Tommy Smith Sextet
evolution
6 x 24 Karat
Von
Frank Becker
"Jazz
+ Lyrik" war schon immer ein Thema, denn hier finden zwei ausgesprochen
kreative Genres zueinanander. Den Boden für die jüngste CD des
englischen Tenorsaxophonisten Tommy Smith (*1967 in Luton) gaben
Gedichte des gefeierten schottischen Lyrikers Edwin Morgan (*1920 in
Glasgow), mit dem den in Edinburgh aufgewachsenen Musiker nicht nur
gemeinsame Auftritte verbinden. Beide Männer sind am 27. April unter
dem Sternbild des Stier geboren. Wenn zwei solcherart verwandte Seelen
aufeinander treffen, kann das zu erstaunlichen Ergebnissen führen. So
geschehen bei "evolution" des Tommy Smith Sextet.
Sechs
Stücke hat Smith, seit 1995 musikalischer Leiter des "Scottish National
Jazz Orchestra", für "evolution" geschrieben und sich für die
Einspielung einer hochkarätigen Besetzung versichert - in dieser
Zusammensetzung ein in der Tat sensationelles Sextett (siehe
Besetzungsliste in der Spalte rechts). Ungewöhnlich auf den ersten
Blick das Zusammenwirken zweier Tenorsaxophone. Joe Lovano und Smith
stehen sich dabei jedoch nicht im Weg, sondern kongenial zur Seite.
Schon das erste Stück "Woodstock" featured in ruhigem Temperament und
delikaten Soli zunächst John Scofields Gitarre, dann John Taylor, den
wir erst kürzlich mit seinem Album "Where Do We Go From Here?"
vorstellten und John Patituccis sensiblen Bass.
Das
glasklar konzipierte Album kann sich mit Fug und Recht in die Galerie
des Besten des zeitgenössischen Jazz einreihen. "Easter Island"
besticht mit seiner meditativen Gelassenheit, von Smith und Stewart
gestaltet und von Taylor umrankt, Dramatik schwingt in "Lisbon
Earthquake", das die Saxophone nebeneinander bestehen lässt und Tempo
ins Spiel bringt. Mystisch und bedrohlich, dann wieder besinnlich wirkt
"Siege Of Leningrad", seinem Titel angemessen. Heiter bewegt löst
"Sputnik´s Tale" den dramatischen Knoten und featured noch einmal alle
Solisten - denn Solisten sind auch die Sidemen dieser außergewöhnlichen
Formation - bevor sich das "evolution"-Team auf die poetische Reise zu
"Barnard´s Star" macht. Ein gelungenes Album, das seinen Platz in den
Jazz-Charts sicher hat.
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