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Gitte Hænning
Jazz


Vom Schlagersternchen zur Lady of Jazz

Von Frank Becker

Während sie in Deutschland noch als Cowboy-Liebchen in der Rubrik Schlagermusik geführt wurde, hatte Gitte Hænning in ihrer dänischen Heimat und in Frankreich längst einen recht guten Ruf als Jazz-Sängerin. Hierzulande musste sie sich in den 80er Jahren erst einmal mit Songs wie „Ich will alles“ emanzipieren, bis das Publikum auch ihre Jazz-Ambitionen akzeptierte. Dabei gibt es schon aus dem Jahr 1969 Belege für ihr Talent in Aufnahmen mit der Francy Boland Big Band. Anfang des neuen Jahrtausends präsentierte sich die Entertainerin mit verschiedenen Live-Programmen unter den Mottos „In Jazz“ und „Jazz im Frack“, einer erfolgreichen Tournee und einem jazzigen Album „Songs For My Father“. 2004, das Jahr ihres 50-jährigen Bühnenjubiläums feiert Gitte Hænning mit einem bei ihrer Tournee 2002 aufgezeichneten Live-Album, das den schlichten, jedoch aussagekräftigen Titel „Jazz“ trägt.

Die 14 Songs, die auf „Jazz“ zu finden sind, verbinden sich für die Künstlerin mit Impressionen ihres Lebens, sind quasi eine musikalische Autobiographie, die mit „My Kinda World“ beginnt und nach Kurt Weills „Lost In The Stars“ mit ihrem zum Hit gewordenen Bekenntnis „Ich will alles“ endet. Dazwischen liegen Stationen, die sicher auch vielen der Hörer etwas bedeuten, die in etwa in Gitte Hænnings Zeit aufgewachsen sind. „Shadrack“ in der faszinierenden Aufnahme von Louis Armstrong gehörte zu den ersten in meinem Plattenalbum, Gitte interpretiert es mit Verve. Dem Beatles-Titel „Blackbird“ gibt sie eine leichte Note und swingend zeigt sie sich in „All I Do Is Dream Of You“ mit Partner Sebastian Weiss am Klavier. Sicher stark vom eigenen Erleben beeinflusst, sind „Crazy He Calls Me“, „Ol´ Man River“ (ein inspirierter Swing für ihren Vater) und Paul Simons „Fifty Ways To Leave Your Lover“ eingeflossen.

Bei allem Charme einer Live-Aufzeichnung könnte man sich sehr gut vorstellen, mit der selben Begleitband, aber ordentlicher Studio-Technik und –Akustik ein weitaus eindrucksvolleres Album auf den Tisch bekommen zu haben. „Jazz“ ist ambitioniert, zeigt aber bei weitem nicht ausreichend, welches Jazz-Potenzial in Stimme und Performance von Gitte Hænning steckt. Doch vielleicht sitzt sie ja, wie sie es mit einem Bild ihrer Kindheit von Zigarre rauchenden alten Damen in Kopenhagener Cafés vor Augen verbindet, irgendwann mal auf Vester Volgade oder H.C. Andersens Boulevard mit Blick auf den Rathausplatz oder auf Strøget, eine gepflegte Zigarre von Hirschsprung in der Hand und einen doppelstöckigen Connamara im Tumbler, weil noch Zeit bis zum Auftritt im „Montmartre“ in der Nørregade ist... Dann gehört sie ganz dem Jazz. Tillykke med halvtreds år paa scenen!


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Gitte Hænning
Jazz

Gitte Hænning Vocals
Sebastian Weiss Piano
Stefan Weeke Bass
Thomas Alkier Drums

© + (P) 2004 Etiquette Music etiquette 3712

Track List:
1. My Kinda World 2:47
2. They Say It´s Spring 3:37
3. Shadrack 3:32
4. Blackbird 3:37
5. All I Do Is Dream Of You 1:51
6. Crazy He Calls Me 4:10
7. The Spider And The Fly 5:10
8. There´s No Business Like Showbusiness 4:57
9. Much More 2:55
10. Ol´ Man River 3:22
11. Your Song 3:45
12. Fifty Ways To Leave Your Lover 6:05
13. Lost In The Stars 2:54
14. Ich will alles 4:06

Total Time: 52:59

Weitere Informationene unter:
www.etiquette-music.com www.soulfood-music.de




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