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Jasmin Tabatabai & David Klein Orchester
Eine Frau



Von Stefan Schmöe

Ganz schlicht eine Frau nennt sich diese CD, mit dem Jasmin Tabatabai die doch ziemlich verwaiste Bühne des deutschen Chansons erobert. Es ist trotz vieler frecher Töne ein überwiegend leises, melancholisches und vor allem wunderschönes Album geworden, das die in Teheran geborene, nach der islamischen Revolution nach Deutschland übergesiedelte Schauspielerin und Musikerin gemeinsam mit dem umtriebigen Basler Musiker, Komponisten und Produzenten David Klein eingespielt hat und das „Klassiker“ wie „Kann denn Liebe Sünde sein“ und neue Kompositionen von David Klein in einer ebenso klugen wie harmonischen Mischung vereint.

Jasmin Tabatabai ist kein verruchter Vamp, nicht die distanzierte Diva wie einst Hildegard Knef. Sie hat eine zarte, ja zärtliche Stimme, ein bisschen mädchenhaft (aber nicht zu sehr), oft verträumt und meistens melancholisch (auch das nicht zu sehr), immer mit der Prise Erotik, die das Genre braucht. Für frivole Fragen der Art „Warum soll eine Frau denn kein Verhältnis haben?“ bringt sie hintergründige Ironie ein. Auf dem schmalen Grat des Sprechgesangs bewegt sie sich souverän. Das ergibt einen sehr persönlichen Stil, der jedem Song seine eigene Note verleiht. Die Arrangements (Lutz Krajenski) mit gelungenen Anleihen beim Jazz sind sehr farbig, üppig instrumentiert (mitunter schon fast allzu gefällig), und es gelingt das Kunststück, mit vielen instrumentalen Akzenten ein sehr abwechslungsreiches Klangbild zu schaffen, aber nie der Sängerin die Schau zu stehlen. Das David Klein Orchester und die Streicher des Sinfonieorchester Basel lassen keine Wünsche offen.

„Kann denn Liebe Sünde sein“ erklingt als sehr farbige Mischung aus Jazz-Combo (mit starken Akzenten vom Vibraphon) und Streichersound. „Zwei Dutzend Kleider, zwei Dutzend Ehen“ (Musik: David Klein, Text: Edith Jeske) greift lässig diesen Tonfall auf. Friedrich Hollaenders „Ich weiß nicht zu wem ich gehöre“ erklingt verträumt-melancholisch mit einem hinreißenden Trompetensolo (Matthieau Michel). Sehr intim beginnt das von Reinhard Mey übernommene „Herbstgewitter über Dächern“. In die Reihe der frecheren Chansons vom Typ „starke Frau“ gehört „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben“ (aus der Operette „Eine Frau, die weiß, was sie will“ von Oscar Strauss) und „Eine Frau“ (Musik: David Klein). „Nimm ihn Dir“ (die einzige schwächere Nummer) wartet mit fetzigem Bigband-Sound auf. Sehr elegisch im Wechselspiel von Flöte, Oboe und Fagott mit Klavier und Streichorchester kommt das französische „Chanson d’Helene“ daher (eine Übersetzung im Booklet wäre hilfreich). Mit einer deutschen Version von Egberto Gismondis „Agua e Vinho“ klingt das Album (das mit einer von David Klein geschaffenen nachdenklichen Vertonung von Tucholskys Gedicht „Menschen der Großstadt“ eingeleitet wird) still und introvertiert aus. Bleibt nur zu hoffen, dass Jasmin Tabatabai und David Klein bald nachlegen.


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Jasmin Tabatabai & David Klein Orchester:
eine Frau


Tracklist:

1. Augen in der Großstadt 5:40
2. Kann denn Liebe Sünde sein 4:08
3. Ein Brautkleid 4:29
4. Ich weiß nicht zu wem ich gehöre 3:59
5. Herbstgewitter über Dächern 6:26
6. Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben 5:29
7. Eine Frau 3:26
8. Nimm ihn Dir 3:54
9. La chanson d' Hélène 3:50
10. Menschen die sich lieben 5:55
11. Nacht (Agua e Vinho) 4:11

Gesamtspielzeit: 51:36

edel 0206942CTT

Weitere Informationen unter:
www.jasmin-tabatabai.com
www.david-klein.tv




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