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Oper & Musiktheater
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Lohnenswerte Archivausbeute

Eine wirklich gute Idee der Verantwortlichen der Deutschen Oper am Rhein, sich auf die Suche nach veröffentlichenswerten Tonkonserven zu machen! Drei italienische Opern sind inzwischen im Opernshop auf der Heinrich-Heine-Allee erhältlich, und allen drei Aufnahmen gemeinsam ist der hochkompetente musikalische Leiter Alberto Erede, der in den siebziger und achtziger Jahren viele wichtige Vorstellungen am Rhein dirigiert hat. Während er 1955 bereits Turandot mit Inge Borkh, Renata Tebaldi und Mario del Monaco und den Troubadour im Studio eingespielt hat (ebenfalls mit Tebaldi und del Monaco, 1971 dann noch einmal live in Parma mit Katia Ricciarelli und Richard Tucker), gab es bisher keinen Nabucco unter seiner Stabführung, was angesichts des großen Gespürs auch für die Belange des frühen Verdi, für den geschickten Aufbau von Steigerungen und für flexible, nachvollziehbare Tempi doch erstaunt.

Der Live-Mitschnitt dieser dritten Verdioper bietet zudem keine Geringere als Ghena Dimitrova in der vertrackten Partie der Abigaille, was dem Liebhaber einen Vergleich mit ihrer ebenfalls erhaltenen Interpretation bei den Festspielen in Verona (1979) und derjenigen auf der Sinopoli-Aufnahme aus dem Jahre 1982 ermöglicht. Natürlich bleibt das Timbre der Bulgarin Geschmackssache - der etwas schrille, metallische Ton und die skrupellos eingesetzte Bruststimme klingen nicht gerade liebenswürdig -, aber sie schlägt sich tapfer in den nicht wenigen Koloraturpassagen sowie bei den absteigenden Läufen und den gemeinen Intervallen, sie bemüht sich auch erfolgreich um zartere Farben, und dass sie die Ensembles mit gewaltigen Acuti zu krönen versteht und sich vokal wie gestalterisch geradezu verzehrt, ist ja auch nicht wenig.

Leider erreichen die übrigen Mitwirkenden nicht ganz ihr Niveau: Der selbst im Sängerlexikon von Kutsch/Riemens nicht erwähnte Anthony Baldwin strapaziert seine nicht gerade frische Stimme über die Maßen, was sich etwa an dem erheblichen wobble festmachen lässt; manches, was man auf den ersten Blick für Ausdrucksnuancen halten könnte, erweist sich bei genauerem Hinhören als gesangliche Notlösung. Immerhin kann er sich mehr und mehr steigern, was auch für Peter Meven gilt, bei dessen Zaccaria man anfangs den Mangel an Ausstrahlung und die Eindimensionalität seiner zwar düsteren, aber in der Extremtiefe und bei schnelleren Notenwerten nicht immer selbstverständlich ansprechenden Bassstimme beklagt. William Holley neigt als Ismaele zum Stemmen und wirkt ebenso überreif wie Margaret Yaugers Fenena, die man eher für die Königsmutter als für dessen Tochter halten könnte. Andrzej Saciuk setzte schon damals eher auf mächtige Entladungen als auf interpretatorische Raffinesse, Akeshi Wakamoto steuerte einige charaktertenorale Einwürfe bei, während Patricia Stone als Anna wenig Chancen zur Profilierung hatte - anders als der Chor, der dank der präzisen Einstudierung von Rudolf Staude nicht nur im berühmten "Va, pensiero!" glänzen kann. Leider werden durch die nicht gerade hervorragende Qualität dieser Monoaufnahme einige Farben des Werkes gekappt.

Hauptgrund für den Kauf der Turandot ist Hana Janku, die Interpretin der Titelpartie, die trotz ihres exzellenten Rufs laut Steigers unentbehrlichem Nachschlagewerk bisher nur mit ihrer Prothoe in Schoecks Penthesilea und als Jitka in Smetanas Dalibor dokumentiert war. Die Sopranistin, die man als "schlanke Hochdramatische" bezeichnen möchte, bemüht sich stets um einen konzentrierten Ton und singt die schwere Partie den dynamischen Vorgaben der Partitur entsprechend, so dass man auch einige gehaltvolle Piani zu hören bekommt; die absolut sicheren, stählernen Hs und Cs muss ihr erst einmal jemand nachsingen. Keinen schlechten Eindruck hinterlässt auch der Anfang der sechziger Jahre von Herbert von Karajan entdeckte Francisco Lazaro mit seinem kraftvoll-robusten Tenor, auch wenn die harte Arbeit für die mitunter etwas gepresst klingenden hohen Töne durchaus hörbar ist und einem das sehr knappe, am Ende von Turandots Auftritt zusammen mit der Prinzessin zu singende C und das abrupt endende finale A des "Nessun dorma" natürlich auffallen.

Malcolm Smiths schwarzer, etwas unruhig geführter und mitunter auch leicht mauliger Bass passt gut zur Partie des Timur, und auch Karen Altman findet mit ihrem vor allem in der Mittellage farbigen, nicht zu großen Sopran, der nur in der Höhe und unter Druck ziemlich scharf wird, den angemessen berührenden Ton für die opferbereite Sklavin. Unter den insgesamt präzis und kongruent singenden Ministern überzeugt der von Peter-Christoph Runge mit gut ansprechendem, tonschönen Bariton interpretierte Ping am meisten, und auch Helmut Pampuch leistet mit durchdringend-hellem Charaktertenor gute Arbeit als Pang, während Romano Emilis Pong deutlich abfällt. Kein Gewinn ist auch Ratko Delorko mit seinem dünnem, brüchigen Tenor; freilich muss er auch weit weg von den Mikrophonen postiert gewesen sein (überhaupt gibt die technische Qualität dieses Mitschnitts nicht gerade Anlass zu Luftsprüngen, und bei der zweiten CD stimmt auch die Trackzählung nicht, beginnt sie doch mit dem sechsten Titel). Dagegen bewältigen die Chöre ihren schweren Part weitgehend sicher und dynamisch differenziert. Am Pult des Düsseldorfer Orchesters ist Alberto Erede Garant für rhythmische Schärfe und kontrollierte Lautstärke, und trotz eher gemäßigter Tempi verliert er nie das Gespür für den großen Spannungsbogen.

Die mitreißende Troubadour-Aufnahme aus dem Jahre 1978 hält zwei bis heute aktive, beliebte Protagonisten der Deutschen Oper am Rhein in Glanzrollen fest: Gwendolyn Killebrew und Eugene Holmes, deren Auseinandersetzung im dritten Akt an dramatischer Intensität schwer zu übertreffen ist. Dabei setzt der Bariton seinen ausladend-klangvollen, recht kehlig timbrierten Bariton trotz aller Emphase stets kontrolliert und dynamisch flexibel ein, während die Kollegin mit weitaus gröberem Pinsel malt und eine stramme, saftige Zigeunerin gibt, deren Feind man nicht sein möchte und deren strenge, etwas scheppernde und nicht immer sauber intonierte Höhe man angesichts der totalen Hingabe in Kauf nimmt. Auch bei Juan Lloveras' Manrico muss man über einige gefährdete Töne und veristisch überzeichnete Effekte hinwegsehen, auch fehlt seinem Singen das letzte Finish und seiner Stimme für meinen Geschmack ein wenig die bei diesen Partien so attraktive dunkle Farbe, aber er ist natürlich eine mehr als solide Besetzung und erweist sich nach der heftig gefeierten Stretta nicht als undankbar und wiederholt sie - das erlebt man selten heutzutage.

Eher unbekannt ist die Rumänin Horiana Branisteanu, sieht man von einer Aufnahme von Haydns Schöpfung, einem Pickwick-Video, das ihre Glyndebourner Donna Anna aus dem Jahre 1977 festhält, und dem Umstand ab, das sie sich einen Namen als Lehrerin unter anderem am Salzburger Mozarteum gemacht hat. Sie fühlt sich im Wesentlichen dem Schöngesang verpflichtet und hat nicht das überschäumende Temperament und die Expressivität ihrer Mitstreiter (was natürlich zu einem guten Teil auch an der Rolle liegt), bewältigt aber weitgehend souverän die virtuosen Anforderungen der Partie, wenn auch nicht mit allergrößter Eloquenz und Einfallsreichtum in den Kadenzen, und besticht dank der leuchtend-souveränen, glänzend projizierten Höhe ihres deutlich lyrischen Soprans, während es diesem für die tieferen Passagen an dem nötigen Volumen mangelt - Beckmesserei angesichts der insgesamt erstaunlichen Leistung. Malcolm Smith klingt als Ferrando zwar nicht sehr italienisch, präsentiert sich aber als differenziert gestaltender Sängerdarsteller - als solcher ist auch er bis heute an der Rheinoper zu erleben. In den kleineren Partien gibt es keine Ausfälle; einen glänzenden Eindruck hinterlässt zudem ein weiteres Mal der Chor. In Alberto Erede haben die tadellos musizierenden Symphoniker einen Leiter, der an den richtigen Stellen vorwärts drängt und hervorragend auf die Sänger einzugehen versteht, ohne ihnen allzu große Schlampereien durchgehen zu lassen - eine Aufführung, die Spaß macht, auch dank der ordentlichen Tonqualität.

Leider findet man in keinem der schmalen Booklets Aufführungsphotos (die hätte man gewiss im nahen Theatermuseum beschaffen können!) und biographische Angaben zu den Mitwirkenden, die man ja nicht mehr alle kennt; deutsche und englische Inhaltsangaben kann der geneigte Hörer sich dagegen leicht selber besorgen. Bleibt die Frage, was da wohl noch an Schätzen im Tonarchiv der Rheinoper schlummert ...


Von Thomas Tillmann







Giuseppe Verdi:
Nabucco
Oper in vier Teilen
Libretto: Temistocle Solera

Nabucco: Anthony Baldwin
Ismael: William Holley
Zacharias: Peter Meven
Abigail: Ghena Dimitrova
Fenena: Margaret Yauger
Oberpriester: Andrzej Saciuk
Abdallo: Akeshi Wakamoto
Anna: Patricia Stone

Chor der Deutschen Oper am Rhein
(Einstudierung: Rudolf Staude)
Die Düsseldorfer Symphoniker

Leitung: Alberto Erede

Eigenvertrieb
Aufnahme: Opernhaus Düsseldorf,
12. April 1980 (Mono)
2 CD

Bestellnummer:
CD DOR 201042/1-2
Eigenvertrieb über den
Opernshop der
Deutschen Oper am Rhein
Preis: DM 39,95



Cover

Giacomo Puccini:
Turandot
Dramma lirico in drei Akten von
Giuseppe Adami und Renato Simoni
Turandot: Hana Janku
Altoum: Ratko Delorko
Timur: Malcolm Smith
Kalaf: Francisco Lazaro
Liù: Karen Altman
Ping: Peter-Christoph Runge
Pang: Helmut Pampuch
Pong: Romano Emili
Ein Mandarin: E. Lee Davis
Prinz von Persien: Georg Aasgaroff

Chor der Deutschen Oper am Rhein
Kinderchor des
Düsseldorfer Gesangvereins
(Einstudierung: Rudolf Staude)
Die Düsseldorfer Symphoniker

Leitung: Alberto Erede

Liveaufnahme der Premiere vom
22. März 1975 im Opernhaus Düsseldorf
2 CD

Vertrieb: Bueffor Medien GmbH, Düsseldorf
(Opernshop der
Deutschen Oper am Rhein
Preis: DM 29,95)
Bestellnummer: 12 00 15



Cover

Giuseppe Verdi:
Il trovatore
Dramma lirico in vier Teilen
von Salvatore Cammarano

Luna: Eugene Holmes
Leonora: Horiana Branisteanu
Azucena: Gwendolyn Killebrew
Manrico: Juan Lloveras
Ferrando: Malcolm Smith
Inez: Patricia Stone
Ruiz: Wilhelm Richter
Ein Zigeuner: Franz Radinger
Ein Bote: Bert Armkreutz

Chor der Deutschen Oper am Rhein
(Einstudierung: Rudolf Staude)
Die Düsseldorfer Symphoniker

Leitung: Alberto Erede

Liveaufnahme der Premiere vom
22. Januar 1978 im Opernhaus Düsseldorf
2 CD

Vertrieb: Bueffor Medien GmbH, Düsseldorf
(Opernshop der
Deutschen Oper am Rhein
Preis: DM 29,95)
Bestellnummer: 12 00 14




Da capo al Fine

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