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Till Brönner
Till Brönner


Der Unbescheidene

Von Susanne Westerholt

Till Brönners neueste CD heisst… Till Brönner. Nach Auftritten im Show-Business als Jury-Mitglied einer TV-Casting-Show und nach dem Schreiben eines Buches kehrt der gelernte Trompeter wieder zu seiner Musik zurück. Zumindest mehr oder weniger: denn Brönner machte nun bei der Veröffentlichung seiner neuesten Scheibe vor allem mit Interviews von sich reden, in denen er beispielsweise öffentlich die angeblich fehlende musikalische Neugierde seines eigenen musikalischen Nachwuchses an der Musikhochschule kritisiert, an der er unterrichtet…

Aber zurück zur Musik: im Gegensatz zu seiner letzten CD von 2010 ist dies nun wieder eine CD ganz ohne Gesang, also mit dem, was Brönner wirklich kann, nämlich Trompete spielen. Seine Mitspieler sind zwar eher unbekannt, etwa Magnus Lindgren am Tenor-Saxophon und Roberto di Gioia am Fender Rhodes; sie passen aber sehr gut zum Sound von Brönner. Musikalisch knüpft die Scheibe an die 70er-Jahre an, in Anlehnung an die legendären Creed-Taylor-Produktionen. Nebst der technischen Brillanz ist auch der musikalische Ausdruck von Brönner in den meisten Tracks so, wie wir ihn kennen: lyrisch, mit weichem, teils flüsterndem Ansatz, nachdenklich, gar melancholisch. Das kann zum einen den Zuhörer auf Dauer ermüden oder ihm auch aufs Gemüt schlagen. Es kann zum anderen einem Musiker aber auch den Vorwurf eintragen, innerlich zu distanziert, zu überlegt und zu perfekt zu wirken. Solche Kritik bekam etwa auch Wynton Marsalis zumindest in einer bestimmten Phase seiner Karriere zu hören. (Auch Marsalis ist übrigens Professor für Trompete, was Kritiker der Perfektion dann gerne noch betonen.)

Gibt es auf der neuen Scheibe auch etwas Neues zu hören? Etwas, das wir bei Brönner so noch nicht gehört haben? Ja, vielleicht. In The Gate spielt er endlich mal mit grösserem Ambitus. Gipfelstürme wie bei Arturo Sandoval sind es nicht unbedingt, aber hier kommt Brönner aus seiner „ewigen“ mittleren Lage heraus und es schimmert durch, was er tatsächlich drauf hat: richtig grossen Jazz!

Angesichts dieser überzeugenden Performance in The Gate kann man eigentlich nicht verstehen, weshalb Brönner bis jetzt so häufig in der mittleren Lage verharrte und sich damit klanglich und künstlerisch letztlich selbst einschränkt hat. In den Höhen wirkt sein Spiel nämlich enorm kräftig und bildet einen faszinierenden Kontrast zu seinem lyrischen Ausdruck in der mittleren Lage.

Einige Tracks der neuen CD hat Brönner übrigens selbst geschrieben; er scheint dafür ein Händchen zu haben und zeigt, dass er Geschmack hat. Etwa beim Eingangstrack Will of Nature, in dem sich Trompete und Saxophon sehr schön abwechseln. Lindgren am Saxophon überzeugt dabei mit einem ausdrucksvollen Solo. Er fällt übrigens die ganze CD hindurch mit seinem ausdrucksstarken Spiel und mit gutem Rhythmusgefühl auf.

Jazz wird wie kaum eine andere Musikrichtung mit der Entfaltung des eigenen, persönlichen Stils, der eigenen Persönlichkeit und mit Individualisierung assoziiert. Vielleicht geht Till Brönner ja den Weg, den er in The Gate eingeschlagen hat weiter; dem europäischen Jazz wär's zu gönnen und an Selbstvertrauen scheint es dem Musiker ja offenbar nicht zu mangeln.

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Till Brönner:
Till Brönner


Till Brönner, Trompete

Magnus Lindren (Tenor-Sax., Flöte, Bass-Klar.)
Roberto di Gioia (Fender Rhodes, analoger Synthesizer)
Jasper Soffer (Fender Rhodes)
Bruno Müller (Gitarre)
Albert Johnson (elektrischer Bass)
Christian v. Kaphengst (elektrischer Bass)
Matteo Scrimali (Schlagzeug)
Wolfgang Haffner (Schlagzeug)
Roland Peil (Percussion)
Liam Mario (Percussion)
Tilmann Dehnhard (Flöte)



Titel:

Will Of Nature 5:17
F.F.H. 6:45
Return To The Fold 6:18
Gibraltar 4:01
Pegasus 4:11
Red Street 4:45
Condor 6:13
Lazy Afternoon 7:07
Wacky Wes 5:27
The Gate 6:13
Half Story 5:51
Once Upon A Summertime 5:33

Gesamtspielzeit: 67:54

Produziert von Till Brönner,
Samon Kawamura und Roberto di Gioia

Universal Music 10651

Weitere Informationen
www.universal-music.de/till-broenner/home
www.tillbroenner.com





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