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Gerson Luiz Sales
What if a day Barockmeister und AmazonasmusikVon Mariko JacobyWas kann man aus einem Countertenor machen, und wie ihn vorstellen? Es ist ein Fach, das mit dem zunehmenden Interesse für alte Musik an Aktualität gewinnt und auch seit Alfred Deller in der modernen Musik zu finden ist. Mit zwei weiteren Musikern, dem Pianisten Ralf Kathmeyer und dem Cellisten Matthias Hehrmann, hat Gerson Luiz Sales ein spannendes, bunt gewürfeltes Programm zusammengestellt, das sowohl konventionelle italienische Arien von Pergolesi, Cavalli oder Marcello und mittelalterliche und barocke englische Musik bietet, aber den Schwerpunkt auf spanische und südamerikanische Folklore in der Kunstmusik setzt, wie Bearbeitungen mehrerer Lieder von Villa-Lobos. Der ebenso wie Heitor Villa-Lobos in Rio de Janeiro geborene Gerson Luiz Sales begann seine Countertenorausbildung 1993 bei Prof. Phillip Langshaw an der Hochschule für Musik Köln, nachdem er in seiner Geburtsstadt 1989 sein Klavierdiplom abgelegt hatte. Ab 1995 hatte er Engagements in diversen Städten, z.B. Dortmund, Köln, Bremen, Heidelberg, Wuppertal, München, Den Haag und Taipei, er sang u.a. die Rollen des Nero aus Agrippina (ich selber habe ihn in dieser Rolle erlebt, mit der er großen Erfolg hatte) oder den Xerxes, Philidel aus King Arthur, Paisiellos Don Quixote, Glucks Orfeo und Prinz Go-Go aus der Oper Le Grand Macabre von György Ligeti. Seine Interpretation der spanischen Lieder ist temperamentvoll (genug um auf stimmliche "Mätzchen" verzichten zu können), sein für einen Countertenor erstaunlich großer Tonumfang ermöglicht ihm ein breites Repertoire, seine Höhe zeigt er auf der CD bis zum g'. Leider ist bei ihm die altustypische Tendenz zur engen Höhe hörbar, einige Spitzentöne leiden darunter. Seine beste Leistung ist die Interpretation der spanischen Lieder, auch unter sprachlichen Gesichtspunkten. Außer den spanischen sind die Texte schwer verständlich (jedoch dank Beiheft verfolgbar, wobei die deutsche Inhaltsangabe unleserlich ist). Schade eigentlich, denn er besitzt eine schöne Kopfstimme. Übrigens werden beim Countertenor (oder überhaupt) die Stimmbänder nicht, wie im Beiheft behauptet wird, verkürzt, um ins Kopfregister zu kommen, sondern verlängert, um sie dünner zu machen, die Stimme klingt somit höher. Die Stimmbänder sind eher mit gespannten Gummibändern zu vergleichen und nicht etwa mit abgegriffenen Celloseiten. Unterstützt wird Sales von Ralf Kathmeyer und Matthias Hehrmann, beide profilierte Solokünstler mit Interesse an Begleitung oder Kammermusik. Jedoch vermisse ich bei ihnen im Gegensatz zu Sales das Temperament und das Gefühl für spanische Musik. Kathmeyer darf ein Solostück zum Besten geben, eine virtuose Paraphrase auf den Zigeunertanz aus Carmen, hierbei lehnt er an Horovitz an. Seine eher als willkürlich zu bezeichnenden Rubati bringen eine gewollt eigenwillige Interpretation zum Ausdruck, die aber mit einem Zigeunertanz nicht mehr viel zu tun hat. Ebenso ist es mit seiner Begleitung, die unsanft und mechanisch klingen kann, aber auch gefühlvoll und ruhig, wie zum Beispiel bei der Begleitung von Matthias Hehrmann bei einer Cellofassung von Stücken aus de Fallas' Siete canciones populares españolas. Hehrmann spielt mit technischer Vollkommenheit und schönem Ton, wunderschön musiziert war Nana oder die Asturiana, das Cello hätte nur lauter aufgenommen werden müssen. Zu Sales liefern sie zusammen eine souveräne und glatt musizierte Begleitung, die jedoch keine Begeisterung zeigt oder weckt. Für jeden Geschmack ist hier gesorgt, man findet viele verschiedene Stücke, Bearbeitungen und Interpretationen. Die Grundidee und die Zusammenstellung ist honorierenswert, es ist interessant, auch solche Lieder und Arien für Countertenor zu hören. Es wird aber insgesamt, abgesehen von den spanischen Stücken, etwas zu brav musiziert, man hätte sich gestalterisch mehr zutrauen können! Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Gerson Luiz Sales, Countertenor What if a day
Ralf Kathmeyer, Klavier |
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