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Nichts Neues: Neue Musik für Klarinette, Gesang und KlavierDie menschliche Stimme als Blasinstrument, das Blasinstrument als Singstimme - diese Wechselbeziehung sei charakteristisch für die "ideale Paarung" von Klarinette und Gesang. So jedenfalls wollen Wilfried Berk, Klarinette, Dörte Blase, Sopran und Elisabeth Berk-Seiz, Klavier, ihre Neuerscheinung "Clarinet Songs" verstanden und gehört wissen. Das Trio präsentiert Kompositionen für Klarinette, Gesang und Klavier englischer und amerikanischer Komponisten. Mit dieser Auswahl sehen sich die Interpreten ausdrücklich in einer kontinuierlichen Tradition, die, folgt man den Ausführungen des Booklets, bei Mozart beginnt und über Franz Schubert und Johannes Brahms bis ins 20. Jahrhundert reicht. Ob diese Entwicklung wirklich so kontinuierlich ist, sei dahingestellt. Jedenfalls könnte man zunächst ein spannendes Projekt erwarten - zumal es sich größtenteils um Komponisten des 20. Jahrhunderts handelt. Diese Erwartung wird jedoch schnell enttäuscht und bei näherem Hinsehen entpuppt sich diese "neue" Musik doch schnell als leichte Muse mit deutlichen interpretatorischen Schwächen. Gemeinsam ist allen Werken ein romantisierender Grundgestus, der noch am klarsten - und soweit sich das sagen lässt - am überzeugensten in den Texten des Liederzyklus "To be sung upon the Water" des italo-amerikanischen Komponisten Dominick Argento formuliert ist. Die acht Lieder aus dem Jahre 1972 (!) beruhen auf Gedichten von William Wordsworth, die in relativ naiver Sprache Naturimpressionen wiedergeben - das Coverfoto hätte nicht passender ausgesucht werden können. Reizvolle Spannungen sind nicht zu befürchten. Entsprechend gestaltet sich die Musik als unspektakuläre Tonmalerei. Konturen verleiht diesem Werk noch am ehesten der Gesangspart von Dörte Blase, die sich um Expressivität bemüht. Demgegenüber offenbart der Klarinettist Wilfried Berk deutliche Schwächen in Klang, Intonation und Flexibilität: Phrasierung und Agogik wirken auch in quasi-improvisatorischen Abschnitten oft hölzern und unorganisch. Zu oft für diese an sich reibungslose Musik wirkt der Klang unkontrolliert und grob, wenn Elastizität und Flexibilität gewünscht wäre. Das eingangs beschriebene Verhältnis von Klarinette und Gesang spielt auch bei den übrigen Komponisten, unter denen der Brite Ralph Vaughan Williams noch der Prominenteste ist, kaum eine Rolle. So offenbaren sich die "Three Folk Songs" des Briten John McCabe aus dem Jahre 1963 als konventionelle Klavierlieder mit obligater Klarinettenstimme. Und das Solostück "A Capella Clarinet" von David Bennett (1979) weist mit seinen weiten Arpeggien doch eher Verwandtschaft zu den Klarinettenkonzerten der beginnenden Romantik auf als mit Klangstudien des 20. Jahrhunderts. Da verwundert es auch nicht weiter, wenn die Kompositionen aus dem 20. Jahrhundert durch romantische Intermezzi und klassische Opernarien ergänzt werden. So präsentiert sich dem Hörer ein stimmig durchgeführtes Konzept: Neue Musik, die bloß nicht stören soll. Von Martin Rohr |
Clarinet Songs: Musik für Klarinette, Sopran und Klavier : Thomas a. Arne: When Daisies Pied Arthur Bliss: Two Nursery Rhymes (1921) Cahlres Villiers Stanford: Three Intermezzi op.13 (1880) Dominick Argento: To be sung upon the Water (1972) - Liederzyklus David Bennet A Cappella Clarinet (1979) Ralph Vaughan Williams: Three Vocalises (1958) John Noble: Cats Suite (1976) John McCabe: Three Folksongs op.19 (1963) Wilfried Berk, Klarinette Dörte Blase, Sopran Elisabeth Berk-Seiz, Klavier Cordaria CACD 561/ Liebermann |
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