Georg Philipp Telemann:
Triosonaten
Durchaus keine Massenware
Von Christoph Wurzel
Telemann war nun wirklich ein Vielschreiber seiner Zunft. Überliefert sind von ihm fast 3000 Einzelwerke, zahlreiche gelten darüber hinaus als verschollen.
Man komponierte vor 300 Jahren nicht für die Ewigkeit, auch war der Gedanke an den genialen Individualismus des Künstlers noch fremd. Komponisten mussten sich dem Geschmack des Publikums anpassen und in dem Stil schreiben, der gerade en vogue war. Musik war also Gebrauchsmusik. Aber nur Qualität verbürgte einen guten Verkaufserlös der Noten und damit ein erträgliches Auskommen für den Komponisten. Copyright gab es nicht, also wurde auch drauflos plagiiert.
Das große Vorbild der Musiker um die Jahrhundertwende 1700 war Arcangelo Corelli. Zu ihm pilgerte sogar Händel, um von seinem Komponierstil zu lernen. Corelli hatte Maßstäbe vor allem im Bereich des Concerto grosso gesetzt, aber auch in der Form der vom Bass begleiteten Sonate für Einzelinstrumente, der sog. Triosonate.
Telemann, ca 30 Jahre jünger als der Italiener, muss dessen Musik nicht nur geschätzt haben, er dürfte sich auch ausgerechnet haben, dass er, wenn er im Stile des Großmeisters schreibt, seine Werke noch besser absetzen kann, die er übrigens größtenteils im Selbstverlag herausbrachte.
Die CD enthält 7 Triosonaten in den unterschiedlichen Besetzungen Flöte und Gambe mit Basso continuo. Darunter finden sich zwei Sonaten, die im Stil Corellis komponiert sind. Mit ihren tänzerischen Sätzen atmen sie noch ganz vernehmbar den Geist der barocken Suite. Sie sind auf großen Ton und feierliches Pathos angelegt. Virtuoses Spiel drängt sich vor, die Satzschlüsse sind doch recht floskelhaft. Dennoch prägt Telemann auch dieser vorgefundenen Form seine Handschrift auf. Im 1. Satz der Sonate in D-Dur ist es eine pastorale Stimmung und in der folgenden Corrente wird das Thema mit zahlreichen kunstvollen Verzierungen umspielt.
Dennoch wirken diese Werke weniger interessant als die übrigen 5 Werke, die deutlich einen ausgeprägten Individualstil verraten und eine ausgefeilte Klangrede entfalten, wie das melancholische Zwiegespräch zwischen Gambe und dem obligatem Cembalo, in das sich die Musik im Largo des G-Dur Trios versenkt.
Die Perle allerdings auf dieser CD dürfte die Sonate in g-moll für Altblockflöte, Diskantgambe und Basso continuo sein. Hier wird spürbar, welche modernen Züge Telemanns Musik enthält und wie weit sie schon vorweist auf die Empfindsamkeit und die Intimität der frühen bürgerlichen Musik. Klagend ist die abfallende Melodie der Flöte im Soave ma non adagio, in der Zwiesprache zwischen Flöte und Gambe in Largo können die Gegensätze nicht aufgehoben werden. Originell, fast schon etwas jazzig ist das synkopierte, rassige Allegro des Schlusssatzes.
Das Ensemble La Capriola, vier Musiker und Musikerinnen aus dem Raum Göttingen – Kassel, haben mit dieser Einspielung ihre zweite CD vorgelegt. Sie sind spezialisiert auf die Musik des 17. und 18 Jahrhunderts. Eine Canzone Frescobaldis ist der Namensgeber dieses Ensembles. Auf dieser CD zeigen sie sich auf der Höhe der Interpretationskunst Alter Musik. Ihr Spiel ist leicht und federnd, dabei nie manieriert oder vordergründig virtuos.
Sehr präsent sind die einzelnen Stimmen, der Gedanke des Concertierens prägt das Spiel. Die Flöten sind angenehm weich im Ton, die Gamben von warmer Fülle.
Besonders beeindruckt das obligate Cembalo, bei dem es sich um den Nachbau eines Instruments handelt, das im Bachhaus zu Eisenach aufbewahrt wird. Es besitzt zwei Resonanzböden und weist einen vollen, warmen, sehr farbenreichen Klang auf, der das oft unterschätzte Cembalo zu einem prächtigen Konzertinstrument erhebt.
Diese Musik ist alles andere als Massenware. Sie lädt zum Hören, zum Zu-Hören ein und lässt in Telemanns Musik Preziosen der frühen Kammermusik entdecken.
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Georg Philipp Telemann:
Triosonaten
Corellisierende Sonate Nr. 6 D–Dur
für 2 Voiceflutes und b.c. TWV 42:D8
Trio G–Dur für Viola da Gamba,
obligates Cembalo und b.c.
TWV 42: G6
Concerto I D–Dur für Voiceflute
und obligates Cembalo TWV 42: D6
Sonate g–moll für Alt-Blockflöte,
Diskantgambe und b.c. TWV 42: g9
Concerto VI a–moll für Voiceflute,
obligates Cembalo und b.c. TWV 42: a2
Sonate d – moll für Alt-Blockflöte,
Diskantgambe und b.c. TWV 42: d7
Corellisierende Sonate Nr. 3 d–moll
(orig. h – moll) für 2 Altblockflöten
und b.c. TWV 42: h3
Ensemble La Capriola:
Joachim Arndt,
Altblockflöte,Voiceflue und Cembalo
Angela Hug,
Altblockflöte und Voiceflute
Anne Sabin,
Diskantgambe und Bassgambe
Claudia Schweitzer,
Cembalo
Aufnahmen: 2. - 4. Januar 2001
im Kloster Haydau, Altmorschen
BELLA MUSICA bcc 0909
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