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Ein Liederzyklus von Robert Stolz:

Bunte Operetten-Blumen

Sag's durch die Blume: Ob rote Rose oder Kaktus, Orchidee oder Stiefmütterchen - der richtigen Person das falsche Gewächs zukommen zu lassen kann ungewollte Folgen haben. Die botanische Bedeutungsvielfalt in Musik zu fassen ist angesichts solcher denkbarer Komplikationen ein anspruchsvolles Programm. Robert Stolz, der wohl nicht ganz ohne Hintergedanken den Blumenliedern sein Opus 500 und damit eine feiernswerte "runde" Zahl gegeben hat, sah sicher mehr Tiefsinn darin als sein Dichter Günter Loose im abschließenden Blumenlied auszudrücken vermag: "Blumen blühen überall / auf der weiten Erde, / damit unsre graue Welt / etwas bunter werde."

Ob Operettenfilmmusikkönig Robert Stolz edlere Verslein verdient hätte oder ob solch belanglos-gefällige Kalenderblattlyrik geradezu die ideale Textvorlage für ihn lieferte, das ist kaum zu entscheiden (immerhin überarbeitete er gemeinsam mit Loose 1972 noch einmal den bereits 1928 entstandenen Zyklus, was auf fruchtbare Zusammenarbeit hindeutet). Natürlich ist Stolz auch hier dem unterhaltsamen Genre verpflichtet und war wohl kaum an problembeladener Lyrik interessiert. Aber auch aus den anspruchslosen Texten der Blumenlieder entwickelt Stolz eine erstaunliche Ausdrucksvielfalt, die sich zwischen naiven Spielszenen der um den Fingerhut tanzenden Zwerglein und der emphatischen Feier der Roten Rosen bewegt. Fahles Licht fällt auf die Herbstzeitlose, exotisch anmutende Pentatonik umgibt die Lilie, in impressionistische Farben wird die Anemone gehüllt.

Stolz beherrscht sein Handwerk souverän. Oft wechselt die Stimmung innerhalb eines Liedes, und das sorgt für Abwechslung, wo die formalen Modelle - in der Regel einfach gebaute Strophenlieder - mehr auf Eingänglichkeit als auf Komplexität setzen. In seiner Summe ergibt das einen angenehm zu hörenden Blumenstrauß mit leicht bekömmlichen Kostbarkeiten und gelegentlichen melancholischen Eintrübungen.

Gleich dem Schneeglöckchen hätten es die Blumenlieder bei aller ihrer Leichtigkeit verdient, ernst genommen zu werden - und zwar als Kunstlieder und befreit von operettenhaftem Sentiment. Das aber leistet Brigitte Lindner nur in Ansätzen. Ganz Operettendiva trumpft sie eher vordergründig auf und verlässt sich auf ihr immer gleiches (und oft unangemessen starkes) Vibrato. Zwar bemüht sie sich um eine nuancierte Interpretation, begnügt sich aber zu oft mit dem schnellen Effekt. Zielpunkte müssten aus einem größeren Zusammenhang disponiert, die Stimme häufiger zurückgenommen werden. Brigitte Lindner nivelliert, wo Robert Stolz in kleinen Wendungen differenziert hat. Dadurch gerät die Wiedergabe recht pauschal - so hat Stolz halt zu klingen, scheint sie sagen zu wollen.

Besser gelingen ihr die Zugaben, die in ihrer Herz-Schmerz-Theatralik eindeutig aus dem Operettengenre stammen: Pierrot, komm, trag mich nach Haus - mit solchen handfesten Wünschen fängt sie mehr an als mit Flieder und Primel und dem ganzen Grünzeug. Pianistin Ansi Verwey ist da vielseitiger, denn sie kommt dem Ausdrucksreichtum der Blumenlieder mit Gespür für die vielfältigen Klangfarben recht nahe. Sie begleitet nicht nur, sondern setzt (auch rhythmisch) die Akzente, die die Sängerin vermissen lässt. So entsteht zwar kein ganz glanzvolles Bukett, aber für die häusliche Vase ist's noch ganz annehmbar.


Von Stefan Schmöe





Cover

Robert Stolz:

Blumenlieder op. 500

3 Lieder:
Pierrot, komm, trag mich nach Haus
Servus, Du
Spiel auf Deiner Geige das
Lied von Leid und Lust


MDG 641 0980-2
im Vertrieb von NAXOS


Da capo al Fine

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