Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage CDs
Musiktheater
Zur Homepage Zur Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum




Max Emanuel Cencic
Venezia


Unter Dauerspannung

Von Stefan Schmöe

Mit dem Titel Venezia - Opernarien der Serenissima gibt sich das vorliegende Recital des Countertenors Max Emanuel Cencic programmatisch, ohne im Booklet auch nur ein einziges Wort über den Künstler zu verlieren – dabei dürfte die charismatische Stimme mindestens ebenso Kaufgrund sein wie die zunehmend populärere Opernmusik der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit Antonio Vivaldi als bekanntestem Namen (wobei die Zuschreibung bei zwei der fünf Arien nicht gesichert ist). Tomaso Albinoni, Antonio Caldara, Giovanni Porta, Francesco Gasparini, Geminiano Giacomelli und Giuseppe Selitto (jeweils mit einer Arie vertreten) dürften den meisten Hören wenig bis praktisch gar nicht bekannt sein. Allzu Erhellendes trägt der Aufsatz von Frédéric Delaméa im Booklet nicht bei, hörenswert ist die Musik allemal – wobei die Stückauswahl in ihrem beständigen Wechsel zwischen einer schnellen und einer langsamen Arie etwas schematisch geraten ist.

Cencic, 1976 in Zagreb geboren und als Wiener Sängerknabe musikalisch sozialisiert, singt im Mezzosopran-Register. Die Stimme hat schon aufgrund dieser Lage nicht die Leuchtkraft mancher Kollegen mit höheren Stimmen, ist leicht gedeckt, nicht übermäßig groß und strahlend. Spitzentöne singt Cencic sicher (gelegentlich etwas forciert), exponiert sie aber nicht. Das Timbre seiner Stimme wird bestimmt durch das angenehm kultivierte, sofort einsetzende Vibrato, das dem Gesang in den langsamen und getragenen Nummern etwas durchgehend Pulsierendes auch da verleiht, wo er die Stimme zurück nimmt. Überhaupt ist sein Stil geprägt von einer vibrierenden Spannung. In den schnellen, koloraturgespickten Arien stellt Cencic seine Atem raubende Virtuosität keineswegs als Selbstzweck zur Schau; vielmehr vermittelt sich dadurch die ungeheure Intensität, mit der hier jeder einzelne Ton gesungen wird. Halbherziges gibt es bei Cencic nicht, hier geht es in jeder Note um alles.

Begleitet wird er vom Orchester Il Pomo d'Oro (der merkwürdige Name bezieht sich auf den Titel einer Oper des Barockkomponisten Antonio Cesti) unter der Leitung von Konzertmeister Riccardo Minusi. Das erst 2012 gegründete Ensemble besticht durch ein schlankes Klangbild und sehr genaues, affektreiches Spiel. Die schnellen Stücke geraten allerdings stellenweise manieriert, wenn Akzente perkussiv hart ausgeführt werden und der Klang verloren geht. Bei allem Sinn für barocke Affektenlehre ist das doch manchmal zu viel des Guten.


Ihre Meinung
Schreiben Sie uns einen Leserbrief
(Veröffentlichung vorbehalten)
Cover

Max Emanuel Cencic
Venezia - Opera Arias of the Serenissima


Max Emanuel Cencic, Countertenor
Orchester Il pomo d'oro
Leitung: Ricardo Minusi


Tracklist:

1. Caldara: „Barbaro non comprendo“
aus Adriano in Siria 4:26
2. Porta:“ Mormorando quelle fronde“
aus La costanza combattuta in amore 8:11
3. Vivaldi (?) „A' piedi miei svenato“ 3:30
4. Gasparini: „Dolce mio ben, mia vita“
aus Flavio Anicio Olibrio 4:52
5. Vivaldi(?) „Anche in mezzo a perigliosa“ 4:06
6. Giacomelli: „Sposa...non mi conosci“
aus Merope 9:36
7. Vivaldi: „Io son rea dell' onor mio“
aus Argippo 5:25
8. Albinoni: „Pianta bella, pianta amata“
aus Il Nascimento dell' Aurora 6:28
9. Vivaldi: „Mi vuoi tradir, lo so“
aus La verità in cimento 3:41
10. Vivalsi: „Quel rossor che in volto miri“
aus Motezuma 8:08
11. Sellitto: „Anche un misero arboscello“
aus Nitocri 4:58

Gesamtspielzeit: 63:26

Virgin Classics 509946454522
www.cencic.com









Da capo al Fine

Zur Homepage Zur Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum

© 2013 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: cds@omm.de

- Fine -