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Musiktheater
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Giovanna d'Arco
Oper von Giuseppe Verdi
Libretto von Temistocle Solera
in italienischer Sprache


... und noch ein früher Verdi

Von Thomas Tillmann


Beim Istituto Discografico Italiano ist nach dem an dieser Stelle gerühmten Aroldo nun auch die bekannte, ebenfalls aus Anlass des 50. Todestages Giuseppe Verdis entstandene Aufnahme von Giovanna d'Arco herausgekommen (wie jene im ordentlichen, aber nicht gerade umwerfend restaurierten Monosound des italienischen Rundfunks). Das 1845 uraufgeführte, auf Schillers Schauspiel „Die Jungfrau von Orléans“ basierende, gemessen an den Meisterwerken etwas „eckige“ und vielleicht gerade deshalb interessante Oeuvre bietet einige herrliche melodische Einfälle und berührende Momente (wie etwa den wunderbar „verklärten“ Schluss, wenn die sterbende Johanna den Himmel offen sieht). Und so freut man sich über ein weiteres Dokument jenes unverstellt-saftigen Verdigesangs, der nicht auf die begrenzten Möglichkeiten kleinstimmiger, publicityträchtiger Allroundstars Rücksicht nehmen musste, was einem manche doch wohl als Ehrung des Komponisten gedachte Veranstaltung des vergangenen Jahres vergällte.

1951 jedenfalls war die vokale Welt noch in Ordnung: Die junge, energische Renata Tebaldi hat die Spintoqualitäten, die man für die Titelpartie braucht (Katia Ricciarelli und besonders Edita Gruberova, die ebenfalls als Giovanna dokumentiert sind, sind letztlich auch Besetzungsirrtümer, Montserrat Caballé am Rande des Vorstellbaren), die Stimme ist noch beweglich genug für die virtuoseren Passagen, hat auch im Piano und in der mezza voce Gehalt und Farbe, die Höhe ist hier strahlend und zuverlässig, das messa di voce exemplarisch und kein bisschen manieriert, der Hang zur veristischen Überzeichnung und zum exzessiven Gebrauch der Bruststimme allerdings kündigt sich bereits an. So wenig expressiv und ausschließlich engelsstimmig wie von manchen behauptet ist die hier streckenweise geradezu entfesselte Italienerin jedenfalls nicht, es gelingt ihr sogar, den mitunter ja etwas zurückhaltenden Carlo Bergonzi mitzureißen, der wie stets berückend phrasiert und zu Beginn seiner noch immer nicht ganz beendeten Karriere als französischer König Charles VII. mit einer herrlich strömenden, glänzend geführten, offenbar keinerlei Grenzen kennenden Tenorstimme der Extraklasse aufwartet und seinem Ruf als Verdistilist bereits mehr als gerecht wird. Und auch der gleichfalls bis heute aktive Rolando Panerai beglückt mit seinem kraftvoll-üppigen, den Hörer geradezu überrumpelnden Bariton, dem dennoch feinste Nuancen, Schattierungen und Piani zu entlocken sind, und einer den Text enorm ernstnehmenden, sehr involvierten Rollenausdeutung, die bewegender kaum sein könnte (etwa in dem herrlichen Vater-Tochter-Duett im dritten Akt).

Gute Arbeit leisten auch die minimal geforderten Comprimari, der glänzend disponierte Chor, der den Unterschied zwischen Forte und Piano sehr wohl kennt, sowie das Mailänder Rundfunksinfonieorchester. Freilich könnte ich mir manche Passage etwas belebter und leidenschaftlicher musiziert vorstellen als es der grundsolide, aber etwas schwerblütige Alfredo Simonetto am Pult zulässt. So bleibt nur zu beklagen, dass man nach Informationen jenseits der Trackübersicht, einer nur in englischer und italienischer Sprache abgedruckten Inhaltsangabe und dem Hinweis auf die etwas umständlich gestaltete Website www.giuseppeverdi.it (von der man kostenfrei die Libretti sämtlicher Verdiopern herunterladen kann, allerdings nur in der Originalsprache, was auch nicht jedem nützt), einmal mehr vergeblich sucht.


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Cover

Giuseppe Verdi
Giovanna d'Arco

Renata Tebaldi – Giovanna
Carlo Bergonzi - Carlo VII
Rolando Panerai - Giacomo
Giulio Scarinci - Delil
Antonio Massaria - Talbot

Orchestra Sinfonica e Coro di Milano della Rai

Dirigent: Alfredo Simonetto

Aufnahme: Mailand, 26. Mai 1951 (Studioaufnahme)
IDIS 6363/64
im Vertrieb von dynamic



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