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Neue CDs mit Weihnachtsmusik

Die passende Musik zur Weihnachtsgans

Die Kerzen leuchten am Baum, Räucherkerzen verströmen wohligen Duft, Berge von Geschenken beglücken das Herz - nur die 40 Jahre alte LP mit dem Weihnachtsoratorium ist völlig verkratzt. Weihnachten im Eimer? Lassen Sie es nicht dazu kommen, kaufen Sie sich lieber rechtzeitig eine neue CD. Die Redakteure des Online Musik Magazin helfen Ihnen bei der Auswahl, indem Sie hier ein paar Neuerscheinungen zur Weihnachtszeit vorstellen.


Für frankophile Barockliebhaber

Mit Weihnachtsmusiken des französischen Komponisten Marc-Antoine Charpentier legt das Label Erato eine lohnende CD vor. „Les Arts Florissants“ unter der Leitung von William Christie spielen neben der Historiae sacrae „In Natvitatem Domini Canticum“ die „Messe de Minuit á 4 voix, flûtes et violons pour Noël“ ein und zeigen so, dass Charpentiers Schaffen sehr viel weiter reicht, als die ohnehin überall bekannte „Eurovisions“-Fanfare aus seinem Te Deum.
Das Ensemble „Les Arts Florissants“ erstaunt nicht nur durch den warmen Streicherklang und die gute Ausgewogenheit zwischen den verschiedenen Gruppen: in dem mit „Nuit“ überschriebenen reinen Instrumentalstück, zeigt sich die schlichte und unprätentiöse Wiedergabe dieser eingängigen Musik. Die ohnehin durch die Benutzung eines Dämpfers dunkler gefärbten Streicher, können hier ihre ganze klangliche Bandbreite voll zur Entfaltung bringen. Die Bläser, allen voran die Blockflöten im „Marche de bergers“, fügen sich in den Gesamtklang homogen ein. An wenigen Stellen scheinen jedoch die Oboen von einem eigenartigen, vielleicht ungewollten, Klangschleier umgeben zu sein.
Dem Ensemble ist ein nicht minder guter Chor zur Seite gestellt worden: Ohne die häufig übertriebenen Affekte der historischen Aufführungspraxis fügt sich der überaus warme Chorklang brillant in die Musik ein. Neben der hervorragenden Balance der einzelnen Stimmen ist der Chor, insbesondere in den zahlreichen Trillern, von erstaunlicher Präzision. Etwas gewöhnungsbedürftig dagegen ist die sehr „französische“ Aussprache der lateinischen Texte. Dem Ensemble stehen Solisten gegenüber, die insgesamt leider an Klangdisziplin und Homogenität deutlich abfallen. Sind die Frauenstimmen wenigstens routiniert, so kann der Bassist nur an einigen wenigen Stellen überzeugen, im Gegensatz immerhin zu seinem Tenor-Kollegen, dessen Stimme einen sehr unsicheren Sitz zu haben scheint und nicht selten eine unsaubere Intonation aufweist. Insgesamt aber sind diese Weihnachtsmusiken, schon wegen der Chor- und Ensemble Leistungen, durchaus empfehlenswert.

Von Gordon Kampe




Cover

Marc-Antoine Charpentier:
In Nativitatem Domini Canticum u.a.
Erato

Für Freunde kochender Sopranistinnen

Nicht nur Fans der inzwischen in höchste Starränge aufgestiegenen, den Weg in die Studios weiß Gott nicht scheuenden Koreanerin Sumi Jo dürften bei dieser bereits vor gut zwei Jahren in Zusammenarbeit mit dem WDR aufgenommenen, erfreulich unspektakulär-besinnlichen CD auf ihre Kosten kommen, sondern auch Liebhaber barocker und klassischer Musik im Allgemeinen: Scarlattis „Cantata pastorale per la nascita di Nostro Signore“ vereint christliche und in der Entstehungszeit des Werkes populäre bukolische Elemente, Christoph Bernhard (1628-1682) lässt seine ansonsten wunderbar schlichte Kantate „Fürchtet euch nicht“ mit einem enthusiastischen „Alleluja!“ enden wie Mozart sein hier ebenfalls voller Temperament eingespieltes „Exsultate, jubilate“. Das VokalEnsemble Köln unter Max Cioleks Leitung steuert stilsicher und tonschön „Fröhlich soll mein Herze springen“, „Es ist ein Ros entsprungen“ und „O Jesulein süss“ der Bach-Vorgänger Johann Crüger, Michael Praetorius und Samuel Scheidt bei, die sich ebenso wie der Komponist des Weihnachtsoratoriums (vertreten mit „Ich steh' an deiner Krippen hier“) von Luthers Chorälen inspirieren ließen. Abgerundet wird die knapp 75 Minuten lange CD mit dem a cappella gegebenen „I wonder as I wander“ (einem volkstümlichen Weihnachtslied aus den Appalachen), Adolphe Adams berühmten „O Holy Night“ und zwei Versionen des unvermeidlichen „Stille Nacht“, von denen mir die in englischer Sprache gesungene, dezent von Geige und Klavier begleitete, langsamere besser gefällt als die zusammen mit der kompetenten Altistin Barbara Ochs eingespielte Duettfassung mit Orchesterbegleitung. Weihnachtlich kommen auch die Beiträge des Kollektivs daher: Das angenehm bewegt interpretierte Andante grazioso aus Mozarts Sinfonie Nr. 19 in Es-Dur weist eine Variante des berühmten „Joseph, lieber Joseph mein“ auf, und Vivaldis Violinkonzert in e-moll „Il riposo – per il S. Natale” wurde – der Titel verrät es – ausdrücklich für eine Aufführung anlässlich des Festes der Liebe geschrieben (und ist für Fans sicherlich aufgrund der herrlichen melodischen Einfälle, der gedämpften Streicherbesetzung und des fehlenden Cembalos interessant). Man freut sich also über eine gelungene Aufnahme, der solide Recherchen vorausgegangen sind und die mit Spezialisten wie dem Violinisten Hiro Kuroski, Leiter des Ensembles „Les Arts Florissants“, Gottfried Bach (Klavier und Orgel) und der von Michael Schneider mit großer Übersicht und Sorgfalt dirigierten, nuancenreich musizierenden Cappella Coloniensis des WDR aufwarten kann. Die Sopranistin schließlich, von der wir im Booklet dankenswerterweise erfahren, dass sie auch eine begabte Autorin und wunderbare Köchin ist, überzeugt mit ihrer beweglichen, instrumental-präzis geführten, immer noch recht leichten, inzwischen aber an Ausdrucksvaleurs reicheren Stimme.

Von Thomas Tillmann




Cover

Sumi Jo
The Christmas Album u.a.
Erato 8573-85819-2

Für Weihnachtseinkaufgeschädigte und Mäntyjärvi-Fans

Alle Jahre wieder erschallen Weihnachtslieder. Für herzbewegende Wiedererkennungsfreude ist gesorgt, sind doch.viele der gängigsten Melodien allzu häufig zuckersüß in klebriges vokales Marzipan gepackt auf Weihnachtsmärkten und in Kaufhäusern zu ertragen. Alle dieser Art Gequälten, die dennoch eine Weihnachts-CD erstehen und genießen wollen, haben nur die Chance, auf Raritäten auszuweichen. Dies kann trefflich gelingen mit der Weihnachts-CD des amerikanischen Spitzen-Ensembles Chanticleer. Denn kennen Sie zum Beispiel „Es ist ein Ros entsprungen“ in dem außergewöhnlichen Satz von Hugo Distler oder „Die Stimme des Kindes“ des finnischen Komponisten Jaakko Mäntyjärvi?
Das Konzert „A Chanticleer Christmas“ hat in den USA Tradition. Vor ausverkauftem Haus singt das Ensemble alljährlich eine außergewöhnliche Mischung aus traditionellen und modernen Weihnachtsliedern verschiedener Länder. Eine Auswahl aus diesen beliebten Konzerten ist jetzt auf CD erschienen. Die Sopranistin Dawn Upshaw bereichtert die Aufnahme als Gast. Allein für den ersten Track „This is the truth sent from above“ - ein altes englisches Christmas Carol arrangiert von Ralph Vaughan Williams - lohnt sich die Anschaffung der CD. Upshaw singt die schöne Melodie zart und vollendet ausgewogen in Pianissimo-Begleitung des Ensembles. Seinen ausgezeichneten Zusammenklang beweist Chanticleer mit jedem dargebotenem Stück. Die Zusammenstellung der Lieder ist sehr abwechslungsreich und zum Abspielen als Hintergrundsmusik daher eher nicht geeignet. Es darf einen auch nicht stören, dass das alt ehrwürdige Weihnachtslied „Maria durch ein' Dornwald ging“ mit der Melodie „Greensleeves“ und zwei weiteren Stücken in der Tradition des Gospels zu einem Weihnachts-Medley kombiniert werden. Voll von weihnachtlichen Besonderheiten ist die CD eben. Jedem anspruchsvollen Musikfan sei sie empfohlen, um auf ihr seinen raren Weihnachtsfavoriten zu finden.

Von Meike Nordmeyer




Cover

Christmas with Chanticleer u.a.
Teldec 8573-85819-2

Für skrupellose Hollywoodians mit Unschuldsbedürfnis

Christmas in Vienna heißt eine Reihe, mit der Sony Classical nun schon im siebten Jahr die Klassikfans allüberall erfreut. Zumindest heuer sollte die neue CD "Christmas in Hollywood" heißen, denn für José Carreras und Luciano Pavarotti wurde glänzender Ersatz gefunden: Tony Bennett, Entertainer der alten Schule, gibt zusammen mit Charlotte Church und Vanessa Williams (fantastische, leichte Stimmen, die zum Glück mit Operngesang wenig am Hut haben) dem musikalischen Reigen eine sehr amerikanische Note. Placido Domingo, der das Sängerquartett vervollständigt, verleiht mit seiner Stimme dem Programm das Quäntchen Festlichkeit und Adel - unterstützt wird er darin noch durch die Gumplodskirchner Spatzen (die auch zuständig sind für den Klang der Unschuld). Mit der Solistenmischung und seinem spezifischen musikalischen Charakter ist die Scheibe, live aufgenommen am 21. Dezember 2000 im Wiener Konzerthaus, sicher ein Beispiel für gelungenen Crossover.
Wer allerdings den etwas kitschigen, süßlichen Hollywoodton à la John Williams nicht mag, den amerikanische Spielfilme oft verströmen und den die Arrangements von Jorge Calandrelli zur Genüge transportieren, sollte von dieser CD die Finger lassen. Zuweilen tritt dieses üppige musikalische Lametta zurück zugunsten einer leichten Jazzbegleitung (Ralph Sharon Quartett), die sich dezent unter die rauh gewordene, aber immer noch fähige Stimme Tony Bennetts legt, etwa bei "Have Yourself a Merry Little Christmas" oder "The Christmas Song". Placido Domingo kaut auf den deutschen und amerikanischen Silben und Konsonanten wie eh und je (er wird es nicht mehr lernen, gibt sich aber immer wieder Mühe). Was ist eigentlich so Besonderes an seiner Stimme? Fragen, die nur wohl nur noch die Fans beantworten können. Ganz in seinem Element und richtig überzeugend ist Domingo jedenfalls im traditionellen spanischen Weihnachtslied "Hacia belen va un burro".
Der Rest des Programms auf Christmas in Vienna VII, insgesamt 22 Titel, ist eine bunte Mischung aus deutschen Weihnachtsliedern, Traditionals und sehr amerikanischen Nummern wie "White Christmas" und "My Favourite Things" (ein Song aus Rodgers und Hammersteins Musical The Sound of Music). Steven Mercurio ist der Mann, der die üppige Musik aufblühen lässt und mit allem nötigen Pomp und Circumstance ausstattet. Die Wiener Symphoniker folgen tadellos und ohne jegliche Gewissensbisse. Mein Tipp: Lasset alle Skrupel fahren und gebt Hollywood unter dem Weihnachtsbaum eine Chance.

Von Markus Bruderreck




Cover

Christmas in Vienna 7
Sony 5099708946845

Für Unentschlossene, die sowieso nicht zuhören

Wer sich partout nicht entscheiden kann, dem sei unbedingt das Album Simply the best empfohlen, denn darauf gibt es von allem etwas. Auf 2 CD ist hier ein Querschnitt durch all' das zusammengestellt, dass in den letzten 30 Jahren bei Teldec, Erato & Co. mit wenigstens entferntem Bezug zu Weihnachten erschienen ist. Klassisches Kulturgut wie Bachs Weihnachtsoratorium steht neben ziemlich unbekannten Werken von Cesar Franck und George Bizet, aus denen die Herren Carreras und Domingo auch noch das letzte tenoralen Sentiments herausquetschen; Kiri Te Kanawa säuselt zu Harfen- und Chorbegleitung „Stille Nacht“, Freunde der Orchestermusik werden mit Tschaikowskijs Nussknacker und Vivaldi beglückt, und selbst ein (völlig unbekanntes) Orgelstück hat sich auf die erste der beiden Scheiben verirrt. Auch am Broadway geht die Zusammenstellung nicht vorbei, und traditionelle amerikanische Weihnachtsmusik fehlt ebenfalls nicht. Woher die kleinen Häppchen im Einzelnen stammen, erfährt man nur ansatzweise, und auch die Ausführenden werden nicht immer vollständig genannt.
Gemischt ist das Ganze nach dem Prinzip des größtmöglichen Kontrastes, und so ergibt sich aus den für sich durchaus hörenswerten Stückchen ein buntes Potpourri nach Art der Dauerberieselungs-Rundfunksender – aber garantiert ohne Werbepausen. Ideal also für Weihnachtspartys, bei denen sowieso niemand auf die Musik hört. Und wenn doch, dann wird er den vielseitigen Musikgeschmack des Gastgebers zu loben wissen. Frohe Weihnachten!

Von Stefan Schmöe



Cover

Simply The Best Christmas Album
Erato 8573-88351-2



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Da capo al Fine

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