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LudwigTieck / Johannes Brahms:
Die schöne Magelone


Romantische Märchenstunde

Von Stefan Schmöe

Das Märchen von der schönen Magelone und dem Ritter Peter, der sie im jugendlichen Überschwang für sich gewinnt, mit ihr romantisch in die Wälder flieht, durch Wirnisse des Schicksals getrennt wird (und in Gefangenschaft der „Mohren“ gerät) und nach schweren Jahren in einer armseligen Schäferhütte wieder zu ihr findet, hat Brahms bereits in seiner Kindheit beschäftigt. Eine engere Beschäftigung mit den Werken Ludwig Tiecks erfolgte während seines Aufenthalts im Hause Robert und Clara Schumanns; zu der Vertoung der 15 Romanzen, die Tieck in die Erzählung eingefügt hat, kam es aber erst einige Jahre nach Schumanns Tod, nämlich zwischen 1861 und 1869. Es blieb Brahms' einziger Liederzyklus, und anders als bei den großen eigenständigen Zyklen Schuberts oder Schumanns ist die Schöne Magelone ohne die Einbettung in den Prosatext kaum zu verstehen, bleibt nur Stückwerk.

So sehr sich auch die komplexe Musiksprache Brahms', die nicht nur einen Kommentar, sondern eine grundsätzlich eigenständige künstlerische Dimension darstellt, von dem bewusst naiven und märchenhaft einfachen Tonfall von Tiecks Erzählung absetzt und verselbstständigt, so sinnvoll ist daher doch die Kopplung von Erzählung und Komposition zu einem „Gesamtkunstwerk“, wie auf der vorliegenden Einspielung geschehen. Bruno Ganz liest mit angemessen schlichter, aber nie übertrieben „märchenonkelhafter“ Diktion die Tieck'sche Erzählung; Roman Trekel singt, begleitet von Oliber Pohl, die von Tieck explizit als Lieder oder Balladen eingeschobenen Gesänge. Trekel behauptet sich dabei als einer der führenden Liedsänger unserer Zeit. Mit voller, warmer Stimme trifft er den Charakter der Lieder sehr genau, gestaltet nuanciert und mit feinem Gespür für sprachliche Details. Seine schier unendlichen stimmlichen Reserven setzt er für durchdachte, immer musikalisch motivierte dramatische Steigerungen ein – daran erkennt man den bühnenerfahrenen Opernsänger, der hier aber alles „Opernhafte“ zurücknimmt.

Zwischen den Giganten Bruno Ganz und Roman Trekel verliert sich Pianist Oliver Pohl leider in der Rolle des untergeordneten Begleiters. Auf dem Cover-Foto hat man ihn weggelassen – als sei der Klavierpart und sein Interpret nicht so wichtig? Vom Klavier müssten weitaus mehr Impulse kommen, aber ob jugendlicher Überschwang oder trübe Zweifel, bei Pohl klingt alles recht brav, obwohl ihm das „Unaussprechliche“, nur musikalisch und nicht im Text Vorhandene anvertraut ist. Bei einem Komponisten wie Brahms, der sich fast nur der „absoluten“ Musik verschrieben hat, ist das nicht der unwesentlichste Teil dieses Werkes.


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Cover

Die schöne Magelone

Kunstmärchen von Ludwig Tieck
gelesen von Bruno Ganz

mit den Vertonungen von
Johannes Brahms
(Liederzyklus op. 33)


Bruno Ganz, Sprecher
Roman Trekel, Bariton
Oliver Pohl, Klavier


Oehmsclassics OC 331







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