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Lieder von Nicolae Bretan:

Suche nach der Heimat




Ein hierzulande unbekannter Komponist ungarisch-rumänischer Herkunft mit Aufnahmen aus den 70er Jahren - nur etwas für Liebhaber und Nostalgiker?

Nimbus-Records präsentiert historische Einspielungen der Vokalwerke von Nicolae Bretan (1887-1968), darunter 46 seiner mehr als 200 Lieder umfassenden Sammlung My Lieder-Land.

In der Tat befremdet auf den ersten Blick ein verklärend-nostalgischer Nimbus: Impressionistische Bilder der Heimat auf dem Cover passen zu den mit viel Pathos vorgetragenen Interpretationen.

Auf den zweiten Blick jedoch wird hörbar, dass Nostalgie und Pathos nicht aufgesetzt, sondern authentisch sind.

Das in den Liedern besungene Dorul, die Suche nach der Heimat, ist keine nach nationaler, sondern vielmehr nach geistiger Zugehörigkeit und damit Ausdruck der menschlichen Suche nach Sinn und Bestimmung: ...Bretan understood the essential homelessness of humankind, or rather, it was clear to him that [...] this ever unfulfilled longing is [...] a constant component of human existent. (H. Gagelmann im CD-Booklet).

So haben die Lieder nicht zuletzt biographische Aussagekraft: Im Gegensatz zu Bretans Bühnenwerken, Kompositionen für seine Arbeit am Theater in Cluj, entstanden die Lieder ausschließlich im privaten Rahmen.

Sie vertonen Texte rumänischer, ungarischer und deutscher Dichter, die bekanntesten darunter Eminescu, Goga, Ady, Heine und Rilke. Der Komponist unterzeichnet jeweils entsprechend mit Nicolae Bretan, Bretan Miklós oder Nikolaus Bretan - nicht zuletzt bezeichnend für den Wechsel nationaler Zugehörigkeiten der ehemaligen Donaumonarchie.

Umso deutlicher wird Bretans Bemühen um eine musikalische Integration. Dabei ist es sein Anliegen, die musikalischen Formen von Kunst- und Volkslied miteinander zu verbinden: Einerseits entstehen poetische Lied-Dichtungen mit ausgeprägter Bildhaftigkeit der Sprache bis hin zu naturalistischer Lautmalerei in den Rufen sinnbildlich verwendeter Vogelstimmen.

Andererseits finden sich strophische, fast balladenhaft aufgebaute Lieder von schlichter Eindringlichkeit.

Immer jedoch sind die Vertonungen der natürlichen Sprachmelodie nachempfunden, gelingt ihnen die artifizielle Annäherung an die Spontaneität natürlichen Ausdrucks.

Die Interpretationen des Baritons Ludovic Konya und der Pianisten Ferdinand Weiss und Martin Berkofsky entsprechen der Intention des Komponisten in jeder Hinsicht. Zwischen dichter Deklamation und einfühlsamer Zurückhaltung berühren sie durch ihre Emotionalität und durch eine Lebendigkeit, die an keiner Stelle künstlich wirkt.

Dies ist umso bemerkenswerter, als es sich zum größten Teil um Live-Aufnahmen handelt, die zwischen 1973 und 1976 in Rumänien und den USA entstanden.

So überzeugen diese Aufnahmen trotz einiger unzeitgemäß wirkender Interpretationsideale durch ihre unmittelbare Ausdruckskraft.

Von Monika Jäger





Cover

Nicolae Bretan: (1887-1968):

My Lieder-Land

The Songs of Nicolae Bretan, Volume 1





Cover

Nicolae Bretan: (1887-1968):

My Lieder-Land

The Songs of Nicolae Bretan, Volume 2


Ludovic Konya, Bariton
Ferdinand Weiss, Klavier
Martin Berkofsky, Klavier

Aufnahmen aus den Jahren 1973-76

Nimbus Records
NI 5637 (Vol. 1) und
NI 5640 (Vol. 2)




Da capo al Fine

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