Diese abgehoben schönen, zärtlichen 50 Minuten Musik gehören ohne Zweifel zum
sanftesten und erotischsten, was je auf eine CD gebrannt worden ist.
Joo Kraus, ein experimentierfreudiger, mitunter explosiver und
innovativer Trompeter, der auch dem Zeitgenössischen zugetan ist, ist
zur Spitze im europäischen Jazz zu zählen. Hier hat er einen Weg nach
innen gesucht und mit viel Gefühl gefunden.
Fast
zu hart scheint die Formulierung "butterweich" für das Intro des auf
einer zarten Wolke schwebenden Openers "Same Thing" mit Ralf Schmids
Einleitung am Klavier, dem sich Joo Kraus und Tilman Ehrhorn
zugesellen, bevor Kristiina Tuomi das Ensemble sanft komplettiert.
"Estate" illustriert nicht weniger gefühlvoll die (Jahres)Zeit des
entspannten Sommers, dessen warmer Regen wieder mit Kristiina Tuomis
klarer Stimme erfrischt. Im sanften Rhythmus schwingen "Santadi" und
"Lobo", in dem Joo Kraus in bester Italo-Western-Manier pfeift und Luis
Frank stimmliches Kolorit beiträgt. Auch Kraus´ Trompete nimmt den
mexikanisch/ kubanisch angehauchten Klang des Genres an. Denn Kuba und
die Nächte von Havanna sind es, die Joo Kraus zu diesem Album
inspiriert haben.
Traumverloren (schließlich heißt das Album ja "Sueño") wie schon das Intro setzen The First Day Without You On My Mind" und "My Home" fort, mit einen schnellen "Free Fall" als Intermezzo. Das Titelstück "Sueño" schließlich,
mit fließendem Übergang zum Ravel-inspirierten "Joolero" macht die
Traumzeit komplett. Neben dem Opener "Same Thing" gehört dieses Doppel
mit zum Schönsten dieser durchweg gelungenen CD. Joo Kraus schafft es,
beim Hörer Gefühl und Sinne zu schärfen. Man hört völlig entspannt
dieser Musik zu, die pure Kontemplation bietet, aber auch ein wenig
neugierige Spannung darauf aufbaut, wie es wohl im jeweils nächsten
Stück weitergeht. Das Ergebnis ist ein hochwertiges, brillantes Album
der Spitzenklasse, von einem großen Trompeter und seinem hervorragenden
Ensemble zu einem traumschönen Bilderbuch gestaltet.