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Tierisch gut -
Der Bergische Jazz Löwe

Premiere für einen Jazz-Nachwuchs-Preis aus dem Bergischen Land


Von Julia Ortmann
Juli 2001


Seit Jahrzehnten schon treten alle zwei Jahre Nachwuchsjazzmusiker aus ganz Nordrhein-Westfalen zum Landeswettbewerb "Jugend Jazzt" in Dortmund an. Dort entscheidet eine professionelle Jury über die Verteilung von ersten, zweiten und dritten Preisen an jazzmusikalische Talente. Doch die Förderung auf Regionalebene blieb bisweilen überwiegend aus.

Im Bergischen Land wird diesem Zustand endlich ein Ende gesetzt. Dr. Peter Ortmann, Geschäftsführer des Bundesjazzorchesters unter dem Dach des Deutschen Musikrates in Bonn, entwickelte die Idee eines Jazzpreises für Jugendliche in Remscheid und Umgebung und fand in Thomas Holland-Moritz, Leiter der Musik- und Kunstschule Remscheid, und Peter de Groote, Chef der Wellpappenfabrik Hampel in Remscheid-Lennep, tatkräftige Unterstützung bei der Verwirklichung. Schirmherrschaft übernahm der stets zur Förderung junger Musiker bereite Bigbandleiter Peter Herbolzheimer.

Schnell lag ein Konzept vor: Alle Teilnehmer, die aus Remscheid bzw. dessen Umland stammen mussten, stellen ein bis zwei von ihnen selbst ausgewählte Musiktitel im Rahmen eines gemeinsamen Wochenendworkshops vor. Hierzu wird ein Team Dozenten eingeladen, die den Nachwuchsjazzern Tipps und Tricks verraten und ihnen bei der Erfassung theoretischer Grundlagen der Jazzmusik helfen. Eine Woche später treten die Kandidaten dann vor einer fünf-köpfigen Jury in Form eines Wettbewerbskonzerts auf, dort wird endgültig entschieden und bekanntgegeben, wer sich den 1., 2. bzw. 3. Preis verdient hat. Die Preise sind, unterschiedlich abgestuft, mit mehreren hundert Mark dotiert und sollen in jedem Falle zur Fortführung der musikalischen Ausbildung des Preisträgers genutzt werden.

Erste Stufe: Wettbewerbsworkshop

Am 23. und 24. Juni dieses Jahres fand der erste Teil des Bergischen Jazz Löwen statt: Ein Workshop mit Bewerbern und eingeladenen Dozenten für die betreffenden Instrumente. Die meisten der etwa 20 jungen Musiker stammten aus Remscheid, ebenso wie zwei der sechs Dozenten, der Gitarrist Hanno Busch und sein klavierspielender Bruder Gösta Busch. Die anderen Dozenten sind ebenfalls erfolgreiche Absolventen des Bundesjazzorchesters und spielen alle eine aktive Rolle in der Kölner Jazzszene. Die Musik- und Kunstschule Remscheid stellte hierfür die Räumlichkeiten in Remscheid-Lennep zur Verfügung.

Bald schon herrschte eine lockere Atmosphäre zwischen jungen und älteren Beteiligten, wie es für Jazzveranstaltungen generell typisch ist. Trotzdem waren sowohl der Samstag wie auch der Sonntag im Ablauf genau geplant. Eröffnet wurde die Probephase mit einer Audition, welche jedem Teilnehmer die Möglichkeit geben sollte, sein musikalisches Level erkennen zu lassen. Im weiteren Verlauf wechselten sich dann Bandproben mit Gruppen- oder Einzel-Instrumentalunterricht ab. Für die Einzelinstrumentalisten standen die Dozenten als Rhythmusgruppe zur Verfügung. Ausnahmefall war die als Einheit teilnehmende Band "Jazzkiste" der Musikschule Remscheid, ihnen wurde ein eigener Dozent gestellt, mit dem sie sich auf Bandproben konzentrieren konnten. Im Instrumentalunterricht beschäftigte man sich weitgehend mit dem jeweiligen Instrument, Improvisationstechniken und Harmonielehre.

Abgeschlossen wurde der Workshop Sonntag Nachmittag mit einer großen Abschlussrunde sowie einem Blues, bei dem alle mitspielten. Spaß für die Teilnehmer als auch für die zuhörenden Dozenten, die sich ausnahmsweise in den Zuschauerrängen niederließen.

Zweite Stufe: Konzert der Kandidaten

Am darauffolgenden Sonntag, den 1. Juli 2001 war es dann soweit. Um 11 Uhr trafen sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder, waren allesamt gut vorbereitet, hatten die Woche noch für letzte Schleifereien an ihren Vorspielstücken genutzt und freuten sich, natürlich in Verbindung mit einigem Lampenfieber, auf die nun offizielle Präsentation ihrer Musik vor der Jury. Diese setzte sich zusammen aus Thomas Holland-Moritz (Musik- und Kunstschule Remscheid), Peter de Groote (Chef der Wellpappenfabrik Otto Hampel), Dr. Eva-Maria Oehrens (Akademie Remscheid), Christian Peiseler (Bergische Morgenpost) und Dr. Peter Ortmann (selbst Jazzmusiker seit seiner Jugendzeit, nun beim Deutschen Musikrat tätig).

Der Veranstaltungsort war sicherlich kein gewöhnlicher: In nichts geringerem als der Hauptproduktionshalle der Wellpappenfabrik selbst waren Bühne und reihenweise Bestuhlung aufgebaut worden, wobei letztere immer wieder aufgefüllt werden musste. Selbstverständlich standen die Maschinen still; für Geräusche sorgten die Musikerinnen und Musiker. Abwechselnd mit den Kandidaten, die ihre ausgefeilten Titel vor dem Publikum darboten, traten die Dozenten gemeinsam in Form eines Ensembles auf, veranschaulichten auf diese Weise das Ergebnis guter Jazzausbildung, die in der Jugend nicht versäumt werden darf. Deshalb wurden dann nach 20-minütiger Pause, in welcher sich die Juroren zur Beratung zurückzogen, endlich die begehrten Preisgelder an die ersten drei Preisträger vergeben zur Verwirklichung einer guten musikalischen Weiterbildung.

And the winner is...

Bei Verlesung der Preisträger durch Herrn Holland-Moritz war es, ebenso wie während der übrigen Veranstaltung, still im Zuschauerraum. Doch als die genannten Sieger nach vorne traten, um Urkunde und Preis entgegen zu nehmen, gab es kein Halten mehr. Der dritte Preis ging an den Remscheider Saxophonisten, der sich auf dem Alt- wie auch auf dem Sopransaxophon bewiesen hatte, Philipp Sauer. Auf das zweite Treppchen durfte sich der aus Lüdenscheid stammende Pianist Tobias Weindorf stellen, der mit einer melodischen, ausgefallenen Version von dem alten Standard "Autumn Leaves" überzeugt hatte. Wer glaubt, dies sei schon der Beweis für die schlechte Frauenquote in der Jazzkultur, hat ein zu frühes Urteil gefällt: Den ersten Preis gewann Charlotte Ortmann aus Remscheid, die ihre musikalische Vielseitigkeit im Vortrag des Stückes "St. Thomas" gezeigt hat. Hierbei war das Erstaunen des Vaters, Dr. Peter Ortmann, groß. Dieser hatte sich bei der Bewertung seiner Tochter im Jurygespräch im Hintergrund gehalten und war nun über die Entscheidung seiner Kollegen natürlich mehr als erfreut. Einen Sonderpreis erhielt die "Jazzkiste" für ihr gemeinsames Interesse an der Jazzmusik und ihr vielfältiges Bandrepertoire.

Erfolgreich also die erste Staffel des "Bergischen Jazz Löwen". Schon jetzt redet man enthusiastisch über die zweite Folge im nächsten Jahr. Dann wird auch mit der Anwesenheit des Schirmherrn Peter Herbolzheimer beim Wettbewerbskonzert zu rechnen sein; er war dieses Jahr leider aufgrund Dozententätigkeit verhindert.

Lasst auch 2002 den Jazz Löwen brüllen!

Freuen wir uns, wenn der Jazz Löwe in 2002 wieder brüllt und erneut beweist, dass die jungen Nachwuchsjazzer einen Platz an der Öffentlichkeit verdienen. Talente gibt es im Bergischen Land genug und höchst wahrscheinlich wird das löwenmäßige Brüllen in der nächsten Saison noch mehr Musiker aus dem Umland anlocken.

Und wer weiß, vielleicht findet sich einer der Preisträger in ein paar Jahren selbst in der Rolle eines Dozenten wieder und darf bergische Nachwuchsjazzer auf dem Wettbewerbsworkshop in Remscheid unterrichten...






Die bergischen Jungjazzer mit den etwa ein Jahrzehnt älteren Kölner Dozenten.
Oben links: Dr. Peter Ortmann und Thomas Holland-Moritz (Organisationsteam).






Bandprobe während des Workshops in der ehemaligen Landwirtschaftsschule in Remscheid-Lennep.
V.l.n.r.: Philipp Sauer, Charlotte Ortmann, Zola Mennenöh, Jan-Matthis Wasserfuhr, Johannes Behr.






Klavierdozent Gösta Busch (links) im Unterrichtsgespräch mit den Pianisten Philipp Mancarella, Felix Rostek und Tobias Weindorf (v.l.n.r.).




Da capo al Fine

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