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Daniel Hope
Spheres

Sphärische Musikhäppchen zum Abschalten

Von Stefan Schmöe

Seine seit langem gehegte Faszination für die Sterne - und für „Sphärenmusik“ - hat Daniel Hope dazu bewogen, dieses Album mit dem Titel Spheres (Sphären) aufzunehmen. So ungefähr steht es im Booklet, aber man sollte das wohl eher unter dem Aspekt "Marketing" verbuchen – nur einige wenige der insgesamt 16 kurzen Kompositionen lassen sich unter dieses Thema fassen. Aber was soll's, Daniel Hope ist ein exzellenter Musiker, und der klare, "gläserne" Ton seiner Violine immer wieder faszinierend. Auch ist es ja durchaus reizvoll, Preziosen jenseits des gängigen Repertoires zu hören zu bekommen – im Prinzip jedenfalls. Nur ist hier die Mischung allzu nah am Kitsch.

Die Imitatione della campane von Johann Paul von Westhoff (1656 – 1705) aus dessen Sonate Nr. 3 wäre durchaus der Wiederentdeckung wert – und zwar die gesamte Sonate in der Originalfassung (wobei es auf Youtube auch eine ganz hübsch verjazzte Version von Hope gibt). Auf dieser CD wird den hoch virtuosen Arpeggien jedoch ein Streichorchester unterlegt und die Musik unnötig weichgespült. Das ist bei den beiden je etwa fünfminütigen Kompositionen von Ludovico Ainaudi (* 1955) gar nicht nötig – das ist ohnehin schon Wohlfühlmusik mit eingängigen (und vielfach wiederholten) Melodiebröckchen und überraschungsfreier Harmonisierung. Philipp Glass' Echorus ist, obwohl den gefälligeren Gefilden der Minimal Music entsprungen, nicht ganz so anbiedernd. Von Elena Kats-Chernin (*1957) gibt es mit Eliza Aria ein hübsches Stückchen für Violione und Klavier (das ein wenig an Debussys Children Corner erinnert). Michael Nymans Filmmusik Trysting Fields (zu Greenaways Drowning by Numbers) und zwei leicht schwülstige Stückchen für Violine und Orchester von Alex Baranowski (*1983) runden dieses Panorama an Wellness-Musiken ab.

Wem das an (Neo-)Romantik noch nicht reicht, der bekommt noch drei Nummern mit Chor geboten: Ein gefühliges Lento mit raunenden Vokalisen von Aleksey Igudesman (*1973), Gabriel Faurés hübsch dahinfließenden, ziemlich plüschigen Cantique de Jean Racine und – mehr Gefühl geht wirklich nicht - ein süßliches Benedictus (aus The armed man – mass for peace, was ja schon Kraft des Titels gut ist) von Karl Jenkins (*1944).

Die Fratres des kauzigen Arvo Pärt (mit 11:37 das längste Stück auf der CD) gehören ja schon zu den Klassikern der jüngeren Moderne und werden hier immerhin angenehm kratzbürstig interpretiert. Bachs e-Moll-Präludium aus dem Wohltemperierten Klavier in einer Fassung für Streichtrio ist noch deutlich stärker jazznah gegen den Strich interpretiert und hat dadurch seinen eigenen Reiz.

Ausgerechnet die in ihrer Mehrschichtigkeit interessante Komposition Spheres von Gabriel Prokoviev (einem Enkel Sergej Prokofievs), die dem Titel nach ja programmatisch sein sollte, schert aus diesem harmoniebedürftigen, selten von Dissonanzen gestörten Kosmos zwischen New Age und Esoterik aus. Berlin by Overnight für Violine und Kontrabass (mit 1:34 das kürzeste Stück) ist eine rhythmisch vertrackte Reminiszens an Bachs Präludien für Solo-Violine und nicht ohne Charme. Zwei der 24 Preludes für Violine und Klavier op. 24 von Lena Auerbach (*1973) sind trotz ihres etwas überspannten neoromantischen Gestus mit Anklängen an Schostakowitschs Verfremdungen immerhin so reizvoll, dass sie neugierig auf die 22 weiteren machen.

Ob die Mischung dieser Miniaturen nun so etwas wie produktive Spannung erzeugen soll oder Ausdruck einer Wegzapp-Mentalität ist, die ohnehin Kontraste kaum mehr wahrnimmt, bleibt unklar. Ohne Frage aber ist das mehrheitlich Musik zum Abschalten – ob man das im Sinne von "entspannen" oder "CD wechseln" auffasst, bleibt zum Glück jedem Hörer selbst überlassen.

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Daniel Hope:
Spheres


Daniel Hope, Violine

Jacques Ammon, Klavier
Chié Peters, Violine
Juan Lucas Aisemberg, Viola
Christiane Starke, Cello
Jochen Carls, Kontrabass
Deutsches Kammerorchester Berlin

Mitglieder des Rundfunkchores Berlin

Dirigent: Simon Halsey


1. J.P. von Westhoff (1656 – 1705): Imitazione delle Campane  (Arr.: Christian Badzura) 2:24
2. L. Einaudi (*1955): I giorni 5:37
3. P. Glass (*1937): Echorus 5:51
4. G. Faure: (1845 - 1924): Cantique de Jean Racine op. 11 4:15
5. L. Auerbach (*1973): Adagio Sognando (aus 24 Preludes für Violine und Klavier) 1:37
6. A.Pärt (*1935): Fratres 11:37
7. E. Hats-Chernin (*1957): Eliza Aria (aus Wild Swan Suite) 3:08
8. A. Baranowski (*1983): Musica universalis 2:33
9. G.Prokofjev (*1975): Spheres 3:52
10. M. Richter (*1966): Berlin by overnight 1:34
11. A.Baranowski (*1983): Biafra 2:10
12. A. Igudesman (*1973): Lento 3:34
13. L. Einausdi (*1955): Passagio 4:35
14. L. Auerbach (*1973): Andante (aus 24 Preludes für Violine und Klavier) 3:14
15. K. Jenkins (*1944): Benedictus (aus The armed man) 5:46
16. J.S. Bach (1685 - 1750): Präludium e-Moll BWV 855 2:59
17. M. Nyman (*1944): Trysting fields (aus Drowning by Numbers 5:16
18. K. Gundelach (*1966): Faust - Episode 2 - Nachspiel 3:48

Gesamtspielzeit: 74:46


Deutsche Grammophon 479 0571


Weitere Informationen
www.deutschegrammophon.com




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