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  Rock - Pop
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Music To Die For  
Death Discs 1914-1960

Teen Angel

Von Frank Becker

Wo wird oft und gerne gestorben? Na klar, auf der Opernbühne. Und besonders gerne bei Verdi. Da spielen sich herzzerreißende Dramen ab, wenn Floria Tosca, Mario Caravadossi, Mimi, Chio-Chio San (Madama Butterfly), Ernani, Suor Angelica, Manon Lescaut, Liu (Turandot), Macbeth, Gilda, Rigoletto, Manrico, Leonora, Carmen, die Cameliendame Violetta Valeri und König Gustav ihr Leben klangvoll aushauchen. Auch bei Richard Wagner stirbt fast jeder, der irgendwann auftaucht, von Alberich bis Siegfried. Nur Verdis Falstaff überlebt - aber der ist ja eigentlich auch von William Shakespeare.

Aber wußten Sie denn, daß auch im Schlager recht ordentlich ins Gras gebissen wird? Und das seit Anbeginn der Tonträgergeschichte. Beim CD-Label Chrome Dreams, das wir Ihnen schon mit einigen ausgefallenen (und gelungenen) Samplern vorgestellt haben (z.B. hier oder hier oder hier), hat man sich die Mühe gemacht, überwiegend amerikanische Songs der Jahre 1912-1960 zusammenzutragen, die in irgendeinem Zusammenhang mit dem tragischen Tod einer oder eines Protagonisten stehen. "Music To Die For" wurde die Sammlung getauft, bei der kein Auge trocken bleibt. Ich kenne ja noch aus meiner frühesten Jugend Chart-Hits, die es sogar bis in die Top Ten geschafft haben, in denen der herbe Verlust des/der Geliebten, eine Freundes oder Außenseiters besungen wird. Denken wir nur an Mark Dinnings "Teen Angel", die Everly Brothers mit "Ebony Eyes" und "Take A Message To Mary" oder das unglaubliche "Tell Laura I Love Her" von Ray Peterson (1960) mit der Antwort von Mariln Michaels aus dem selben Jahr "Tell Tommy I Miss Him". Auf zwei CDs finden wir 52 Titel vom blechern von der Walze (?) klingenden "Excelsior!" (1912) mit Ernest Pike/Walter Miller bis zu Creed Taylors "Wreck Of Old 97 (1924/1960). Das Album steckt seinen Einzugsbereich zum Glück weit, sodaß neben Rock und Pop auch Jazz, Chanson und Country mit einbezogen werden.

Als Rezső Seress 1932 sein grandios depressives Lied "Trauriger Sonntag" schrieb, soll er damit eine wahre Selbstmordwelle ausgelöst haben. Die deutsche Version wurde sogar zur Vorbeugung von Rundfunksendern boykottiert. Sie war herrlich, und ich habe sie als Knabe oft mit Schaudern auf dem Grammophon meiner Oma gehört. Auf "Music To Die For" finden wir eine spätere Fassung (1940) von Artie Shaw mit der Sängerin Pauline Byrne, nicht annähernd so gruselig. Ethel Waters ist mit dem bitterbösen Lied "Miss Otis Regrets" dabei - und böse, aber köstlich ist auch Tom Lehrers "I Hold Your Hand In Mine (But You´re Not Here)" (1953). Trinker und Rennfahrer lassen ihr Leben, Sünder, Mörder und Hinrichtungskandidaten bekennen ihre Schuld und Western-Helden schwingen die Colts. Besonders ab den 50er Jahren spielen Teenager-Dramen eine wichtige Rolle, ob sie nun im Schulbus verunglücken, mit dem Flugzeug abstürzen oder sich selbst mit dem ersten eigenen Auto zu Tode fahren. Ein ganz besonderes Schmankerl ist die selten gehörte Aufnahme mit den Four Freshmen "Their Hearts Were Full Of Spring" (1955). Balladen über bittere Schicksale, verlorene Liebe, zu frühen Tod und die fatale Quittung für Leichtsinn im Straßenverkehr hatten damals Hochkonjunktur.

Der Unfall von James Dean 1956, der mit einem Porsche Spyder in den Tod raste, machte den Jungstar zur Legende und sorgte für kollektive Hysterie. Bill Hayes singt "Message From James Dean". Der Tod der blutjungen Rock n Roll-Legenden Buddy Holly, Richie Valens und The Big Bopper bei einem Flugzeugabsturz 1959 hatte ähnliche Folgen. Eine Welle von Tributes war die Folge - hier ist "Three Stars" von Ruby Wright (1959) zu hören. 

Dieses Doppelalbum mit seinem reich bebilderten informativen Booklet (Obacht: bei der Titelliste auf der Rückseite des Booklet hat sich ein Fehler eingeschlichen - die Liste der CD-Hülle und des darin einliegenden Leaflet sind aber korrekt) ist eine echte Fundgrube mit vielen lange nicht gehörten Hits, unvergessenen Doowop-Songs und einigen echten Raritäten. Auch Suspense-Altmeister Alfred Hitchcock bekommt seinen Auftritt mit "Music To Be Murdered By" (1958). Also wieso lehnen Sie sich nicht zurück und entspannen - bis der Leichenbeschauer kommt...

Natürlich wurde nach 1960 auch im Pop-Geschäft weiter gestorben, Legenden wurden gebildet - aber das wird ja vielleicht ein zweites Album mit "Music To Die For" (1961-2001).


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Music To Die For  
Death Discs 1914-1960


52 Titel auf 2 CDs


Weitere Informationen unter:
www.chromedreams.co.uk
www.in-akustik.com






Da capo al Fine

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