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Neue CDs - Klassik |
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"Eckpfeiler" dieser CD sind die Overtüren zu den frühen Opern Das Liebesverbot am Anfang und Rienzi am Ende der Aufnahme: Vorspiele zu einer komischen und einer großen heroischen Oper, Gattungen, die Wagner später nie wieder aufgegriffen hat (auch die Meistersinger entsprechen wohl kaum den traditionellen Vorstellungen von einer komischen Oper). Beide Overtüren lassen nicht unbedingt erkennen, wohin sich Wagner später entwickeln sollte, auch wenn die bürgerliche Wunschvorstellung von der gradlienigen Entwicklung des Genies dieses suggerieren möchten. Paradoxerweise macht gerade die Andersartigkeit insbesondere der Liebesverbot-Overtüre deren Reiz aus: Die Qualität der Musik spricht für sich, auch ohne das man die späteren Opern darin zu erahnen sucht. Man stelle sich vor (und die vorliegende Aufnahme regt zu solchen Vorstellungen an), Wagner hätte mit dieser Oper Erfolg gehabt und fortan nur noch Lustspiele vertont...
Dazwischen stehen die Symphonie E-Dur von 1834 und die Faust-Overtüre, ursprünglich als Symphonie geplant, aber nie vollständig ausgeführt und inklusive Umarbeitungen zwischen 1839 und 1855 entstanden. In allen Werken wird die Tradition deutlich, aus der Wagner kommt: Beethoven, Weber, Mendelssohn, aber (im Rienzi) auch Meyerbeer. Solche Erkenntnis ist nicht unbedingt neu, aber in der Interpretation des Philadelphia Orchestra unter der Leitung von Wolfgang Sawallisch, die jeden falschen Heroismus vermeidet, allemal anregend. Musikalischer Höhepunkt sind die Wesendonck-Lieder in der Instrumentation von Hans Werner Henze. Im Gegensatz zu Felix Mottls Bearbeitung der ursprünglich nur vom Klavier begleiteten Lieder für großes Orchester betont Henze das kammermusikalische Moment. Klingt die Mottl-Fassung nach schlechtem Tristan, so bekommen die Lieder in der Henze-Bearbeitung eine ganz andere Intention: Dem "schweren", monumentalen Wagner wird ein filigranes Werk entgegengesetzt, das sich durchaus eigenständig neben den großen Werken behaupten kann. Marjana Lipovsek singt klangschön und angemessen schlicht und trifft damit den Charakter der Lieder ausgezeichnet.
Fazit: Eine erfrischend unpathetische Wagner-CD, die neues Licht auf den Komponisten wirft. Aber auch eine CD mit viel schöner Musik, die anzuhören einfach Spaß macht.
Richard Wagner: Overtüren zu Das Liebesverbot und Rienzi, Eine Faust-Overtüre, Symphonie E-Dur, 5 Lieder nach Gedichten von Mathilde Wesendonck (Instrumentation: Hans Werner Henze)
Marjana Lipovsek, Mezzosopran
The Philadelphia Orchestra, Ltg.: Wolfgang Sawallisch
EMI-7234 5 56165 2 4