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Monologue
Jitka Hosprová - Bratsche Solo 

Im Nebel der Moderne

Von Michael Magercord
 

„Der Nebel der Verzagtheit“ hat der tschechische Komponist Bedřich Smetana auf seine letzte Notenskizze nur wenige Tage vor seinem Tod im Jahre 1884 notiert. Er wollte diesen Verzweiflungsschrei und vielleicht auch das sich gleichsame Fügen ins Unvermeindliche fassen in einem Stück für eine einzige Bratsche. Nichts ist eindringlicher als ein Solo eines monotonalen Instruments, das dazu eigentlich nicht geschaffen ist. Enthoben aus dem Orchester, seinem angestammten Klangkörper, steht es für sich allein im weiten Klangraum. Und nichts ist schwieriger zu dirigieren als dieses, denn man muss die Balance bewahren und vor lauter Ausdruck nicht die Form verlieren, die sonst das begleitende Orchester bewahrt, auf dass sich das Werk nicht auflöse, aber seine Aussage auch nicht erdrückt werde.

Somit ist eine Solo-Instrumentierung ein Dialog mit sich selbst: ein Monolog, der sein inneres Schweigen bricht. Und dieser ist vielleicht der schwierigste von allen, ein Balanceakt zwischen Aufbrausen und Ansichhalten. Und doch weist gerade der Monolog dem Subjekt der Moderne, diesem losgelöst aus einer Allmacht eines Übermächtigen und der Vorstellung der Ewigkeit auf sich gestellte und immerfort mit sich selbt dialogisierende Ich, so manches Mal einen Weg aus dem Nebel heraus. In der Musik ist das Solo-Instrument wohl die im diesen Sinne modernste Ausdrucksweise innerer Zerissenheit, egal ob es sich dabei um eine klassische Kompositionen handelt oder eine heute nur noch im Jazz zu findene Improvisationen. Ein Bedürfnis, das – wie modern! – ein Wagnis zugleich ist.

Bald hundert Jahre nach dem Tod Smetanas, hat sich sein Landsmann Jaroslav Smolka von dessen letzten Notenskizze zu einer Fantasie für Solo-Bratsche inspirieren lassen. Er hat dieses Wagnis unternommen, um zu zeigen, wie der 1933 geborene Komponist und Musiktheoritiker im Booklet zitiert wird, dass Schöpfungen selbst in der Erschöpfungsphase des Lebens möglich sind. Und der ebenfalls bald achtzigjährige Jan Klusák hat seinem über 20-minütigen Bratschen-Solo-Stück über den „Ubi vult“, den Geist, der flieht, wohin er will, den Titel „Monolog“ gegeben.

Und gewagt hat es die versierte Solistin Jitka Hosprová beide Werke 2009 uraufzuführen und nun zusammen mit zwei Solo-Kompositionen aus den 30er Jahren von den ebenfalls tschechischen Komponisten Petr Boøkovec und Ladislav Vycpálek als CD vorzulegen. Gelungen ist ihr dabei zweierlei: Einmal bietet sie allen, die sich darauf einlassen und die für eine Solo-Instrumentierung notwendige Konzentration aufbringen, durch ihren eindrücklichen und schnörkellosen Vortrag ein aufrichtiges Musikerlebnis, und gleichsam hat sie die Werke zumindest für die Ewigkeit der digitalen Haltbarkeit dem Nebel entrissen. Das ist es, was in modernen Zeiten alles sein kann.

Oder ist da doch noch etwas? Das Cover-Foto von der zugegeben recht ansehnlichen Künstlerin soll wohl dazu beitragen, das vermeintlich modernste aller Ziele zu erreichen: die Verbreitung und den Verkauf der Ware. Möge es gelingen, denn diese Art der Ware ist nun letztlich einmal mehr wert, als ihr schlichter Mehrwert und ihre den Inhalt vernebelnde Verpackung. Denn geht man nur nach der Musik und ihrer Interpretation, dann darf wohl doch jedes Mittel recht sein, diese CD an den Mann zu bringen – und hoffentlich auch die Frau...

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CD-Cover


Monologue
Werke für Solo-Bratsche

Jitka Hosprová, Bratsche


Werke:

Pavel Bořkovec:  Sonata op. 12
Jan Klusák: Monologue Ubi vult  -  Partita

Ladislav Vycpálek: Suite op. 29

Jaroslav Smolka: Mlha sklíèenosti (Im Nebel der Verzagtheit)

Gesamtspieldauer 61:12

Supraphon SU 4049-2


Weitere Informationen und Hörbeispiele:
www.supraphon.com






Da capo al Fine

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