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Amaya
Oper in drei Akten und einem Epilog
Libretto von Fr. José de Arrúe
basierend auf dem spanischen Libretto von José Maria Arroita-Jáuregui
Musik von Jesús Guridi
In baskischer Sprache


Große romantische Oper - wo man sie nicht vermutet

Von Mariko Jacoby


Wie soll man Amaya charakterisieren? Dieses Werk ist etwas ganz Ungewohntes. Die erste Einordnung könnte sein: "Die baskische Nationaloper", aber Amaya ist nicht die Nationaloper, sondern eine von erstaunlich vielen. Der Komponist Jesús Guridi knüpft nicht nur an die Bestrebungen anderer europäischer Länder an, eine Nationaloper zu schaffen, nein, es gab noch genug andere baskische Nationalopern, etwa Txanton Piperri von Buenaverntura Zapirain (1873-1937) oder Mendi Mendiyan von José María Usandizaga (1887-1815), um nur einige zu nennen. Jesús Guridi (1886-1961) war zweifellos einer der bedeutendsten baskischen Komponisten. Er stammte aus einer musikalischen Familie. Schon als Kind überraschte er durch seine stilistisch vielfältigen Kompositionen und seine pianistischen Fähigkeiten. 1903 ging er nach Paris, um Klavier und Orgel an der Schola Cantorum zu studieren, nachdem er in Madrid und Bilbao Unterricht in Harmonielehre gehabt hatte. Er studierte in Brüssel bei Joseph Jongen und in Köln bei Otto Neitzel Instrumentation. Nach seiner Rückkehr nach Bilbao wurde er zum Professor für Harmonielehre ernannt. Später wurde er Professor für Orgel am Konservatorium Madrid, 1956 auch dessen Direktor. An Amaya, die als Höhepunkt der Oper im Baskenland gilt, arbeitete er von 1910 bis 1920. Diese Oper ist ein Musikdrama - im wagnerschen Sinn. Die Handlung basiert auf dem Roman Amaya o los vascos en el siglo VIII (Amaya oder Die Basken im 8. Jahrhundert) von Francisco Navarro Villoslada. Es gibt zwei Versionen des Librettos, eine spanische von Juan María Arroita-Jáuregui, und eine baskische von dem Mönch José de Arrúe. Für die Aufnahme, die übrigens die Weltersteinspielung ist, wurde der baskische Text verwendet. Die uralte, nicht indogermanische baskische Sprache und die darauf zugeschnittene Musik sind wohl die Gründe dafür, daß Amaya außerhalb des Baskenlandes kaum gespielt wird. Sie geben der Oper jedoch eine originelle und interessante Farbe.

Die Handlung spielt im 8. Jahrhundert, zur Zeit der Christianisierung. Die heidnische Thronerbin Amaya, die von ihrer Tante Amagoya deren Sohn Asier versprochen wurde, liebt den zum Christentum übergetretenen Fürsten Teodosio, zu dem sie flieht. Bei der Hochzeitsfeier verflucht Amagoya das Paar, Asier schwört Rache. Verkleidet als Eremit weckt er in Teodosio Eifersucht. Dieser tötet dann irrtümlicherweise seine eigenen Eltern. Um zu sühnen, lebt er sieben Jahre lang als Eremit in Ketten in einer Höhle. Im Kampf tödlich verwundet, bittet Asier ihn um Vergebung und Taufe. Teodosio überwindet seine Rachegefühle und gewährt ihm die Taufe, der Erzengel Michael erscheint (nur als Licht), die Ketten fallen ab und Teodosio kann endlich mit Amaya glücklich werden.
Die Handlung ist nicht ganz folgerichtig durchgeführt, aber sie bietet vielfältige musikalische Gestaltungsöglichkeiten. Dennoch wirkt sie manchmal banal, weil sie viele stereotype Opernelemente verwendet: Etwa der Zwiespalt Amayas zwischen ihrer heidnischen Tradition und ihrem christlichen Geliebten (Norma), mangelndes Vertrauen und Eifersucht, durch einen Dritten geschürt (Lohengrin, Otello), Teodosio, der "aus Versehen" zum Vatermörder wird und, um zu sühnen, als Eremit lebt (I Lombardi, eine frühe Oper von Verdi, dort ist es der Bass), und die Erlösung durch Vergebung und Taufe (Parsifal). Der letzte Teil der Handlung stammt außerdem aus einer bekannten baskischen Sage. Das Libretto steht in der Tradition der romantischen Verklärung des Mittelalters, die charakteristisch ist für den Nationalismus in der Romantik, wie auch bei Wagner. Der frühe Nationalismus der Basken war, wie auch woanders zu der Zeit, religiös gefärbt.

Dies und die Berufung auf das Traditionelle, Volkstümliche zeigt auch die Musik, viele Melodien entnahm Guridi der baskischen Volksmusik, die einige Besonderheiten aufweist. Die baskische Musik ist, wie auch die Basken selbst, sehr alt, sie konnten sich gegnüber anderen Kultureinflüssen behaupten. Die Melodien sind modal, dies läßt die Musik altertümlich und nach Kirchenmusik klingen. Der erste Akt ist einer elegischen Grundstimmung unterworfen. Drei markante Melodien werden leitmotivisch eingesetzt, sie beschreiben die uralte, noch aus heidnischer Zeit stammende Volkstradition. In den zweiten Akt, bei der Hochzeit, sind Tänze eingearbeitet, die in der für die baskische Volksmusik typischen Mischung aus 2/4 und 3/4 Takt stehen. Typisch ist auch die Kombination aus Flöte (txistu) und kleiner Trommel (tamboril). Während die ersten beiden Akte von der Volksmusik und den Einflüssen Debussys (Pelléas und Mélisande wurde 1902, ein Jahr vor Guridis Studienaufenthalt in Paris uraufgeführt) dominiert werden, sind der dritte Akt und der Epilog dramatisch, im Sinne Wagners, durchgeführt. Gegen diese gewollte Dramatik wirken die melodische Intensität und der lyrisch - impressionistische Charakter der beiden ersten Akte wesentlich überzeugender. Die kantilene Stimmführung und die Instrumentation sind meisterhaft durchgeführt, charakteristisch sind reiche Harmonien. Diese sind auch bei den Chören zu finden, die eine große Rolle spielen. Bei ihnen sind auch Einflüsse aus Parsifal zu spüren.

Ein weiterer Grund, sich die Aufnahme anzuhören, sind die ausgezeichneten Sänger. Besonders hervorzuheben sind Marianne Cornetti als Amagoya und Césare Hernández als Teodosio. Die Amerikanerin überzeugt durch ihre große Stimme und ihr emotionelles Engagement. Césare Hernández beeindruckt durch seine klare, heldisch gefärbte Tenorstimme, sicher in Höhe und Tiefe. Rebecca Copley bewältigt die Titelpartie souverän, identifiziert sich aber emotional nicht ausreichend mit ihrer Rolle. Itxaro Mentxaka ist die einzige Sängerin aus dem Baskenland. Sie singt ihre beiden kleinen Rollen mit spürbarer Anteilnahme. Der Chor ist intonationssicher und klangschön, das Orchester unter der temperamentvollen Leitung von Theo Alcántara bewältigt die klar gegliederte, anspruchsvolle Partitur sicher und mit differenzierter Farbgebung. Das Entdecker-Label Marco Polo hat hier eine wertvolle Ersteinspielung vorgelegt.


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Cover

Jesús Guridi
Amaya

Amaya (Sopran) - Rebecca Copley
Amagoya (Mezzosopran) - Marianne Cornetti
Paula / Olalla (Mezzosopran) - Itxaro Mentxaka
Teodosio (Tenor) - César Hernández
Asier (Bass) - Rosendo Flores
Miguel / Ein Bote / 2. Knappe / 2. Schäfer (Bariton) - Carlos Conde
1. Knappe / 1. Schäfer / Ein Diener / Eine Stimme (Tenor) - Angel Pazos
Bilbao Choral Society
Choreinstudierung: Gorka Sierra

Bilbao Symphony Orchestra
Dirigent: Theo Alcántara
Marco Polo 8.225084-85 (2 CDs)
Aufnahme: Juni 1998
Teatro Arriaga, Bilbao



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