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Oper & Musiktheater
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Marcos Portugal: Le donne cambiate
Leichte portugiesische Klassik

Der besondere Reiz dieser Aufnahme liegt sicher in dem neuen Zugang zu einer sonst gänzlich unerschlossenen Opernnation: Der Komponist Portugal stammt aus dem Lande, dessen Namen er trägt, und wird im Begleitheft zugeich als der einzige Vertreter desselben vorgestellt, der überhaupt europäischen Rang erreicht hat. Freunde der Mozartepoche werden hiermit sicher eine reizvolle Entdeckung tun; den anderen präsentiert sich ein veritabler Beitrag zur Geschichte des ohnehin schon überreich Repräsentierten.

Marcos Antônio da Fonseca Portugal (1762-1830) hat nach ruhreichen Wanderjahren durch die Musikszene diverser europäischer Höfe die Emigration seines Stammhauses (1807) nachvollzogen und ist 1811 nach Rio de Janeiro übergesiedelt, wo er bis zuletzt verblieb und überwiegend geistliche Musik komponierte. Wer also nun ein spezifisch portugiesisches Kolorit erwartet, dürfte enttäuscht werden.
Die Farce in 3 Szenen Le donne cambiate, uraufgeführt 1797 im Teatro San Moisè in Venedig, erlebte bis zur Premiere in Lissabon 1804 mehrere Umarbeitungen, aus denen zur Wiederaufführung nach fast 200-jährigem Schlummer eine kritische Ausgabe erstellt werden musste. Im Wesentlichen fallen, vermittelt durch eine magische Wand, einige in der Oper jener Tage ach so beliebte seltsame Verwandlungen und Verwechslungen vor, zu deren Durchschauung es der Distanz der Zuschauerperspektive eigentlich nicht bedurft hätte.

Die Nobeldame Ernesta plagt ihren Gatten Conte Fricandò mit absurden Sonderwünschen, bis dieser entnervt aufgibt; auch weist sie einen bettelnden Pilger ab, dem Carlotta, die Gattin des gräflichen Schusters Biagio, mangels Geld dennoch eine Naturalspende hat zukommen lassen. Dieser verheißt ihr zum Danke einen sozialen Aufstieg, indem er einen Rollentausch der beiden Frauen bewirkt, von dem aber niemand informiert ist, weder die Frauen noch ihr Männer. Nach einigen neckischen Spielchen und Irritationen löst sich der Taumel in einer Verblüffungsszene, an welcher Stelle die Oper wegweisend über sich hinauswächst und die kommende Entwicklung modellhaft antizipiert.

Star der Einspielung ist das Orchester, das unter Álvaro Cassutos Dirigat stets präsent und agil einen warmen Tonfall trifft und damit jene passende Stimmung produziert, die die prägt. Doch auch das Ensemble ist trefflich ausgewählt; beide Sopranistinnen bewältigen souverän jede Koloratur, beide Partner musizieren mit gewinnender Heiterkeit, und der Pellegrino (Nuno de Villalonga) gewinnt in seiner kurzen Verfluchungsszene beinahe eine mythische Note.

Das Begleitheft bietet das Libretto in italienischer Originalsprache nebst einer Übersetzung ins Englische, davor eine kurze Einführung und der Synopsis. Abschließend erwähnenswert noch der europäische Aspekt dieser knapp 70-minütigen Produktion, an der ein durchweg iberisches Ensemble mit der City of London Sînfonia unter der Leitung des Portugiesen Álvaro Cassuto teils in London, teils in Portugal gearbeitet hat.


Von Ralf Jochen Ehresmann





Cover

Marcos Portugal:
Le donne cambiate

Farsa Giocosa per Musica
Dún Atto solo


Besetzung:

Contessa Ernesta
Ana Paula Russo

Carlotta
Ana Ferraz

Conte Fricandò
Jorge Vaz de Carvalho

Biagio
Luís Rodrigues

Lucindo
Alberto Lobo da Silva

Pellegrino
Nuno de Villalonga

City of London Sinfonia
Ltg.: Àlvaro Cassuto

Aufnahmedatum: März und Juni 1999

Marco Polo 8.22514
im Vertrieb von Naxos


Da capo al Fine

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