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Isolée
Rest



Reste der elektronischen Musik - oder einfach nur ausruhen?



Nachdem Isolée alias Rajko Müller auf dem Frankfurter Label Playhouse einige Maxisingles veröffentlicht hat, legt er nun mit "Rest" sein Debut-Album vor. Hatte er mit der Maxi "beau mot plage" schon einigen Erfolg in den Dance Charts, so ist der Titel wieder Teil der CD. Die Vorab-Single "i owe you" wurde von verschiedenen Publikationen im Vorfeld zur CD des Jahres 1999 gekürt. Bei DJ-Größen wie etwa Sven Väth, Phil Asher, Andrew Weatherall und David Morales sind Isolées Titel ein fester Bestandteil der Plattenauswahl.

Wie schon gesagt beinhaltet Isolées Debut "Rest" sowohl "beau mot plage" als auch "keep on dancing" und "i owe you" als seine bekanntesten Titel, ansonsten kann man sich ausschließlich an neuen Tracks erfreuen. Dabei legt Müller hier einen elektronischen Kosmos vor, der an Vielseitigkeit und Diversifikation kaum noch zu überbieten ist. Dies trifft auf die verwendeten Stilmittel ebenso zu wie auf die Sounds, die aus den Lautsprechern kullern. Dabei merkt man ihm die Herkunft vom Dancefloor an, die er genussvoll zur Schau stellt. Die Maxime lautet nicht, möglichst vertrackte und mit Soundtüffteleien vollgestopfte Titel zu produzieren, sondern auch immer die Dance-Kompatibilität im Auge zu haben. Dabei reicht die Bandbreite der Stücke in ihren Anklängen von Kraftwerk über frühen Giorgio Moroder zu Larry Head, aber eben nicht in jedem Stück getrennt, sondern alle gleichzeitig und in einem Track. Die Maxime von Techno und House, dass das Zentrum eines jeden Tracks die Bassdrum ist, diese Vorstellung wird schon im ersten Stück "logiciel" aus den Angeln gehoben. Zwar beginnt "logiciel" mit einer reinen Bassdrum, jedoch wird das sonst gern gebrauchte Beiwerk hier schnell zum Hauptakteur auf der akustischen Ebene und drängt sich in den Vordergrund, wird zur Hauptsache. Der Titel der CD "Rest" ist so als Doppelcodierung zu verstehen. Die Musik auf dieser Veröffentlichung könnte sowohl der "Rest" sein, das was übrigbleibt, wenn man die "gewöhnliche" Dancefloor Musik auseinander- und wieder zusammennimmt. Auf der anderen Seite ist damit aber auch der Zustand des Wartens "Rest" gemeint, der Rest der elektronischen Musik kommt erst zu einem, wenn man abwartet, die Dinge in einen Schwebezustand gelangen lässt und zu einer Unentschlossenheit gelangt, die die Musik gut in eine neues Koordinatensystem einbindet. Isolée splittet die Bassdrum in ihre Bestandteile auf und gelangt so zur einzigen Wellenform und setzt die einzelnen Komponenten in einem neuen Kontext zusammen. Erst wenn dies geschehen ist, so scheint es, kann eine neue Projektion der semantischen Teilchen in ein neues Ganzes von Statten gehen. Das Ergebnis ist von klassischer elektronischer "Schönheit", Hörbarkeit und Melodik geprägt. Mit harmonischer und soundverliebter Sicherheit wird die Unsicherheit und Unentschlossenheit präsentiert.

In Anklängen an die Zeit, als "analog" kein Gegensatz darstellte, geschweige denn ein Schimpfwort war, treffen sich hier schöne analoge Sounds mit digitalem Geflirre und Voice Samples in Französisch und Englisch. Der Titel "music...", mit seinem Sample "music keeps me alive" ist da schon etwas wie Programm. Gepaart mit Synthi-Streichern, die immer wieder aus ihrer klaren Schönheit heraus in Dissonanz abgleiten, ist die Strukur dieses Stückes beispielhaft für Isolée. Die Musik spricht nicht als eine Referenz an etwas anderes (die unter Musikern und Kritikern gern gebrauchte Formel "klingt wie x, y"), sondern ist selbstreferenziell. Bei "beau mot plage" fühlt man sich jenseits der Elektronik an Samba oder Calypso erinnert, jedoch immer wieder gebrochen von elektronischen Soundschnipseln. Die Medien- oder Musikkompetenz, mit der Isolée seine Tracks verfertigt, scheint immerzu durch. Ziel ist es aber nicht, die Teile auseinander zu nehmen und sie irgendwie neu zusammen zu fügen. Die Idee besteht darin, die Teile selbst neu zu definieren. So wird eine ungeheure Tiefe in der Musik erreicht, die in der elektronischen Musik wohl schon lange nicht mehr so zu hören war.

Die Szenepresse konstatierte die Möglichkeit, das das Jahr 2000 zum Jahr von Isolée werde. Das wäre möglich. Ob der Mensch auf dem Dancefloor dies jedoch noch wahrnimmt ist eher fraglich. Aber was soll´s. Vielleicht liegt die Zukunft des Dancefloor ja doch in den heimischen vier Wänden?





Von Andreas Höflich








Isolée:
"Rest"



Produced and composed by Rajko Müller
Reedited by Peter Kremeier and Rejko Müller*
Recorded: 2000
©2000 Playhouse
playhouse no. 38
Distribution via EFA-Medien

All instruments and programming by Rest (Rajko Müller)





Track Listing:

1. logiciel*
2. démon
3. "keep on dancin´"
4. rest
5. text
6. "rest" encore*
7. music...
8. beau mot plage
9. djamel et jamshid
10. gallus*
11. alleinunterhalter
12. tout se complique
13. i owe you*



Da capo al Fine

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