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Helmut Lachemann:

Allegro sostenuto
Serynade




Spielfreude ohne Töne

Von Gordon Kampe

Das Label „Kairos“ legt nun, nach einer CD mit Ensemble-Musik (vgl. dazu unsere Rezension), eine weitere CD mit Stücken von Helmut Lachenmann vor. Zwei Kammermusikwerke sind auf ihr enthalten: das „Allegro sostenuto“ für Klarinette, Violoncello und Klavier aus den Jahren 1987-1988 und eines der neuesten Stücke Lachenmanns, nämlich seine „Serynade“, eingespielt von seiner Frau, der phänomenalen Pianistin Yukiko Sugawara.

Nein. Helmut Lachenmann macht es dem Hörer nicht leicht, zumal bei einer Aufnahme, die noch viel mehr das Ohr auf die reine Musik lenkt, als es durch visuelle Eindrücke abzulenken, die bei Lachenmanns Musik ja ohnehin sehr stark sind - schließlich müssen die Interpreten ihren Instrumenten doch zahlreiche neue Klänge entlocken, bei deren Entstehung auch das Auge seine Freude haben kann. Lachenmann will eine Musik schaffen, die nachvollziehbar ist, allein durch ihre klare kompositionstechnische Konsequenz und ihre Freiheit von allen Zwängen, in die sich das Ohr im Laufe seiner „Sozialisation“ ergeben hat. Insofern ist Helmut Lachenmann einer der wenigen, der wirklich und im wahrsten Sinne des Wortes, „Neue Musik“ geschaffen hat. Dieses ist zumindest der Eindruck beim ersten Hören oder Sehen eines Werkes wie dem „Allegro sostenuto.“ Das Werk ist von ungemeiner Virtuosität, es beweist die große Fantasie und Vorstellungskraft des Komponisten, doch scheint es manchmal, als bleibe es bei dieser Virtuosität, die lediglich eine Art Negativ von längst bekannten Musiken ist. Eine Spielfreude und Verspieltheit wie bei den Komponisten des Neoklassizismus, nur ohne Töne...

Unter diesem Aspekt betrachtet, fällt auch ein wenig die doch manchmal zu mystisch erhobene Gestalt des ewigen Verweigerers Lachenmann. Die Aufnahme des Allegro sostenuto mit Shizuyo Oka (Klarinette), Lucas Fels (Violoncello) und Yukiko Sugawara (Klavier) sucht allerdings ihresgleichen. Trotz der, für ein solch sperriges Werk, langen Spieldauer von über 35 Minuten, gibt es keine interpretatorischen Löcher. Die Interpreten (und natürlich auch die Produzenten der CD), haben die Meisterschaft bewiesen, einen schon beim ersten Hören erkennbaren musikalischen Bogen zu schlagen. Alle drei Musiker beweisen höchste Virtuosität in der Erzeugung der von Lachenmann geforderten Klänge und wissen sie als musikalische Substanz und nicht als interessanten Effekt einzusetzen.

Die Serynade von Helmut Lachenmann führt nun in gänzlich andere Regionen der Musik. Einzelne, vereinzelte Klänge und Akkorde werden unnachgiebig hintereinander gesetzt, wobei jeder Klang durch höchst differenzierte Anschlagsnouancen und Pedalisierungen zu erklingen haben. Dadurch soll der eigentlich naturgegebene Ausklang des Klaviers verhindert werden. Nur selten kommt es zu Veränderungen, schon deshalb ist hier Yukiko Sugawaras ständige Spannung und Ausdauer zu bewundern. Was technisch im Studio leichter herzustellen ist, sind doch Pausen möglich, vermag Sugawara auch live zu realisieren: Auch dieses Stück ist, mit etwa 33 Minuten, ziemlich lang, sind doch die Abweichungen minimal. Ist „lang“ auch eigentlich keine zu kritisierende Kategorie, ist genau die Länge das Problem des Stückes. Im Gegensatz zu Stücken Feldmans oder Nonos haben Lachenmanns Längen in seiner Serynade weniger Leben, Differenzierung hin oder her: das Stück ist langweilig. Im Gegensatz zur Vorgänger-CD mit Lachenmann Werken, ist diese Produktion sehr viel sperriger. Die Interpreten beweisen nachhaltig ihre Ausnahmestellung, deshalb lohnt sich diese CD durchaus.


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Cover



Helmut Lachemann

Allegro sostenuto
Serynade


Shizuyo Oka (Klarinette)
Lucas Fels (Violoncello)
Yukiko Sugawara (Klavier)

KAIROS 0012212



Da capo al Fine

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