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An alle Flötisten:

Muss es denn immer Mozart sein?

Heute in der Fundgrube: Friedrich Hartmann Graf (1727-1795)



Keine Frage, die Flötenquartette des Wolfgang Amadeus Mozart stellen einen unumstösslichen Fels in der Flötenkammermusik dar. Kein Flötist, egal ob Profi oder Amateur, wird im Laufe seiner Flötenkarriere an ihnen vorbeikommen. Das ist auch gut so. Doch ein Blick über die Botenblätter des klassischen Flötenrepertoires hinaus birgt dann doch so manche Überraschung – und Alternative zu Mozart.

Heute im Blickfeld des flötistischen Interesses: Die Flötenquartette von Friedrich Hartmann Graf (1727-1795). Im 18. Jahrhundert war Graf ein gefragter und berühmter Musiker, heute ist er fast vergessen. Dies wird sich mit der vorliegenden Einspielung hoffentlich bald ändern. Als Sohn des Kapellmeisters Johann Graf 1727 geboren, erhielt Friedrich Hartmann eine fundierte Ausbildung auf der Pauke und der Flöte sowie in Komposition. Nach schlechten Erfahrungen als Heerpauker widmete er sich schließlich nur noch der Flöte und dem Komponieren, was sich später als Glücksgriff erweisen sollte. Er machte Karriere als reisender Flötenvirtuose in England, Holland, Italien, der Schweiz und Deutschland, organisierte mit Georg Philipp Telemann das bürgerliche Musikleben in Hamburg. Auf der Suche nach einer Festanstellung kam er an den Hof des Grafen Carl zu Bentheim Steinfurt. Und er blieb, da der Graf die Musik und das Theater besonders pflegte, und selbst auch die Flöte blies. Unter Anleitung seines neuen Hofmusikers entwickelte sich der Graf zu einem brillanten Flötisten. Doch ein kleiner Hof wie der zu Steinfurt konnte Friedrich Hartmann Graf nicht auf Dauer halten. Schon bald wurde er Musikdirektor in Augsburg. Er prägte das bürgerliche Musikleben der Stadt durch die Gründung einer Konzertgesellschaft, musizierte gemeinsam mit Wolfgang Amadeus Mozart (1777), komponierte für die Wiener Oper und die Londoner Konzerthäuser. Wie Joseph Haydn, einer der größten Musiker und Komponisten des 18. Jahrhunderts, wurde er zum Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Musik in Stockholm sowie zum "Doktor der Musik" der Universität Oxford ernannt. Er war eben eine angesehene Musikerpersönlichkeit des 18. Jahrhunderts.

Auf der vorliegenden CD sind Sechs Quartette für Flöte, Violine, Viola und Violoncello eingespielt. Diese konzertanten Quartette sind wahrscheinlich um 1775 in Augsburg entstanden. Sie sprühen nur so vor galanter und graziöser Thematik, effektvollem Laufwerk und Akkordik. Wahrlich ein Tummelplatz für denjenigen Flötisten, der Virtuosität zeigen und Mozart umgehen will.
Konrad Hünteler (Flöte), István Kertész (Violine), Péter Ligeti (Viola) und Rezsö Pertorini (Violoncello) merkt man die Spielfreude an. Auch wenn es sich hier konzertante Quartette handelt, der Flöte also eine höhere Virtuosität anverlangt wird, gerät das Streichtrio nie in den absoluten Hintergrund, ist vielmehr harmonische Stütze und Dialogpartner der Flöte. Hüntelers weicher, warmer Ton sowie ein homogener Streicherklang lassen die Quartette zu einem Kammermusikerlebnis werden. Eine echte Alternative zu Mozart.

Von Anke Westermann






Cover

Friedrich Hartmann Graf (1727-95):
Sechs Quartette für Flöte, Violine, Viola und Violoncello

Konrad Hünteler, Flöte
István Kertész*, Violine
Péter Ligeti*, Viola
Rezsö Pertorini*, Violoncello
(Mitglieder des Festetics Quartetts)


MDG 311 0520-2
im Vertrieb von NAXOS


Da capo al Fine

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