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CDs Klassik |
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Mythologische Hochzeitsgrüße mit opernhaftem WitzWer vom Komponieren leben will und das auch noch gut der muss wenigstens Teile seines schöpferischen Impetus den herrschenden Marktgesetzen unterwerfen: Wes Brot ich ess, des Lied ich schreib. Wer fürstlich speisen will und einem Gourmet vom Schlage Rossinis darf das wohl unterstellt werden der erfülle tunlichst auch die abwegigeren musikalischen Wünsche finanziell potenter Aristokraten. Dass solche ökonomischen Abhängigkeitsverhältnisse die Schaffenskraft des idealistischen Künstlers beeinträchtigen, ist ein romantischer Gemeinplatz, aber nur in relativ wenigen Fällen wirklich nachweisbar. Ob Andrew Lloyd-Webber lieber atonale Fagottsonaten schreiben würde als sein Talent an Erfolgsmusicals zu vergeuden, das darf wohl bezweifelt werden, und hätte ABBA lieber minimalistische James-Joyce-Vertonungen kreiert, anstatt die Discotheken zu erobern? Unwahrscheinlich. Und wenn doch jemand etwas so verqueres wie den Tristan komponieren zu müssen meint, tut er gut daran, sich rechtzeitig mit einer bedingungslos treu ergebenen Anhängerschaft zu umgeben, darunter am besten einen durchgeknallten Monarchen. Womit sich der Kreis schließt: Für ein märchenhaftes Entgelt darf man schon mal Zugeständnisse machen. Märchenhaft muss im Jahr 1816 die Hochzeit von Maria Carolina, Enkelin des soeben von Napoleon wieder inthronisierten Bourbonenkönigs Ferdinand IV., mit dem Herzog von Berry, Sohn des späteren französischen Königs Karl X. von Frankreich, gewesen sein. Rossini hatte für dieses Ereignis den (sicher lukrativen) Auftrag, eine Huldigungskantate mythologischen Inhalts Le nozze die Teti, e di Peleo (Die Hochzeit von Thetis und Peleus) in Musik zu setzen, die am 24. April 1816 in Neapel im Rahmen der Feierlichkeiten mit allerlei Brimborium uraufgeführt wurde. Musikalisch löste der erfolgreiche Opernkomponist die Aufgabe brillant, sich selbst oft mehr oder minder deutlich zitierend. Dass Rossini einen opernhaften Gestus (und zwar überwiegend komischen Charakters) wählte, versteht sich fast von selbst. Das Ergebnis sind 45 Minuten bester Unterhaltungsmusik. Nur auf den Text sollte man besser nicht achten, den der ist sterbenslangweilig. Soviel zu den künstlerischen Zugeständnissen. Mit Koloraturwunder Cecilia Bartoli, die zudem überlegen phrasiert und sich mit leicht verhangener Stimme ganz im Sinne der Dramaturgie des Werkes dem leuchtenden Sopran von Elisabetta Scano unterordnet, ist die vorliegende CD-Einspielung in den Frauenstimmen glänzend besetzt. Der etwas angestrengte Tenor von Juan Diego Flórez fällt dagegen deutlich ab. Riccardo Chaily und das Orchester der Scala begleiten das Spektakel mit Brillanz und dem nötigen theatralischen Effekt. In ihre Bemühen, die heute praktisch vergessenen Kantaten Rossinis wieder zugänglich zu machen, hat die Decca als Ergänzung eine musikalische Hausaufgabe aus Rossinis Studienzeit beigefügt, nämlich die 1808 entstandene Kantate Il pianto dÀrmonia sulla morte di Orfeo (Die Klage der Armonia über Orpheus' Tod). Von Interesse ist die Komposition für Tenor, Chor und Orchester mehr unter enzyklopädischen als unter absolut-künstlerischen Gesichtspunkten. Rossini deutet seinen späteren Erfolgsstil in einigen Details an, verbleibt aber weitgehend in getragenem und recht akademischem Tonfall. Eine hübsche Talentprobe, als Lückenfüller auf dieser CD durchaus sinnvoll platziert. Man ahnt den Erfolgskomponisten der kommenden 20 Jahre (der es sich bei seinem Können künstlerisch durchaus leisten konnte, für gutes Geld textlichen Schund zu vertonen). Tenor Paul Austin Kelly beweint den Orpheus mit schöner, aber in ihren Gestaltungsmöglichkeiten recht eingeschränkten Stimme. Von Stefan Schmöe |
Gioachino Rossini: Le nozze die Teti, e di Peleo (Die Hochzeit von Thetis und Peleus) Teti: Elisabetta Scano, Sopran Peleo: Juan Diego Flórez, Tenor Cerere: Cecilia Bartoli, Mezzosopran Gionone: Daniela Barcellona, Alt Giove: Luigi Petroni, Tenor Il pianto d'Armonia sulla morte di Orfeo (Die Klage der Armonia über Orpheus' Tod) Armonia: Paul Austin Kelly, Tenor Coro Filarmonico Della Scala Orchestra Filarmonica Della Scala Ltg.: Riccardo Chailly Decca 466 328-2 |
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