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Chris Carelli
Anthology
Music of the last four centuries for solo guitar
Ein virtuoser Spaziergang durch die Zeit und die Welt der Musik für klassische Gitarre
Von
Frank Becker
Die fünf Bagatellen von William Walton (1902-1982), mit denen der amerikanische Gitarrist Chris Carelli seine "Anthology"
eröffnet, verdeutlichen zweierlei: daß Waltons kleine Stücke zum einen
keineswegs Bagatellen im reinen Wortsinn, sondern unter den richtigen
Händen delikate Köstlichkeiten sind, zum anderen, daß wir es bei Chris
Carelli mit einem Gitarrenvirtuosen zu tun haben, der über eben solche
Hände (und den nötigen musikalischen Verstand, das richtige Gefühl für
Maß und Takt und die nicht minder wichtige Liebe zur Musik) verfügt.
Dieser
Eindruck wird durch die folgende "Cavatina" von Stanley Myers
(1933-1993) noch verstärkt, die man seit der Einspielung durch
John Williams schon oft, selten aber so gut gehört hat. Wer je den
erschütternden Film "The Deer Hunter" gesehen hat, wird die Melodie nie
vergessen, die dort über den Abgründen der Seelen amerikanischer
Vietnam-Soldaten wie ein Engel schwebt. Carelli ist Amerikaner,
vielleicht gerade deshalb hat er das richtige Gespür für dieses Stück.
Carellis Exkursion durch die Musik aus vier Jahrhunderten für
Solo-Gitarre auf den Saiten seiner "Giaccomo Giussani" aus Zedernholz
geht in der musikalischen Zeitrechnung rückwärts. Die nächste Station
der Reise ist der Impressionismus mit seinem herausragenden
französischen Vertreter Claude Debussy (1862-1918), dessen "Mädchen mit
dem Flachshaar" und das unvergleichliche "Clair de Lune" Carelli
ausgewählt hat. Auch das "Clair de Lune" kann unter seinen sensiblen
Händen wieder jedem internationalen Vergleich standhalten - Genuß pur.
Auch
die spanische Seele hat Carelli verstanden und haucht sie seiner
Gitarre mit zwei Stücken von Isaac Albeniz (1860-1909) ein. Der Sprung
zurück zu Matteo Carcassi (1792-1853) überbrückt ein ganzes Jahrhundert
- und man ist überrascht, hier ein Äquavilent zu Stanley Myers zu
finden. Dessen "Cavatina" steht brüderlich neben Carcassis Studie #3.
Die populäre, hier als anonyme klassische Komposition eingeordnete
kleine "Romanze", die wohl jeder kennt, wird wohl von Fernando Sor
stammen, wie auch Chris Carelli im mustergültigen Booklet vermutet. Das
dürfte wohl auch so sein - hört man sich einmal Sors "Souvenir de
Russie" op. 63 an, kann wohl kaum noch ein Zweifel bestehen bleiben, so
deutlich sind die Parallelen der Themen.
Natürlich
fehlt der große Johann Sebastian Bach (1685-1750), das Maß der Dinge
für Gitarren-Studenten, nicht - zwei Sätze seiner Suite No. 1 für
Violoncello wurden hier für Gitarre arrangiert. Die Passacaglia von
Bachs gleichaltrigem Zeitgenossen Sylvius Leopold Weiss (1686-1750)
schafft den bezaubernden Übergang zur Renaissance und der "Suite
Espanola" des Spaniers Gaspar Sanz (ca. 1650-1730). Ein gut gewählter
und mit viel Sentiment in sechs zierlichen Schritten eingespielter
Schluß dieser Zeitreise. Chris Carelli empfiehlt sich mit seiner "Anthology"
für mehr. Wer die CD hierzulande nicht bekommen kann, findet
Informationen auf der nebenan genannten Homepage oder wendet sich per
E-Mail an chris@chriscarelli.com.
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Chris Carelli
Anthology
Music of the last four centuries for solo guitar
Chris Carelli - guitar
Produced by Chris Carelli & Alan Sanderson
© + (P) 2005 Kharmo Records
Track
List: William Walton - Five Bagatelles
1. Allegro 3:57
2. Lento, Tempo di valse 3:16
3. Alla Cubana 2:07
4. Sempre espressivo 2:05
5. Con Slancio 2:32 Stanley Myers
6. Cavatina 3:03
Claude Debussy
7. The Girl with the Flaxen Hair 2:28
8. Clair de Lune 5:00
Isaac Albeniz
9. Asturias op. 47 5:53
10. Cordoba op. 232 No. 4 6:11
Matteo Carcassi
11. Study # 3 op. 60 3:23
Anonymous
12. Romanza 2:12
Johann Sebastian Bach - Suite No. 1 for Violoncello BWV 1007
13. Prelude 2:27
14. Allemande 3:54
Sylvius Leopold Weiss
15. Passacaille 3:46
Gaspar Sanz - Suite Espanola
16. Espanoletta 1:39
17.-18. Rujero y Paradetas 1:12
19. Zarabanda 1:09
20. La Cavalleria de Napoles 1:53
21. Canario 1:55
Total Time:
1:00:11
Weitere Informationen unter:
www.chriscarelli.com
www.profile.myspace.com
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