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Georg Friedrich Händel
Messiah (Der Messias)

Nach innen gerichteter Jubel


Von Stefan Schmöe

Das „Hallelujah“ aus Händels Messias hat einen Grad der Popularität erreicht, der mit einer Trivialisierung einher geht – die Anfangstakte können, aus Tausenden begeisterter Kehlen gegrölt, auch einem Fußballmatch die passende Stimmung verleihen. Hört man dagegen dieses Stück in der Neueinspielung durch Nikolaus Harnoncourt mit dem exzellenten Arnold Schoenberg Chor und dem nicht minder großartigen Concentus Musicus Wien, stockt einem zunächst der Atem: Statt mit der großen, triumphalen Geste beginnt das Stück mit fließenden Legato-Bögen verhalten im Piano. Allmählich entwickelt sich die Musik in einem gigantischen Crescendo hin zum strahlenden Ende, aber die zwingende Wirkung dieses introvertierten Beginns ist ungeheuerlich. Man begreift die persönliche, individuelle Dimension des Heilsgeschehens, von dem hier berichtet wird, und in dieser Konsequenz ist nicht der äußere Glanz der Musik das Entscheidende, sondern das eigene Erfülltsein: Der Jubel ist nach innen gerichtet.

Diese Stelle ist charakteristisch für eine grandiose Einspielung, die das Werk immer wieder neu entdecken lässt. Harnoncourt hat mit geradezu unheimlicher Akribie im Detail gearbeitet, und winzige Nuancierungen, Zäsuren oder Akzentuierungen verleihen der Musik eine Bedeutung, die jede einzelne Note unverzichtbar macht. Man kann den Messias hier als zweistündige Predigt auffassen, bei der es in der Tat auf jedes Wort, und mehr noch: auf die Betonung jedes Wortes (und eine Instrumentallinie darf man hier getrost als „Wort“ auffassen) ankommt. Der Begriff „Klangrede“ erhält hier eine in dieser Form kaum dagewesene Bedeutung.

Die Einspielung ist auf eine fast beiläufige Art virtuos. Perfektion wäre der falsche Ausdruck, weil Harnoncourt keineswegs darauf aus ist. Vielmehr geht es um eine unmittelbare Lebendigkeit, die Chor und Orchester mit Selbstverständlichkeit wie mit Natürlichkeit zum Ausdruck bringen. Dabei ist der Klang grundsätzlich warm und weich. Durch unterschiedlich starke Streicherbesetzungen variiert Harnoncourt das Klangspektrum vom kammermusikalisch kleinen bis zum vollen Oratorienklang. Und auch dabei sind oft die ganz kleinen Veränderungen die eindrucksvollsten, weil sie der Musik tieferen Sinn verleihen.

Wollte man einen Schwachpunkt der Aufnahme ausmachen, er läge am ehesten beim Solistenquartett. Alle vier passen sich ausgezeichnet in das Interpretationskonzept ein und gestalten ihre Partien äußerst differenziert. Stimmlich könnte man sich von Christine Schäfer einen dem Weltlichen noch entrückteren Sopran wünschen, von Anna Larssons Alt mehr Klarheit, von Tenor Michael Schade mehr Standfestigkeit in der hohen Lage und von Gerald Finley mehr Nachdruck, wenn er von der „letzten Posaune“ singt. So bilden die vier ein ordentliches (und gut integriertes), aber kein glänzendes Ensemble. Der Schwerpunkt liegt dadurch eindeutig bei den Chorpartien. Die aber sind von einer derart bestechenden Qualität, dass sie diese kleinen Abstriche mehr als wettmachen. Dass der Aufnahme ordentliche Begleittexte beigegeben sind, versteht sich bei Harnoncourt fast von selbst.

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Georg Friedrich Händel
Messiah (Der Messias)
Oratorium in drei Teilen
Text von Charles Jennens nach der Heiligen Schrift

Christine Schäfer, Sopran
Anna Larsson, Alt
Michael Schade, Tenor
Gerald Finley, Bass

Arnold Schoenberg Chor
Concentus Musikus Wien

Dirigent: Nikolaus Harnoncourt

Aufnahme: 17.-21.12.2004,
Musikvereinssaal Wien (live recording)

2 CD (SACD)
deutsche harmonia mundi
82876 64070 2 © + (P) 2005 
SONY BMG Music Entertainment

Weitere Informationen
www.sonybmgmasterworks.de






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