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Dietrich Rauschtenberger
Wie wir den Free Jazz erfunden haben
Zurück zum Urknall
Von
Frank Becker
Wollen sie wissen, wie der Free Jazz wirklich entstanden ist - und wer dahinter steckt? Das Hörspiel "Wie wir den Free Jazz erfunden haben"
aus der Feder des hervorragenden Schlagzeugers, Multiinstrumentalisten,
Autors und Free Jazzers der ersten Stunde Dietrich Rauschtenberger, der
mit allen Größen der deutschen Free Jazz-Szene gespielt hat,
beantwortet die Frage schlüssig, humorvoll und so unterhaltsam, daß
auch der dieser Gattung eher ablehnend, bzw. reserviert
gegenüberstehende Musikfreund sein pures Vergnügen daran findet. Und
mit manchem befreienden Lacher des Wiedererkennens quittiert.
"Du willst die Geschichte hören? Wie ich den Free Jazz erfunden habe? Sei ehrlich, in Wirklichkeit willst Du wissen, warum
ich den Free Jazz erfunden habe. Eine Musik, die keiner hören will."
Die markante Stimme des Sprechers Rolf Becker, einer der
profiliertesten deutschen Schauspieler seit mehr als 40 Jahren (zuletzt
berührend auf arte in der skurril humorvollen Tragikomödie "Heinrich
der Säger"), fesselt den Hörer an den Lautsprecher, weckt vom ersten
Satz an das Interesse an der Antwort und hat ungeteilte Aufmerksamkeit
zur Folge. Es ist neben der bewährten Bearbeitung und Regie durch den
Hörspiel-Produzenten Dirk Peters ein Gutteil Beckers Verdienst, daß
dieses großartige Hörspiel Dietrich Rauschtenbergers seine magische
Wirkung voll entfalten kann. Hier haben sich ein brillanter
Autor/Komponist und ein Interpret von Gnaden gefunden, wie sie besser
nicht zusammengebracht werden konnten.
In 14 Kapiteln mit einer Prélude über die Schamanentrommel, unterlegt von Free Jazz-Einspielungen und mit Jazz-Intermezzi Rauschtenbergers und des Blechbläsers Christian Sade,
sowie mit authentischen Kollagen historischer O-Töne der 50er und 60er
Jahre wie dem Pausenzeichen von RIAS Berlin als Hintergrund, entwickelt
sich die wirkliche Geschichte: daß eben nicht Cecil Taylor, Ornette
Coleman, Albert Ayler "und wie die Brüder alle heißen" den Free Jazz in
New York erfunden haben. Das geschah nämlich in der ganz profanen
Wirklichkeit des Deutschen Vereinsheims in Wuppertal-Barmen, und die
Macher waren der Ich- Erzähler Paul Trombeck, Hans Notenbast und Dölfi
Kampschulte. Erste Gehversuche mit der Wandergitarre im Kohlenkeller,
dann die "Rainy Town Stompers" mit improvisiertem Schlagzeug, die
"Cocktail Combo" mit kommerzieller Tanzmusik im "Wuppertaler Hof",
Dixieland im Jazz-Club "Bohème" und schließlich die Begegnung mit dem
Bebop und seinem Gott Charlie Parker, der Trombeck und Notenbast in eine andere musikalische Dimension führte.
"Zurück
zum Urknall" - mindestens. Diese Erkenntnis führt letztlich dazu, daß
die Band bei ihrem letzten Engagement als Tanz- Combo beim Vereinfest
der Turner den Free Jazz erfindet: "Notenbast hat die Posaune als
Sprachrohr benutzt (...) Der Pianist hat eine Handvoll Tabletten
eingeworfen und mit den Füßen weitergespielt. Mir genügte das
Schlagzeug nicht mehr und ich fing an, auf allem zu trommeln, was mir
in dem Vereinsheim unter die Stöcke kam. Sogar Dölfi wurde von dem
Wahnsinn angesteckt und ließ dein Saxophon heulen, wie eine Sirene bei
Katastrophen- Alarm. (...) Unsere Musik klang wie Variationen über ein
schweres Eisenbahnunglück. (...) Plötzlich flog das Dach weg und die
Wände klappten nach außen. (...) Das war die Geburtsstunde des Free
Jazz!" Dietrich Rauschtenberger erzählt das sprachlich gekonnt so
atemlos und kurzweilig, gleichzeitig so nonchalant und dicht an der
Free Jazz-Wirklichkeit, daß man nach 47 Minuten recht betrübt über das
Ende ist. Doch da steckt so viel drin, daß man es mehrfach
hören kann ohne es über zu haben. Und das Erstaunlichste: der von
Rauschtenberger dazu entworfene Free Jazz-Soundtrack ist ganz wunderbar
musikalisch - wie ein Friedensangebot an alle Skeptiker. Empfehlung:
Unbedingt anhören.
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Dietrich Rauschtenberger
Wie wir den Free Jazz erfunden haben
Ein Hörspiel mit Text und Musik von Dietrich Rauschtenberger
Hörspielbearbeitung, Regie und Sounddesign: Dirk Peters
Rolf Becker - Sprecher
Dietrich Rauschtenberger - Schlagzeug, Percussion, Saxophon
Christian Sade - Trompete, Flügelhorn, Posaune
© + (P) 2005 guanako audio 005
Spieldauer: 47 Minuten
Weitere Informationen unter:
www.guanako.de
www.rauschtenberger.com
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