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Anton Bruckner Streichquintett F-Dur Streichquartett c-Moll Symphonie im KleinenVon Stefan SchmöeAnton Bruckner hat sich durch und durch als Symphoniker verstanden (diese Bezeichnung erbat er sich explizit anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Wien). Die Komposition des Streichquintetts, seines wohl gewichtigsten kammermusikalischen Werkes, geht auf einen Auftrag des Geigers Joseph Hellmesberger zurück, der als Direktor des Konservatoriums und Kapellmeister der Hofmusikkapelle (eine Position, um die Bruckner sich ebenfalls beworben hatte) Bruckners Vorgesetzter war und dessen Wunsch Bruckner sich (auch wenn es sich wohl kaum um eine kompositorische Herzensangelegenheit gehandelt hat) nicht zu entziehen vermochte. 1879 zwischen der fünften und der sechsten Symphonie in einer Phase, in der Bruckner sich im Wesentlichen mit der Überarbeitung der frühen Symphonien befasste, entstanden, zeigt das Quintett unverkennbar Bruckners reifen Personalstil, gerade im Kontrast zum 1862 als Studienwerk entstandenen c-Moll-Quartett (das in der vorliegenden Aufnahme ebenfalls eingespielt ist). In mancher Hinsicht liegt beim Streichquintett durchaus eine Symphonie in klein vor. Eine blockartige Struktur wie in den Symphonien hört man auch hier, die der Komposition einen großen Bogen verleiht. Die Anlage der Sätze entspricht (auch im Ausdruck) dem Aufbau der Symphonien. Dennoch ist das Werk kammermusikalisch gearbeitet, und ein besonderer Reiz liegt darin, dass sich hier die musikalischen Entwicklungen ohne Ablenkung durch das monumentale Pathos des großen Orchesters hören lassen. Im Scherzo und im Finale allerdings ist die Verbindung von leichter, offenbar verspielt-musikantisch gedachter Motivik und symphonisch geprägten Bauplan holprig wohl auch ein Grund, warum das Stück kaum gespielt wird. Ein kleines Wunder ist jedoch der langsame Satz, der auf die siebente Symphonie vorausweist 14 entrückte Minuten, die zum besten gehören, was Bruckner komponiert hat (und die allein schon den Kauf dieser CD rechtfertigen). Das vorzügliche Leipziger Streichquartett, in der zusätzlichen Violastimme verstärkt durch Hartmut Rohde, spielt schnörkellos und abgeklärt. Der Klang ist flächig und eher streng als expressiv. Damit treffen die Musiker wunderbar den Ton, der die Aura der Symphonien im Hintergrund erahnen lässt, aber nie zu imitieren versucht. Nicht zuletzt durch die hervorragende Aufnahmequalität ist eine sehr unmittelbare, im wahrsten Sinne atmende Aufnahme (denn man hört die Musiker atmen) entstanden, deren einziges Manko es ist, dass nicht auch das für das Quintett nachkomponierte Intermezzo eingespielt wurde (dem Auftraggeber war das Scherzo zu schwierig, weshalb Bruckner es ersetzte) dafür hätte man auch auf das gefällige, aber eben doch akademische Quartett c-Moll verzichten können, das mehr vom handwerklichen Können des Komponisten als von dessen Stil erzählt. Ihre MeinungSchreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
![]() Anton Bruckner (1824 - 1896) Streichquintett F-Dur Streichquartett c-Moll Leipziger Streichquartett Andreas Seidel, Violine Tilman Büning, Violine Ivo Bauer, Viola Matthias Moosdorf, Violoncello Hartmut Rohde, Viola MDG 307 1297-2 Weitere Informationen www.mdg.de |