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Ludwig van Beethoven
Fidelio




Stimmliche Qualität und stimmiger Gesamtklang



Mit der Aufnahme des Fidelios ist Naxos eine bemerkenswerte, konkurrenzfähige Neueinspielung der Oper gelungen. Schon die Besetzungliste läßt aufmerken: Mit Gösta Winbergh, Kurt Moll und Alan Titus konnten Sänger von hohem Rang gewonnen werden.
Das absolute Plus der Aufnahme ist zweifellos der exzellente Zusammenklang des Ensembles. Die Stimmen fügen sich wunderbar zueinander und sehr genau wird gemeinsam musiziert. Offenbar konnte der Aufnahme eine fruchtbare Probephase vorausgehen. Besonders deutlich wird die Zusammenarbeit des Sänger-Teams bei dem bekannten Quartett "Mir ist so wunderbar". Dem Charakter von Beethovens Opern-Komposition, die vorwiegend an instrumentaler Arbeit orientiert bleibt und die Stimmen dementsprechend behandelt, wird hier vollauf Rechnung getragen. Die Sänger setzen behutsam ein und begeben sich in die gemeinsame musikalische Entfaltung. Stimmschön und vor allem ganz transparent erklingt dieses Stück, es ist wirklich herausragend gelungen.
Unbedingt zu loben ist auch die insgesamt deutliche Diktion beim Gesang und der gut gesprochene Text. Das ist besonders beachtlich, da die Dialoge offenbar von den Sängern selbst gesprochen werden und dabei auch die fremdsprachlichen Sprecher ihren Part zufriedenstellend ausführen.

Die Rolle der Leonore konnte mit Inga Nielsen gut besetzt werden. Mit ihrem wohlklingenden, leicht dunkel gefärbten Timbre gestaltet sie die schwierige Partie anspruchsvoll, vor allem die elegischen Töne sind ihre Stärke. Nur manchmal gerät der dramatische Gestus in der Höhe leicht angestrengt, das ist doch zu hören in der durchaus kraftraubenden langen Arie "Abscheulicher, wo eilst du hin". Die Leonore wird für Nielsen erstmal noch Grenzpartie bleiben, dennoch erbringt sie beachtliche Leistung. Wie zu erwarten erklingt bestens Gösta Winbergh als Florestan. Zusammen ergeben Nielsen und Windbergh ein schönes Stimmpaar. Beeindruckend, fast unglaublich ist tatsächlich Kurt Moll als Rocco, der trotz seines fortgeschrittenen Alters immer noch in gewohnter Höchstqualität singt. Unverwüstlich ist dieser Weltklasse-Baß. Alan Titus als Pizzaro, auch hochrangige Besetzung, bleibt dagegen fast etwas zurück. Sehr erfreulich ist auch die helle, freie Stimme von Edith Lienbacher als Marzellina. Das einzige Minus der Aufnahme besteht in der Besetzung des Ministers: Wolfgang Glashof kann gar nicht überzeugen.

Das Orchester trägt und leitet die Sänger ausgezeichnet durch den Verlauf des Werkes. Bei sehr energievollem Spiel der Orchestermusiker gelingt es Dirigent Michael Halász die Balance zu halten, er weiß die Sänger zu führen, ihnen aber auch Raum zu geben und das Orchester zurückzunehmen. Umsichtig herausgearbeitet werden von Halász die Solostimmen des Orchesterparts, die sich immer wieder genau zur Gesangslinie fügen. So kann die Aufnahme mit einem höchst transparenten, ausgewogenen Gesamtklang beeindrucken.

Es konnte also eine Fidelio-Einspielung gelingen, die nicht nur mit hochwertiger solistischer Leistung aufwartet, sondern auch eine außergewöhnlich gute Zusammenarbeit aller Musiker bietet, und die damit durchaus bestehen kann vor bekannten älteren Aufnahmen. Hier liegt also beste Naxos-Leistung vor: Großes Hörvergnügen zu kleinem Preis!



Von Meike Nordmeyer


Leonore Inga Nielsen
Florestan Gösta Winbergh
Rocco Kurt Moll
Marzelline Edith Lienbacher
Jaquino Herwig Pecoraro
Don Pizarro Alan Titus
Don Fernando Wolfgang Glashof
Erster Gefangener Péter Pálinkás
Zweiter Gefangener József Moldvay



Ungarischer Radio Chor
Nicolaus Esterházy Sinfonia
Dirigent: Michael Halász



aufgenommen im November 1998
2 CDs
NAXOS 8.660070-71
© 1999 NAXOS



Da capo al Fine

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