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Franz Schubert
Sonaten für Klavier
Nr. 19 c-Moll (D.958) und Nr. 20 A-Dur (D.959)


Nichts für Melancholiker

Beethovens Klaviersonaten gelten seit je her als unerreichbarer Höhepunkt der Gattung. Schuberts Entscheidung, nur ein Jahr nach dem Tod Beethovens drei große Sonaten zu komponieren, hat nicht nur seinen Verleger irritiert, sondern bis heute nehmen diese Werke einen merkwürdigen Platz in der Rezeption ein. Im Konzertleben haben sie bestenfalls eine Randfunktion. Und ein Rechtfertigungsbedarf scheint immer noch vorhanden; das zeigt sich unfreiwillig etwa an einem Satz des Dirigenten und Musikwissenschaftlers Peter Gülke im Booklet der vorliegenden Aufnahme: "Die Gefahr, an solchen Abgründen vorbeizuhören, sollte uns daran hindern, denen uns überlegen zu fühlen, die auf andere Weise u.a. an den inneren Dimensionen und der Spiritualität dieser Musik vorbeigehört haben."

An den inneren Dimensionen vorbeizuhören, das dürfte in der Interpretation von Mitsuko Uchida allerdings schwerfallen. Schuberts selbstbewußtes kompositorisches Programm, die Großform Beethovens aufzunehmen und im romantischen Sinne weiterzuentwickeln, zeichnet sie geradlinig nach. Formbildende Elemente werden klar herausgearbeitet, die einzelnen Themengruppen durch unterschiedliche Tempi, Lautstärken und Anschlagsarten gegeneinander abgegrenzt. Mitunter hat das Nähe zur Orgelmusik: Wo Schubert die Nebenthemen vor allem in den Kopfsätzen als romantisch-lyrische Komplexe den eher klassisch-voranschritenden Hauptthemen gegenüberstellt, wechselt Mitsuko Uchida registerartig vom vollen Klang auf das, orgelbildlich gesprochen, Fernwerk.

Mit dieser strengen Strukturierung nimmt sie einen legitimen Gegenpol zur gedankenverlorenen Traumwelt ein, die Maria Joao Pires in ihrer Aufnahme der Impromptus zeichnet. Mitunter klingt ihr Spiel allerdings zu "durchdacht", zu theoretisch. Innerhalb der erratisch nebeneiander stehenden Blöcke fehlt die Binnenentwicklung: Zu Gunsten der großen Form vernachlässigt Mitsuko Uchida die kleine. Zwar muß sich Peter Gülke nicht um das Abgründige sorgen (das nicht nur in der Harmonik sehr plastisch vermittelt wird), aber das "musikantische" (das Schubert freilich lang genug wie ein Fluch angehangen hat) ist dann doch zu sehr ausgespart - und die Musik dadurch um eine Dimension, die sie auch hat, beraubt. Das ändert jedoch nichts daran, daß Mitsuko Uchida eine markante Interpretation gelungen ist - wenn auch mehr für Analytiker als für Melancholiker.


Von Stefan Schmöe







Mitsuko Uchida, Klavier


PHILIPS 456 579-2
www.philclas.polygram.nl
aufgenommen 5/1997
Musikverein, Wien


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