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  Rock - Pop
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Die Morlocks
Golden Covers

Hundsgemein!

Von Frank Becker

Leute, blast das Mottenpulver von Euren Plattenspielern, kocht den Treibriemen auf und laßt diese einzigartige - das könnt Ihr wörtlich nehmen - Doppel-LP auf dem Teller ihre Runden drehen! Die Morlocks haben ihr längst fälliges Versprechen eingelöst und ein hervorragend produziertes, brandheißes Cover- Album mit den größten Hits der 1950er, 60er, 70er und 80er Jahre in glänzend schwarzes Vinyl gepreßt und ohne Erbarmen auf den heiß umkämpften Retro-Plattenmarkt geworfen. Und das heißt auch noch genau so: "Golden Covers" und hat neben allen Spielarten des Pop und Rock auch einen Ausflug in die Jazz-Geschichte und eine längst überfällige historische Korrektur zu bieten.
Apropos Cover-Album: das Album-Cover gehört schon jetzt zu den besten der letzten 50 Jahre.

Aber zur Sache. Wer dieses sowieso musikalisch hochwertige Doppelalbum erwirbt, bekommt weit mehr als "nur" fünfzehn (na gut, eigentlich sind´s ja nur dreizehn) ganz tolle Hits von gestern (und zum Teil von vorgestern), er bekommt ein Gesamtkunstwerk. Und nebenbei: wenn es eine Frau kauft, bekommt auch sie ein Gesamtkunstwerk. Das ist doch phantastisch: zwei Schallplatten, die für Männer und für Frauen, für Linkshänder und Rechtshänder, für Deutsche und Schweizer, für Masochisten und Kommunisten gleichermaßen geeignet sind! Womit wir schon bei der oben erwähnten historischen Korrektur sind. Bandleader (wußten Sie, daß man das korrekt mit Bandenführer übersetzt?) MCGraeff hat zum Vereins-Lied des Marx-Engels-Fanklubs einen angemessenen neuen Text verfaßt und läßt es sich nicht nehmen, ihn selbst zur Wandergitarre Roger Schulers zu Gehör zu bringen. Das ist gleich nach Franz Schuberts Opener "An die Musik" auf der A-Seite von LP 1 schon ein Knaller. Und weil sich Graeff nicht lumpen läßt, gibt er seine Stimme (?) vor dem bestechenden Background-Chor der Morlocks auch den folgenden Songs, einer wahren Perlenkette von kostbaren Schlager-Adaptionen. Wer erinnert sich nicht seufzend an "Die Gitarre und das Meer" von Lothar Olias, das die Morlocks zu einem flotten Reggae (haha, Jimmy Cliff!) arrangiert haben.

Soll man alle aufzählen? Na gut: Humpes "Hundsgemein" interpretiert Graeff dem Titel gerecht, Eugen Egners "Ich zieh mich nur noch im Dunkeln aus" aus dem einstigen Armutszeugnis-Album "Krig in den Nigarafällen" ist sicher eines der Hochlichter der "Golden Covers", die Stones sind mit "You can´t always get what you want" ebenso verteten (hier mit Franziska Staubli als begabte Chanteuse an Graeffs Seite), "La Paloma" läßt noch mal den blanken Hans - oder war es der blonde? - fröhliche Urständ´ feiern, der "Mambo Italiano" klang seit Rosemary Clooney, der Mutter des Kaffee-Tüten-Werbers George C. nie besser. Camillo Paravicini brilliert an der Posaune. Überhaupt zeigen sich auf dem ganzen Album - auch wenn sie es energisch zu verbergen suchen - höchst interessante musikalische Talente. So auch in Duke Ellingtons "Caravan" (ach Duke!) auf das der "Song of the Rising Sun" folgt, danach aufwühlend-provozierend Egners "Gletscher", iterum dem Urheber angemessen herausragend von der gesamten Kapelle intoniert. Das gibt es nebst "Ich zieh mich nur noch im Dunkeln aus" und "La Paloma" auch ausgekoppelt auf der EP-CD "Gletscher". So ganz langsam kommen wir dem Ende nähere, denn nach Cab Calloways toll nachempfundenem Klassiker "Minnie the Moocher" folgen noch der Garage-Pop "Blümchen" (Blossom) von Los Shains (das muß man erst mal verdauen), "Jackson", in dem Franziska Staubli/Sinatra MCGraeff schlankweg an die Wand singt, Van Morrisons "Gloria" (jetzt hab ich´s endlich verstanden!) und ein Super-Closer mit Led Zeppelins "Rock And Roll". Roger und die Franzi zupfen recht ordentlich die Saiten.

Jetzt reicht es aber auch, denn ich mußte dreimal vom Sofa aufstehen, um die Platten umzudrehen bzw. sie zu wechseln. Und wer etwas Geduld mitbringt, kann ganz zum Schluß nach drei Minuten lähmender Stille einen "Hidden Track" (blöde Idee) hören - Boopboopdeedoo.
Immerhin konnte ich währenddessen genüßlich die in die Mitte des Albums geheftete, unerhört geschwindelte Discographie der Morlocks betrachten und muß sagen: schade, daß es diese Scheiben (noch) nicht gibt!
Was es aber gibt, ist ein Trost für all die armen Seelen, die keinen Plattenspieler besitzen. Man kann die ganze Herrlichkeit auch auf einer CD bekommen! Mit kleinen Abweichungen wie zwei kauzig eingeschobene Malus-Tracks, dafür ohne "Blümchen", aber mit einem Büchlein drin. Und all den Cover-Fakes. Hab ich natürlich auch. Fürs Auto. Denn auch unterwegs muß man Die Morlocks mit ihren Golden Covers hören.


Kritische Nachbemerkung: diese wunderbare Musik kommt aus der Schweiz, aber es nicht ein einziges (!) Alphorn drin. Aber dafür auch kein Käse.



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Cover: Marion Schäfer - Foto: Camillo Paravicini

Die Morlocks - "Golden Covers"  - 
als Doppel-LP oder CD


© + (P) 2011 Das Fünfte Tier

Die Morlocks sind:
Max Christian Graeff (Stimme?) -
Silvio Britschgi (Schlagzeug) -
Roger Schuler (Gitarre, Banjo,
Percussion, Stimme) -
Gregory Schärer (Bass) -
Franziska Staubli (Gitarre, Stimme) -
Omar Abu Ghannam (Percussion, Stimme) -
Lorenzo Medici (Saxophone) -
Niklaus Schärer (Klavier) -
Kaspar Hensel (Trompete) -
Camillo Paravicini (Posaune, Stimme, Fälschungen) -
Christoph Rolla (Klavier, aber nur in "An die Musik")

CD-Spielzeit:  1:03:46 -
das Zusammenrechnen der LP-Titel
war mir zu kompliziert.


Weitere Informationen unter:

www.dasfuenftetier.ch




Da capo al Fine

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