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Wayne Krantz
Greenwich Mean



We want your soul!



"All they want is your money, We want your soul" - dieses halb witzige, halb wahre Motto, das auf dem Cover der Wayne Krantz CD "Greenwich Mean" abgedruckt ist, beschreibt recht gut die Idee, die hinter dieser CD steckt. In Ermangelung eines Plattenvertrages hat Krantz die CD komplett selbst produziert und vertreibt sie allein über seine Website. Es wäre eh fraglich, ob eine Plattenfirma diese bahnbrechende Produktion je mit vollem Einsatz promoted hätte. Denn ebenso ungewöhnlich wie der Vertriebsweg ist die Idee von "Greenwich Mean". Sie bietet einige Ausschnitte aus den Live-Sets, die Krantz mit seiner Band allwöchentlich in dem New Yorker Club "55 Bar" den wenigen, aber enthusiastischen Jazz Fans bietet. Die Verkaufszahlen sind sicher gering, aber Krantz behält die Kontrolle über das komplette "Produkt".

Gerade der singuläre Stil Krantz' macht diese Veröffentlichung um so wichtiger. In einem anscheinend rein auf Improvisation beruhenden Umfeld bietet diese CD Soundschnipsel aus verschiedenen Live-Sets, die an Spielfreude einer jeden Studioproduktion vorzuziehen sind.

Krantz, der in den Neunzigern drei CDs bei Enja veröffentlichte und mit Steely Dan auf Tour war, bringt den Rock-Fan wieder zurück in den Jazz. Dabei steht er jenseits der Sackgasse, in der sich der Fusion-Jazz heute befindet. Hier kann man nicht mehr von Solo-Instrumenten und einer Rhythmusgruppe sprechen. Laut eigener Aussage war Krantz schon lange mit den Konventionen der Form "Solo gegen Begleitung" unzufrieden. Er hat einen neuen Ansatz gesucht und ihn auch in seinen Musikern (Tim Lefebvre; Keith Carlock) gefunden. Die Band an sich "soliert". All das wird deutlich in unterschiedlichen Titeln der CD, die von einem rein improvisierten Ansatz geprägt sind, bis hin zu streng strukturierten Phasen.

"Greenwich Mean" verzeichnet 21 mit kryptischen Namen versehene Titel. Aber der Ansatz ist ein stetiger Flow von einem zum anderen Stück. In einem Aufwasch feuert Krantz ein Jazz Shrapnell ab (bei "There´s looting in bombay"), spielt bei "Wet heat sweat" eine funky guitar Chord-Line, geht beim Titel Track äußerst rockig zu Werke, um dann spontan in das soulige "Cinecitta" hinüber zu gleiten. Die meisten Exzerpts sind nicht länger als zwei - drei Minuten, das acht Minuten lange "Marble maker" ist das eigenständigste Stück der ganzen CD. Ein die Schallmauer durchbrechender Anschlag auf die Floskeln des konventionellen Fusion-Jazz. Krantz zeigt hier sein ganzes Können. Beginnt das Stück mit einem rockigen, von Gitarre und Bass unisono gespielten Riff, geht es in der Manier eines John Scofield weiter, immer zwischen Rock, Fusion und Soul hin und her schwingend. Dabei vermeidet Krantz die Gitarren-Klischees, die man sonst auf vielen Fusion-Jazz Produktionen zu hören bekommt. Mit seiner alten Stratokaster und wenigen Effekten, bietet er an Soundvielfalt und Phrasierungsreichtum mehr, als so mancher High-Tech-Gitarrist. Wie in einem Nukleus zeigt sich seine Experimentierfreude, Lässigkeit, und open-mindedness im Umgang mit den Genres des Jazz, die er genüsslich auseinander nimmt, um sie nach seinen Vorstellungen neu zusammenzusetzen. Wie schon oben gesagt sprengt er mit den Fusion-Shuffles, seinen arpeggierten Akkordfolgen, den Scofield-ähnlichen mid-tempo - blueslastigen Nummern den Begriff der Jazz-Fusion. Dennoch ist "Greenwich Mean" keine "Gitarristen-Platte". Was Lefebvre und Carlock an "Rhythmusarbeit" (der Begriff trifft nicht mehr im eigentlichen Sinne zu ) hier abliefern, sucht in diesem Genre seinesgleichen.

Die ganze Sammlung an Live-Mitschnitten zeugt von überzeugender musikalischer Selbstständigkeit, wie sie derzeit singulär ist. Besucher der Konzerte Krantzs in der "55 Bar" versicherten mir, dass die CD gegenüber dem Live Erlebnis um einiges zurückbleibt. Wollen wir nur hoffen, dass auch wir bald die Möglichkeit haben werden, Krantz in Europa live zu erleben. Da sollte sich jetzt schon mal jeder für die nächsten Monate nichts mehr vornehmen. Dieses Konzert auf keinen Fall verpassen!





Von Andreas Höflich








Wayne Krantz: "Greenwich Mean"



Produced by Wayne Krantz
Recorded: Live! Summer `97 -
Spring `98 at NYC´s 55 Bar
Published by: Wayne Krantz
©1999 Wayne Krantz
Distribution via WayneKrantz.com
CD 005

Musicians:
Wayne Krantz: Guitar
Tim Lefebvre: Bass
Keith Carlock: Drums
Will Lee: Bass




Track Listing:

1. Infinity Split
2. Anemone
3. Harum-scarum
4. Ultramarine
5. There´s looting in bombay
6. Wet heat sweat
7. Greenwich mean
8. Cinecitta
9. Blue period
10. The end of wednesday
11. Casanova club
12. Spektor
13. Deep sleep joke
14. Honey loves sugar
15. Black ocean endlessness
16. Clamor
17. Soul system
18. Elephant
19. Marble maker
20. Escape from oblivion
21. Outpost +



Da capo al Fine

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