Online CDs
Klassik
Homepage  zurück  e-mail  Impressum



Claude Debussy
Prélude à l'après-midi d'un faune
La Mer
La Boite à joujoux

Drei Preludes

Das Tor zur Moderne


Von Stefan Schmöe

Die Bezeichnung „Impressionist“ empfand Claude Debussy als Schimpfwort. Wenn man damit eine allzu vage, unscharf konstruierte Musik verbindet, dann belehrt Simon Rattle mit seiner Neueinspielung von zwei der wichtigsten Orchesterwerke Debussys, dem Prélude à l'après-midi d'un faune und La mer, eines Besseren und erfindet den Impressionismus quasi neu, und zwar in einer Art, mit der Debussy sicher einverstanden gewesen wäre. Rattle gibt dieser großartigen Musik klare symphonische Strukturen, und Unschärfe hat hier nichts mit Ungenauigkeit zu tun. Beim Hören hat man den Eindruck, einem klaren Formplan zu folgen, der sich zwar von traditionellen Satzstrukturen löst, aber keinesfalls unbestimmt ist. Dennoch bleiben die Freiheiten, die das „Impressionistische“ im positiven Sinn ausmachen, erhalten.

Die Aufnahme kann man auch als klingende Visitenkarte der Berliner Philharmoniker hören, die sich in blendender Verfassung zeigen, allen voran die exzellenten Holzbläser. Emmanuel Pahud spielt die Flötensoli im Preludes à l'après-midi d'un faune mit intensivem, körperlichem Klang und nimmt sich genau das richtige Maß an rhythmischer Beweglichkeit. Ebenbürtig ist die Solo-Oboe (der Solist ist im Booklet nicht genannt), die hinreißend die musikalische Linie fortspinnt und hier stellvertretend für alle Musiker dieses Ausnahmeorchester genannt sein soll. Durchweg ist der Orchesterklang, auch im Tutti, griffig und prägnant und gibt der Musik deutliche Konturen.

Rattle denkt die Musik in großen Bögen, in die alle Details sinngebend eingebaut sind. So läuft De l'aube à midi sur la mer aus La Mer zielstrebig auf die Fanfare am Ende des Satzes hin. Durch solche Stringenz, verbunden mit der Sinnlichkeit des Klanges, wird deutlich, dass beide Werke Meilensteine der Musikgeschichte sind, die mit Nachdruck die Moderne einläuten.

Die anderen Werke der CD, das Ballett für Kinder La Boîte à joujoux und drei der Preludes für Klavier, instrumentiert von Colin Matthews, haben zwar nicht den Rang der oben genannten Werke, bilden aber eine attraktive Ergänzung. Die Ballettmusik hat Debussy nicht mehr selbst instrumentiert, sondern nach Fertigstellung des Klavierauszugs 1913 und der Orchestrierung der ersten Seiten abgebrochen – fertig gestellt wurde die Orchesterfassung nach dem Tod des Komponisten 1918 von André Caplet. Das zitatenreiche Werk ist seiner Funktion als Ballett wegen „handfester“ als etwa La Mer, aber in seiner kammermusikalisch klaren und trotzdem sehr farbigen Art reizvoll und der Wiederentdeckung wert.

Die Preludes leben in der originalen Fassung vom Farbreichtum des Klaviers, das andere Klangvorstellungen weckt als ein Orchester. Diese Dimension geht in Colin Matthews Bearbeitung für großes Orchester(für das Hallé Orchestra hat Matthews alle Preludes instrumentiert), so interessant die Klänge im einzelnen auch sind, verloren. Die Orchestrierung verleiht manchem Detail eine Bedeutung, die es innerhalb der Satzstruktur nicht besitzt, und so klingt die Musik in dieser Fassung (anders als im Original) unfertig. Da bleiben diese drei kurzen Stücke gern gehörte Zugaben auf einer grandiosen CD.

Ihre Meinung
Schreiben Sie uns einen Leserbrief
(Veröffentlichung vorbehalten)





Claude Debussy

Prélude à l'après-midi d'un faune

La Mer

La Boite à joujoux

(Orchestrierung André Caplet)

Drei Preludes
(Orchestrierung Colin Matthew):
Ce qu'a vu le vent d'ouest
Feuilles mortes
Feux d'artifice


Berliner Philharmoniker
Ltg.: Sir Simon Rattle

EMI 7243 5 58045 2 5


Weitere Informationen
www.emiclassics.de
www.simonrattle.co.uk






Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Rock-Pop-Startseite E-Mail Impressum

© 2005 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: cds@omm.de

- Fine -