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Janet Bakers singuläre Alceste

Von Thomas Tillmann


In der Saison 1981/82 zog sich Dame Janet Baker von den wichtigsten Opernbühnen ihrer Laufbahn zurück. Derbei Mitridate veröffentlichte nicht nur klanglich exzellente Mitschnitt vom Dezember (gegeben wird die Pariser Fassung von 1776) hält ihre singuläre, wundervolle Alceste fest, die auf unseren Spielplänen auch nie auftaucht (ein Regisseur hätte natürlich seine Probleme mit dem dritten Akt, dem Erscheinen des Herkules und dem happy end, aber absurdere Stoffe finden bis heute den Weg auf unsere Bühnen). Die Britin ist die kontrollierte Trauer einer veritablen fürstlichen Witwe selbst, die sich nie wirklich gehen lässt, die nicht larmoyant wird oder unkontrolliert schluchzt, sondern stets Haltung und Geschmack bewahrt und dem Zuhörer so die Entwicklung von tiefer Verzweiflung hin zum Entschluss, für den Gatten in den Tod zu gehen, als Akt der Liebe begreifbar macht, aber besonders im zweiten Finale zu eigenen Tränen rührt, auch auf Grund ihrer exemplarischen Phrasierung und Diktion sowie der vollendeten, spannenden Rezitativgestaltung und ihrer Piani, die immer exemplarisch als Ausdrucksmittel genutzt werden. Und so findet sie mit ihrem hohen, höhenstarken Mezzo von edler, ebenmäßiger Textur, der die Sopranlage ohne größere Mühe meistert, ohne die Farbe der eigentlichen Stimmlage aufzugeben (auch nicht bei den leuchtend-aufregenden Spitzentönen in der berühmten Arie "Divinités du Styx", die das Londoner Publikum zum Jubeln bringen), genau den flehenden Ton, der die Götter einfach erreichen und erweichen musste. Die Stimme wird dabei stets schlank geführt, ohne je mager zu klingen, aber eben auch nicht erschlagend üppig (was manche über Kirsten Flagsatd, Eileen Farrell oder Jessye Norman sagen würden) - eben absolut comme il faut in diesem Fach und bei dieser langen, fordernden Rolle. Robert Tear ist neben ihr mit konzentriertem Ton bei eher lyrischen, aber nicht zu hellen oder zu wenig voluminösen Mitteln kein schlechter, sondern sehr engagierter Admète (und wie hoch und schwer ist diese Partie!), was letztlich auch einige charaktertenorale und aggressiv deklamierte Momente vergessen lässt, John Shirley-Quirk muss sich als Grand-Prêtre zwar mehr nach den hohen Tönen strecken wie drei Jahre früher in Berlin, nimmt aber dennoch wieder durch sein differenziertes Singen ein, Jonathan Summers ist ein ungestüm-männlicher, schmissiger Hercule, und auch sonst gibt es keinerlei Ausfälle. Sir Charles Mackerras sorgt für lebendige Tempi und ist nah am Bühnengeschehen und seinen Solisten, und das ist nicht wenig.


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Cover

Christoph Willibald Gluck
Alceste


Dame Janet Baker - Alceste
Robert Tear - Admète
Jonathan Summers - Le Dieu Hercule
John Shirley-Quirk - Le Grand-Prêtre d'Apollon/Un Dieu Infernal
Matthew Best - L'Oracle
Philip Gelling - Le Hérault/Le Dieu Apollon
Maldwyn Davies - Evandre
Elaine Mary Hall, Janice Hopper-Roe, Mark Curtis, Matthew Best - Coryphées


Orchester und Chor des Royal Opera House, Covent Garden
Dirigent: Sir Charles Mackerras

Aufnahme: London, 12. Dezember 1981

Ponto PO-1035 (2 CD)




Da capo al Fine

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