Atmosphäre zwischen
jungen und älteren Beteiligten, wie es für Jazzveranstaltungen
generell typisch ist. Trotzdem waren sowohl der Samstag wie auch der Sonntag im
Ablauf genau geplant. Eröffnet wurde die Probephase mit einer Audition,
welche jedem Teilnehmer die Möglichkeit geben sollte, sein musikalisches
Level erkennen zu lassen. Im weiteren Verlauf wechselten sich dann Bandproben
mit Gruppen- oder Einzel-Instrumentalunterricht ab. Für die
Einzelinstrumentalisten standen die Dozenten als Rhythmusgruppe zur
Verfügung. Ausnahmefall war die als Einheit teilnehmende Band
"Jazzkiste" der Musikschule Remscheid, ihnen wurde ein eigener Dozent
gestellt, mit dem sie sich auf Bandproben konzentrieren konnten. Im
Instrumentalunterricht beschäftigte man sich weitgehend mit dem jeweiligen
Instrument, Improvisationstechniken und Harmonielehre.
Abgeschlossen wurde der Workshop Sonntag Nachmittag mit einer
großen Abschlussrunde sowie einem Blues, bei dem alle mitspielten.
Spaß für die Teilnehmer als auch für die zuhörenden
Dozenten, die sich ausnahmsweise in den Zuschauerrängen
niederließen.
Zweite Stufe: Konzert der Kandidaten
Am darauffolgenden Sonntag, den 1. Juli 2001 war es dann
soweit. Um 11 Uhr trafen sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder, waren
allesamt gut vorbereitet, hatten die Woche noch für letzte Schleifereien an
ihren Vorspielstücken genutzt und freuten sich, natürlich in
Verbindung mit einigem Lampenfieber, auf die nun offizielle Präsentation
ihrer Musik vor der Jury. Diese setzte sich zusammen aus Thomas Holland-Moritz
(Musik- und Kunstschule Remscheid), Peter de Groote (Chef der Wellpappenfabrik
Otto Hampel), Dr. Eva-Maria Oehrens (Akademie Remscheid), Christian Peiseler
(Bergische Morgenpost) und Dr. Peter Ortmann (selbst Jazzmusiker seit seiner
Jugendzeit, nun beim Deutschen Musikrat tätig).
Der Veranstaltungsort war sicherlich kein gewöhnlicher: In
nichts geringerem als der Hauptproduktionshalle der Wellpappenfabrik selbst
waren Bühne und reihenweise Bestuhlung aufgebaut worden, wobei letztere
immer wieder aufgefüllt werden musste. Selbstverständlich standen
die Maschinen still; für Geräusche sorgten die Musikerinnen und
Musiker. Abwechselnd mit den Kandidaten, die ihre ausgefeilten Titel vor dem
Publikum darboten, traten die Dozenten gemeinsam in Form eines Ensembles auf,
veranschaulichten auf diese Weise das Ergebnis guter Jazzausbildung, die in der
Jugend nicht versäumt werden darf. Deshalb wurden dann nach
20-minütiger Pause, in welcher sich die Juroren zur Beratung
zurückzogen, endlich die begehrten Preisgelder an die ersten drei
Preisträger vergeben zur Verwirklichung einer guten musikalischen
Weiterbildung.
And the winner is...
Bei Verlesung der Preisträger durch Herrn Holland-Moritz
war es, ebenso wie während der übrigen Veranstaltung, still im
Zuschauerraum. Doch als die genannten Sieger nach vorne traten, um Urkunde und
Preis entgegen zu nehmen, gab es kein Halten mehr. Der dritte Preis ging an den
Remscheider Saxophonisten, der sich auf dem Alt- wie auch auf dem Sopransaxophon
bewiesen hatte, Philipp Sauer. Auf das zweite Treppchen durfte sich der aus
Lüdenscheid stammende Pianist Tobias Weindorf stellen, der mit einer
melodischen, ausgefallenen Version von dem alten Standard "Autumn
Leaves" überzeugt hatte. Wer glaubt, dies sei schon der Beweis
für die schlechte Frauenquote in der Jazzkultur, hat ein zu frühes
Urteil gefällt: Den ersten Preis gewann Charlotte Ortmann aus Remscheid,
die ihre musikalische Vielseitigkeit im Vortrag des Stückes "St.
Thomas" gezeigt hat. Hierbei war das Erstaunen des Vaters, Dr. Peter
Ortmann, groß. Dieser hatte sich bei der Bewertung seiner Tochter im
Jurygespräch im Hintergrund gehalten und war nun über die Entscheidung seiner Kollegen natürlich mehr als erfreut. Einen Sonderpreis erhielt die
"Jazzkiste" für ihr gemeinsames Interesse an der Jazzmusik und
ihr vielfältiges Bandrepertoire.
Erfolgreich also die erste Staffel des "Bergischen Jazz
Löwen". Schon jetzt redet man enthusiastisch über die zweite
Folge im nächsten Jahr. Dann wird auch mit der Anwesenheit des Schirmherrn
Peter Herbolzheimer beim Wettbewerbskonzert zu rechnen sein; er war dieses Jahr
leider aufgrund Dozententätigkeit verhindert.
Lasst auch 2002 den Jazz Löwen brüllen!
Freuen wir uns, wenn der Jazz Löwe in 2002 wieder
brüllt und erneut beweist, dass die jungen Nachwuchsjazzer einen Platz
an der Öffentlichkeit verdienen. Talente gibt es im Bergischen Land genug
und höchst wahrscheinlich wird das löwenmäßige Brüllen
in der nächsten Saison noch mehr Musiker aus dem Umland anlocken.
Und wer weiß, vielleicht findet sich einer der
Preisträger in ein paar Jahren selbst in der Rolle eines Dozenten wieder
und darf bergische Nachwuchsjazzer auf dem Wettbewerbsworkshop in Remscheid
unterrichten...