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George Antheil:
Ballet Mécanique Der gezähmte "Bad Boy of music"Von Monika JägerMit der CD "George Antheil - Ballet Mécanique" präsentiert die Reihe "American Classics" des Labels Naxos einen Querschnitt durch Antheils Orchester- und Kammermusik verschiedener Schaffensphasen. Vom "Bad Boy of music" ist hier allerdings nicht mehr viel zu hören. Dabei sicherte das seinerzeit als Skandalerfolg gefeierte Ballet Mécanique dem Komponisten seinen Ruf als enfant terrible und als solcher seinen Nachruhm. Das Antheil auszeichnende ästhetische Ideal der Verwebung von mechanistischen und klassischen Klängen, Jazz und Musikdrama scheint nicht im Mittelpunkt des Interesses der CD zu stehen. Vielmehr vermittelt sich der Höreindruck eines gediegenen Neoklassizismus recht beliebig herausgegriffener Werke.
In punkto eigenwilliger Besetzung und anti-expressiver, maschinengeräuschhafter Tonsprache markiert das Ballet mécanique mit seiner Uraufführung 1926 in Paris den Höhepunkt seines avantgardistischen Schaffens und der Popularität seiner Person. Die seinerzeit als Novum einschlagende "mechanistische" Klangwelt bleibt dezent im Hintergrund, der musikalische Fortgang verläuft unspektakulär. In lyrischen Passagen und jazzigen Versatzstücken vermittelt sich Spielfreude und Humor, doch das reibungslose Gleichmaß der Interpretation lässt nicht mehr viel vom Zeitgeist des Futurismus und Maschinenmythos übrig. Man muss sich schon sehr anstrengen, um Flugzeugpropeller und elektrische Türklingeln überhaupt herauszuhören. Ebenfalls geglättet wirken die Schlüsselkomposition seines Frühwerkes Symphonie for Five Instruments und das Concert for Chamber orchestra von 1932. In der unkonventionellen Tonsprache der in Paris entstandenen Kompositionen Antheils fasziniert gerade die unvermutete Konfrontation von volkstümlich anmutenden Themen mit abrupten Brüchen, die motorisch durchlaufenden rhythmischen Ostinati und die bis dato fremden Kulturkreisen entlehnten Ausdrucksmomente. Jedes Fehlen von Schärfe und markanter Deutlichkeit reduziert den eigentümlichen Charakter des Werkes. Allein in dem Spätwerk Serenade for Strings 1948 entspricht die Interpretationsweise m.E. dem Ausdrucksideal der Komposition. Der lyrische wie heitere Charakter ist bereits in der Serenade angelegt. Dem Streichorchester gelingt es mit seiner zarten Klanggebung, das Changieren zwischen tänzerischen Figuren mit synkopierter und ansonsten rhythmisch unauffälliger Melodik und zurückgenommenen Phasen von eindringlicher Intensität ausdrucksstark zu gestalten. Insgesamt vermittelt die CD einen salonfähig-heiteren Antheil. Vom "Höhepunkt des dementen Modernismus" (so der Zeitgenosse Randall Thompson) keine Spur. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
George Antheil: Ballet Mécanique Philadelphia Virtuosi Chamber Orchestra Leitung: Daniel Spalding NAXOS 8.559260 |
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